Sanierungsfall Stiftskirche Cappenberg: Seit sechs Monaten Stillstand

hz900 Jahre Kloster Cappenberg

Der Stiftskirche läuft die Zeit davon. Pünktlich zum Jubiläumsjahr „900 Jahre Kloster Cappenberg“ 2022 sollte sie rundum saniert sein. die Arbeiten haben aber nicht einmal begonnen.

Cappenberg

, 06.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Sanierung der Stiftskirche beginnt Anfang 2020. Das hatte die Bezirksregierung im August 2019 mitgeteilt. Dann war von Ende Januar die Rede. Schließlich von April. Und jetzt?

„Anfang nächster Woche wird das Gerüst aufgestellt“, sagte Ulrich Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg, die für das Land NRW die Arbeiten an dem bedeutenden, fast 900 Jahre alten Sakralbau koordiniert. Das war kurz nach Pfingsten. Doch bis zum 6. Juni ist rund um das romanische Kirchenschiff keine einzige Gerüststange zu sehen. Innen genauso wenig. Dabei drängt die Zeit.

Kirche ist seit März geschlossen

Die Stiftskirche ist ein Kleinod. In keinem Reiseführer fehlt sie: wegen des Grabs des heiligen Gottfrieds, der vor 90 Jahren dort das erste Prämonstratenserkloster auf deutschem Boden gründete, wegen des detailreichen Baegert-Altars aus dem 15. Jahrhundert, dem 500 Jahre alten reich verzierten Chorgestühl und wegen der goldenen Büste, die weltweit als Barbarossa-Kopf bekannt ist. Seit Mitte März ist sie geschlossen - nicht nur wegen des Coronavirus.

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Eine Woche vor dem Lockdown waren Dr. Reinhard Karrenbrock von der Gruppe Kunstpflege des Bistums Münster und seine Kollegen in Cappenberg: mit Lieferfahrzeugen. Ob das 800 Jahre alte Kreuz über dem Altar oder die lächelnde Madonna aus dem 14. Jahrhundert: Alle Ausstattungsgegenstände, die nicht niet- und nagelfest waren, haben sie mitgenommen und zu Restauratoren gebracht. „Zum Glück“, sagt Karrenbrock.

Seit Anfang März ist auch das spätromanische Kreuz in der Restauratorenwerkstatt.

Seit Anfang März ist auch das spätromanische Kreuz in der Restauratorenwerkstatt. © Sylvia vom Hofe

Eine Woche später hätte diese Aktion nicht mehr stattfinden können. Und hätten die einzigartigen Kunstwerke zweieinhalb Monate länger in der Kirche bleiben müssen. Da, wo ihnen das Raumklima zuletzt stark zugesetzt hatte.

Schimmel setzte Kunstwerken zu

Staub, Feuchtigkeit, Schimmel bedrohen die Kunstwerke. Einige besonders bedeutende wie den Baegert-Altar hatte Karrenbrock bereits Ende 2019 abholen lassen. Im März folgten die nächsten. Die Kunstwerke, die jetzt noch in der Kirche sind, lassen sich nicht bewegen: wie das Chorgestühl. Das muss vor Ort restauriert werden - vorausgesetzt, die Arbeiten beginnen endlich.

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Dass sie „unter großem Zeitdruck“ arbeiten müssten, hatte Architekt Wolfgang Ubbenhorst bereits Ende November gesagt. Damals gingen alle noch von einem Beginn der Arbeiten im Januar aus. Ein Wettlauf gegen die Zeit sei es. Denn 2022 soll alles fertig sein: pünktlich zum Jubiläumsjahr 900 Jahre Stiftung des heiligen Gottfrieds, 900 Jahre Kloster Cappenberg, 900 Jahre Grundsteinlegung der Kirche und 900 Jahre Kaiser Barbarossa, der Patensohn von Gottfrieds Bruder, Otto.

International bedeutsame Ausstellung

Von September 2022 bis Februar 2023 soll eine international Beachtung findende Ausstellung an zwei Standorten stattfinden: sowohl im LWL-Kunstmuseum in Münster als auch in der Stiftskirche Cappenberg - ein Highlight für Kunst-und Kulturfreunde aus ganz Europa. Und für Cappenberg: Um das auch touristische Potenzial des Jubiläumsjahres zu nutzen, sind Vertreter des Kreises, der Städte und des Rotary-Clubs Kaiser Barbarossa Selm sei Jahren aktiv. Das, was sie dabei gar nicht gebrauchen können: wenn im Zentrum der grenzüberschreitenden Aufmerksamkeit eine Baustelle stünde.

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Das werde nicht passieren, versichert Ulrich Söbbeler , der Sprecher der Bezirksregierung: „Der Zeitplan steht.“ Die Verzögerungen würden nichts daran ändern. Das sagte er nach Pfingsten - als er auch noch davon ausging, dass inzwischen das Baugerüst aufgebaut sei.

Schloss wird erst vier Jahre später fertig

Auch gleich nebenan, im dreiflügeligen Schloss Cappenberg mit seinen Museumsräumen schert sich der tatsächliche Verlauf der Restaurierungsarbeiten nicht an dem ursprünglichen Zeitplan. Eigentlich sollten die 2015 begonnene Arbeit bereits 2017 beendet sein. Jetzt ist von Ende 2021 die Rede.

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