Sanitärgroßhändler Cordes und Graefe will neue Arbeitsplätze schaffen in Selm

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Selm könnte bald die Drehscheibe für Sanitärbedarf im Ruhrgebiet sein. Der Haustechnik-Großhändler Cordes und Graefe will an der Werner Straße ein Lager bauen - und Arbeitsplätze schaffen.

Selm

, 15.01.2020, 20:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Neujahrsempfang 2019 hatte es Bürgermeister Mario Löhr angekündigt: Nachdem ein Jahr zuvor ein Unternehmen abgesprungen war, gebe es nun einen neuen Interessenten, der sich an der Werner Straße ansiedeln wolle, hieß es damals. Bis zu 800 Arbeitsplätze würden entstehen. Danach war es ruhig geworden darum - bis jetzt.

Cordes-und-Graefe-Vorstand meldet „großes Interesse“ an

„Wir habe sehr großes Interesse, uns hier niederzulassen“, sagte Patrick Hofmann aus der Geschäftsleitung des Bremer Unternehmens Cordes und Graefe. Er war am Dienstagabend mit zwei Kollegen zu Gast in der gemeinsamen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses und des Umweltausschusses im Bürgerhaus: der erste öffentliche Auftritt von Vertretern des Unternehmens am neuen Standort.

Der Name Cordes und Graefe sei vielen nicht bekannt, meinte Hofmann. Die Produkte des Unternehmens seien es allerdings sehr wohl. Ob Sanitär, Heizung, Klima/Lüftung, Elektro, Installation oder Dachtechnik: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Produkte, die ein Installateurbetrieb bei seinen Kunden verbaut, von einem Standort der CG-Gruppe stamme, sei groß.

24.0000 Mitarbeiter in ganz Europa

Mit über 100 mittelständischen und persönlich geführten Haustechnik-Großhändlern - darunter etwa Gebäudetechnik Herbert Heldt und Rhein-Ruhr-Collin - sei die CG-Gruppe bundesweit vertreten, so Hofmann: „In allen Bundesländern“ - und darüber hinaus. Europaweit hat das Unternehmen mit dem rotgelben Logo 24.000 Beschäftigte, allein in Deutschland 15.000.

Erst einmal rund 200 sollen in Selm dazukommen. Vielleicht auch mehr, wie es Löhr in Aussicht gestellt hatte. „Die Anzahl der Ausbaustufen hängt von der Entwicklung des Geschäfts ab.“ Dabei werde es sich nicht nur um Lagerarbeiter handeln. „Wir brauchen auch Beschäftigte im kaufmännischen Bereich“, so Hofmann: in Teilzeit und in Vollzeit.

Erschließung erfolgt über den Kreisverkehr

Das Selmer Grundstück bietet Platz für gleich mehrere Ausbaustufen: 13 Hektar misst die Fläche, die nicht direkt über die Werner Straße erschlossen wird, sondern über den neuen vierten Arm des Kreisels Werner Straße/Umgehungsstraße K 44n. Zwischen 3 und 4 Uhr werden dort die LKW fahren, wie Hofmann sagte.

In Selm wolle das Unternehmen ein Lager aufbauen, in dem die Ware - vom Wasserhahn bis zur Kloschüssel - kommissioniert wird für den Weitertransport zu den einzelnen Installationsbetrieben. Unternehmen im Umkreis von 50 bis 100 Kilometern würden beliefert. Hofmann nannte vor allem den „Raum Dortmund, Essen, Düsseldorf, Köln“.

Wie viele LKW täglich hin und her fahren werden? Dazu hat sich Hofmann noch nicht geäußert. „Das weiß ich heute einfach noch nicht.“ Er warb aber schon einmal für Verständnis, dass die Verkehrsbelastung steigen werde. „Jeder, dessen Heizung schon einmal kaputt war, weiß, wie dringend man auf Ersatzteile warten kann.“

Werner Sell: Über Weiterbau der Umgehungsstraße nachdenken

Das Verkehrsaufkommen ist es, das Werner Sell von der Fraktion „Wir für Selm“ Sorgen macht. Schon jetzt gebe es zu Stoßzeiten Staus in der Stadt. Um die Situation zu entschärfen, brachte er den Weiterbau der Umgehungsstraße in Richtung Nordkirchener Straße ins Gespräch: eine Idee, die bei Bürgermeister Mario Löhr wenig Anklang fand.

„Es hat in der Vergangenheit Gespräche gegeben“, erinnerte er. Dabei hätten die Grundstückseigentümer keine Bereitschaft gezeigt, zu verkaufen.

Marion Küpper von den Grünen kritisierte die geplante Ansiedlung auf der grünen Wiese. Hubert Seier von der UWG mahnte an, beim Bau klimafreundliche Technik zum Einsatz zu bringen. Bei einer Enthaltung stimmten alle Politiker für die Änderung des Bebauungsplans.

Kommentar: Ein Zeichen der Hoffnung Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Selm wagt sich `was – und wie: neues Zentrum, neue Wohnungen, neue Sportstätten, neue Spielgeräte und bald auch ein neues Schwimmbad. Die Stadt putzt sich tüchtig heraus - auf Pump. Das hat Kalkül: Eine Stadt mit attraktiven Angeboten, so der Plan, zieht Bürger und Arbeitgeber an, was auf Dauer für mehr Einnahmen sorgen soll. So will sich die hoch verschuldete Kommune irgendwann mit eigener Kraft aus dem Schuldensumpf ziehen. Zu schön, um wahr zu sein? Das Beispiel des Bremer Großhändlers Cordes und Graefe macht zumindest Mut, dass der Plan doch aufgehen könnte – auch wenn der Weg noch lang und beschwerlich ist und der Schuldenberg vorläufig bestehen bleibt: ein massives Gebirge.
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