Raser am Beifanger Weg? Eine Probe-Messung enthüllte ein überraschendes Ergebnis

hzTempo 30

Auf dem Beifanger Weg sind Raser schon seit vielen Jahren ein großes Problem, sagt eine Anwohnerin. Nun hat der Kreis Unna eine Probe-Messung durchgeführt - das Ergebnis ist außergewöhnlich.

Selm

, 12.09.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hier fahren Leute her, da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln“, sagt Ingrid Schulz. Gemeint sind die Auto- und Motorradfahrer, die an ihrem Haus am Beifanger Weg vorbeifahren - oft viel zu schnell, sagt sie. Auch der Kreis Unna hat sich mit dem Problem bereits beschäftigt und ist zu einem überraschend eindeutigen Ergebnis gekommen.

Bereits seit 25 Jahren lebt Ingrid Schulz dort. Ihr Garten grenzt direkt an den Beifanger Weg. 30 Kilometer pro Stunde sind dort erlaubt. Doch „kaum einer hält sich an die 30 Km/h“, beklagt die Anwohnerin. Geschwindigkeitskontrollen habe es aber bislang erst wenige gegeben, sagt sie.

Raser-Anteil am Beifanger Weg erschreckend hoch

Das soll sich nun aber ändern. Denn vor einigen Wochen hatte der Kreis Unna getestet, wie viele Autofahrer auf dem Beifanger Weg zu schnell fahren. Bei der Messung wurde überprüft, ob dort „überdurchschnittlich zu schnell“ gefahren worden sei, erklärt Robin Seliger vom Kreis Unna. Bei Tempo 30 bedeutet das eine Mindestgeschwindigkeit von 38 Km/h.

Dies sei einer der Gründe, warum eine dauerhafte Messstelle eingerichtet werden könnte, so Seliger. Bei der Test-Messung müssten daher mindestens 15 Prozent zu schnell fahren - der mehrtägige Test am Beifanger Weg ergab aber sogar einen deutlich höheren Raser-Anteil. „62,8 Prozent sind schneller als 38 Km/h gefahren“, erzählt Michael Arnold, der beim Kreis Unna für den Straßenverkehr zuständig ist.

Raser am Beifanger Weg? Eine Probe-Messung enthüllte ein überraschendes Ergebnis

Die Messkisten, mit denen der Kreis Unna Probe-Messungen durchführt, sehen ziemlich unscheinbar aus. Auch am Beifanger Weg kam ein solches Gerät vor einigen Wochen zum Einsatz. © Sylvia vom Hofe (A)

Warum dort so viele Autofahrer zu schnell fahren, könne er sich auch noch nicht erklären. „Vielleicht liegt es am Erscheinungsbild der Straße“, sagt er. Während auf der einen Seite Wohnhäuser stehen, sind auf der anderen vor allem Felder zu sehen. Bei dem Anblick von Feldern würden viele denken, „hier ist ja schon fast außerorts“, und schneller fahren, erklärt Arnold.

Nicht nur überhöhte Geschwindigkeiten sind ein Messgrund

Neben den zu schnell fahrenden Verkehrsteilnehmern gibt es am Beifanger Weg aber sogar noch einen weiteren potenziellen Messgrund. Denn in unmittelbarer Nähe der Straße gibt es einen Spielplatz. Der, so Robin Seliger, wurde allerdings gar nicht in die Überlegungen miteinbezogen. Die Geschwindigkeitsüberschreitungen alleine reichten schon aus, um eine neue Messstelle einzurichten.

Seit etwa drei Wochen gebe es am Beifanger Weg nun schon Geschwindigkeitskontrollen. Zu genauen Zahlen wollte sich Robin Seliger allerdings nicht äußern. „Nach so kurzer Zeit ist das nicht realistisch“, erklärt er. In der Anfangszeit gebe es immer sehr hohe Zahlen, die dann aber „nach kurzer Zeit rapide runtergehen“ würden.

Jetzt lesen

Das liege daran, dass sich viele Autofahrer an die Messstelle gewöhnen müssten. Die Zahl sinke dann schnell, da die meisten sich zügig anpassen würden und sich dann auch an die erlaubte Geschwindigkeit halten würden.

Im Kreis Unna muss an mehreren hundert Stellen gemessen werden

Wann der Kreis Unna am Beifanger Weg kontrolliert, variiert. „Da ist immer Abwechslung drin“, sagt Seliger. Insgesamt gebe es im ganzen Kreisgebiet etwa 450 Messstellen. Für die Kontrolleure bedeutet das viel Arbeit. „Wir nehmen uns an einem Tag immer einen ganzen Ort vor“, erklärt er.

Trotz der vielen zu schnell fahrenden Autos und Motorräder ist der Beifanger Weg aber kein Unfallschwerpunkt, sagt Bernd Pentrop, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Unna. „Natürlich gibt es da Verkehrsunfälle“, stellt er fest. Doch zu der Kategorie der Verkehrsunfälle würden eben auch Unfälle zählen, die beim Parken oder durch das Missachten der Vorfahrtsregeln passieren.

Generell habe er aber nicht den Eindruck, dass am Beifanger Weg viele Unfälle passieren. Unfälle gebe es - zu ihrer eigenen Überraschung - tatsächlich nur wenige, sagt auch Anwohnerin Ingrid Schulz. Sie selbst hat aber schon mal einen hautnah miterlebt. „Jemand ist hier in den Zaun gefahren“, erinnert sie sich.

Die skurrile Geschichte des Beifanger Wegs

  • Im vergangenen Jahrzehnt wurde der Beifanger Weg für 700.000 Euro ausgebaut. Zum Bau gehörten auch einige verkehrsberuhigende Hindernisse, die im Laufe der Jahre nach Gesprächen mit Anwohnern hinzukamen.
  • Das fand die Bezirksregierung Arnsberg allerdings nicht gut. Denn die Stadt Selm hatte Fördergelder für den Umbau einer verkehrs- und nicht anwohnerwichtigen Straße erhalten.
  • Daher forderte die Bezirksregierung Arnsberg 2016 nach einer Prüfung, ob nach Richtlinien gebaut wurde, 306.000 Euro aus dem Fördertopf von der Stadt zurück. Einzige Alternative: Die Stadt sollte einige verkehrsberuhigenden Hindernisse zurückbauen und tat dies dann auch.
  • Der Beifanger Weg wurde daraufhin eine Vorfahrtsstraße. Dennoch blieb auch weiterhin Tempo 30 als vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit.
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt