Schüler der Overbergschule beim Bestatter – kein alltäglicher Besuch

hzHospiz macht Schule

Die Kinder der Klasse 3a der Overbergschule haben am Mittwoch den Bestatter Winfried Assenkamp besucht. Berührungsängste hatten die Kinder dabei aber gar nicht. Ganz im Gegenteil.

von Annika Heuser

Selm

, 28.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Eine besondere Auseinandersetzung mit dem Tod hatte die Klasse 3a der Overbergschule am Mittwoch. Im Rahmen der Projektwoche „Hospiz macht Schule“ besuchte sie zusammen mit Lehrerin Anna Schweins und sechs Mitgliedern der Hospizgruppe Selm-Olfen-Nordkirchen e. V. den Bestatter Winfried Assenkamp in Selm.

Es ist mucksmäuschenstill. Die Kinder hören interessiert zu, was Assenkamp über die Bestattungsformen erzählt. „Bei uns wird heute überwiegend die Feuerbestattung ausgewählt“, erklärt Assenkamp. Bis vor wenigen Jahren habe sich ein Großteil seiner Kunden noch für die Erdbestattung entschieden.

Kinder berichten von ihren Erfahrungen

Mit Neugier und Offenheit begegnen die Drittklässler dem Thema Tod. Einige erzählen Assenkamp, was sie damit verbinden. „Ich bin schon mal abends über den Friedhof gegangen“, verrät ein Junge. Ein anderer erzählt beim Anblick der vielen Särge von der Beerdigung seines Opas. Ihm ist vor allem „die traurige Musik“ in Erinnerung geblieben.

Es sind vor allem Kleinigkeiten, auf die die Kinder im Bestattungshaus achten: ein Kerzenleuchter, der „wie ein Baum“ aussieht, ein Holzschiff zwischen zwei Särgen und ein Foto einer älteren Dame.

Wie schwer ist ein Sarg?

Bestatter Assenkamp will den Kindern die Scheu vor den Särgen nehmen und fragt: „Wer ist denn stark von euch und möchte einen Sarg anheben?“ Sofort schnellen reichlich Kinderhände in die Höhe. „Der ist doch leicht“, tönt es danach. Assenkamp verrät, dass Särge bis zu 100 Kilogramm schwer sein können.

Schüler der Overbergschule beim Bestatter – kein alltäglicher Besuch

Winfried Assenkamp hat den Schülern seinen Betrieb gezeigt und Bestattungsformen erklärt. © Annika Heuser

Gespannt verfolgen die Drittklässler anschließend, was Assenkamp ihnen über die unterschiedlichen Urnen erzählt. Keramikurnen, Holzurnen, Friedwaldurnen und Gedenkurnen. „Da kann man auch eine Haarlocke hineinlegen“, sagt Assenkamp. Oder man zünde neben der Urne eine Kerze an, um dem Verstorbenen zu gedenken.

Der neunjährige Hannes möchte wissen: „Macht der Beruf auch Spaß?“ „Nicht immer“, antwortet ihm Assenkamp, der seit 1972 Bestatter ist. Auch nach 47 Jahren leide er noch mit, wenn die Angehörigen von ihren Verstorbenen Abschied nehmen müssen. Aber er freue sich, wenn er eine positive Rückmeldung von den Angehörigen bekomme. „Ich habe einen neuen Berufswunsch“, verkündet der Drittklässler.

Themen der Projektwoche

Die von der Hospizgruppe organisierte Reihe „Hospiz macht Schule“ gibt es seit 2009. „Wir gehen reihum“, erklärt Margret Overhage vom Team der Hospizgruppe. „Wir waren zum Beispiel auch in Südkirchen und Cappenberg“.

Das Team versucht die Drittklässler spielerisch in Kleingruppen von vier bis fünf Kindern an das Thema heranzuführen, zum Beispiel mit Malen und Pantomime-Spielen.

Schüler der Overbergschule beim Bestatter – kein alltäglicher Besuch

Die Grundschüler stellten viele Fragen zum Thema Bestattungen. © Annika Heuser

Die Projektwoche hat am Montag mit dem Thema „Verwandlung“ begonnen. Am Dienstag durften die Kinder Dr. Antje Münzenmaier, Vorsitzende der Hospizgruppe, mit ihren Fragen zum Thema „Krankheit“ löchern. Münzenmaier hat versucht, Fragen wie „Was ist ein Herzinfarkt?“ kindgerecht zu beantworten.

Mit dem Thema „Traurig sein“ beschäftigen sich die Drittklässler am Donnerstag. Der Freitag steht unter dem Motto „Trost und Trösten“ und endet mit einem Brunch mit Schülern und Eltern, um sich über die Woche auszutauschen.

Der Tod sollte kein Tabuthema sein

Koordinatorin der Hospizgruppe Dorothea Stockmann erklärt, warum man die Schüler auf das Thema Tod vorbereiten sollte: „Es ist wichtig, dass man Kinder miteinbezieht. Kinder sind wissbegierig. Wenn sie etwas wissen, haben sie weniger Angst davor“. Viele Kinder hätten sich zu Beginn der Woche nichts unter einem Bestatter vorstellen können. Der Besuch im Bestattungshaus sei etwas „zum Anfassen“.

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