Darum haben Schüler des Selmer Gymnasiums an der Borker Synagoge gegraben

hzProjektwoche

Muss die Geschichte der Borker Synagoge neu geschrieben werden? Zumindest deutet einiges darauf hin, dass sie ergänzt werden muss. Der Dank gilt auch dem Gymnasium Selm.

Selm

, 11.09.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Passender kann das Motto einer Projektwoche kaum sein: „Gemeinsam etwas schaffen“, heißt es in der Woche vom 9. bis 13. September am Städtischen Gymnasium Selm. Eine Aktion rückt dabei ganz besonders in den Vordergrund - weil sie absolut öffentlichkeitswirksam ist.

Tim aus der Klasse 8a sagt über sich, dass er „sich sehr für Geschichte interessiert.“ Deshalb war er von einem Angebot in der Projektwoche gleich begeistert - einer Grabung an der Synagoge in Bork, die bereits im Häuserverzeichnis von 1818 verzeichnet ist. Ein also historisch sehr bedeutsames Gebäude.

Denkmalpflegerin weist auf ein Element der Borker Synagoge hin

Im Zusammenhang mit einer Neukonzeptionierung des Vorraumes wies Denkmalpflegerin Dr. Bettina Heine-Hippler vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) auf ein nicht mehr erhaltenes Element der Borker Synagoge hin. Wie viele andere Synagogen könnte auch sie früher über ein rituelles Tauchbad (Mikwe) verfügt haben.

Im August 2019 fand ein erster Ortstermin an der Synagoge statt, an dem Vertreter der Stadtverwaltung Selm, der Stadtwerke und der Außenstelle Olpe des LWL teilnahmen. Danach war klar: Es wird eine Grabung geben - allerdings nur in einem sehr begrenzten Umfang.

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Versorgungsleitungen erschweren die Untersuchung in Bork

„Man muss dabei auch immer die Kosten im Auge behalten“, sagte am Dienstag, 10. September Lutz Cramer (LWL-Archäologie für Westfalen) beim Ortstermin. In dem betroffenen Bereich verlaufen (leider) einige Versorgungsleitungen, die eine großflächige Untersuchung äußerst schwierig machen.

Nachdem die Stadt aber erste Vorarbeiten geleistet hat, waren am Dienstag Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums aktiv. Und tatsächlich: Sie fanden alte Mauerreste. Ob diese tatsächlich einer Mikwe zuzuordnen sind, konnte Cramer vor Ort nicht mit Bestimmtheit sagen. „Ich tue mich schwer, das mit Bestimmtheit zu sagen.“ Dafür sei eine größere Ausgrabung notwendig.

Schüler finden die praktische Arbeit „super spannend“

Aber auch das relativ kleine Loch und der Fund der Mauerreste war für die Schülerinnen und Schüler ein „Highlight“. Lea aus der Q1 räumte im Gespräch ein, dass sie sich ursprünglich nicht für dieses Projekt gemeldet habe. Jetzt sei sie aber sehr froh, dass sie der Gruppe zugeordnet wurde.

Die Schülerin hat Geschichte als viertes Abiturfach gewählt. Und sie gestand ein, dass sie bislang nicht gewusst habe, was eine Mikwe ist. Begeistert hat Lea, dass sie nicht nur ihr theoretisches Wissen erweitert hat, sondern dass sie sehen konnte, wie Archäologen praktisch arbeiten. „Das ist super spannend“, sind sich Lea und Tim einig. Und wer weiß: Vielleicht kann doch irgendwann festgestellt werden, ob es hier ein Tauchbad gab.

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