Prozess gegen Selmer: Heftige Beleidigung kostet 39-Jährigen Hälfte des Monatsbudgets

hzAmtsgericht

Vor dem Amtsgericht Lünen hatte sich jetzt ein 39-jähriger Selmer zu verantworten. Wegen Beleidigung. Seine Wortwahl war krass.

von Jana Peuckert

Selm

, 17.12.2019, 05:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Auf der Suche nach einem Mann, der sich unerlaubt in der Obdachlosenunterkunft in Selm aufhielt, waren zwei Mitarbeiter des Selmer Ordnungsamtes am Abend des 23. März in das Zimmer eines 39-Jährigen gegangen. Der Bewohner stand gerade unter der Dusche. Er begrüßte die beiden mit „Sieg heil. Verpisst euch“.

Da sich die Angesprochenen damit als Nazis fühlen mussten, fand sich der 39-Jährige nun wegen Beleidigung auf der Anklagebank des Amtsgerichts Lünen wieder. Er habe sich erschrocken und nicht gewusst, wer da so plötzlich die Tür zum Badezimmer aufgerissen hatte, erklärte er. Er habe einfach direkt reagiert und dabei überreagiert. Bei der Äußerung trat die offenbar rechtsradikale Gesinnung des Angeklagten hervor. Nicht zum ersten Mal. 2017 war er wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verurteilt worden.

Bei dem Vorfall blieb es bei Beleidigung. Aber nur, weil der Mann sich in seiner Privatsphäre und nicht in der Öffentlichkeit, wo es Zuhörer in Form von Passanten hätte geben können, befunden habe, erklärte die Richterin. Am Ende verurteilte die Vorsitzende den Angeklagten, dem monatlich 600 Euro zur Verfügung stehen, zu einer Geldstrafe von 300 Euro. Sowohl der Angeklagte, als auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft verzichteten auf die Einlegung von Rechtsmitteln. Damit ist das Urteil gültig.

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