Einige Schülerinnen und Schüler sind seit einer Woche wieder im regulären Unterricht - wie lange alle anderen Klassen und Jahrgänge noch im Distanzunterricht bleiben, ist aber unklar. © dpa
Selmer Schulen

Schulleiter zu digitalem Unterricht: „Es bleibt auch was liegen“

Seit einer Woche sind einige Schüler in Selm nun wieder im Präsenzunterricht. Schulleiter Ulrich Walter sagt aber klar, dass der Heimunterricht Lücken lässt - und hofft auf Anpassungen.

Diesen Satz sagen Lehrer sicherlich gerne: „Die Schüler waren glücklich, wieder an der Schule zu sein“, sagt Benedikt Striepens, Abteilungsleitung für die Jahrgangsstufen 8 bis 10 an der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule in Selm. Seit einer Woche hat ein Teil der Schüler in Nordrhein-Westfalen den Arbeitsplatz im digitalen Unterricht zu Hause wieder gegen den Präsenzunterricht an der Schule eingetauscht.

Das gilt zunächst erstmal nur für die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen und für die Grundschulen. Wenn sich die Infektionslage weiter entspannen sollte, sollen weitere Jahrgangsstufe hinzukommen, hatte das NRW-Schulministerium in Aussicht gestellt. Allerdings steigen die Inzidenzzahlen gerade aktuell eher wieder, statt zu sinken.

Besseres Gefühl, ob Schüler den Stoff verstanden haben

Vor einem Jahr noch habe es mehr geteilte Klassen an der Sekundarschule gegeben, sagt Benedikt Striepens, aktuell arbeitet die Schule mit A- und B-Wochen. Das System ist so angelegt, dass es trotz der verschiedenen Differenzierungen der Schülerinnen und Schüler möglich ist, die Hauptfächer Deutsch, Englisch und Mathe vor Ort zu unterrichten.

Ein großer Vorteil, wie Striepens sagt: „Gerade in der Präsenz bekommt man ein besseres Gefühl dafür, was die Schüler verstanden haben“, sagt der Lehrer. Es gibt aber auch Fächer, die nicht vor Ort unterrichtet werden können, zum Beispiel Physik. „Das kriegen wir technisch nicht hin mit genug Abstand“, sagt Striepens. Dieser Unterricht wird deshalb weiterhin im Distanzlernen unterrichtet. Anders als zum Beispiel Biologie, wo der Abstand kein Problem darstellt.

Was das Einhalten von Abständen angeht, gibt es nach nach einer Woche Präsenzunterricht auch Lob für die Schülerinnen und Schüler: „Die Schüler waren sehr diszipliniert, was Abstand halten und Masken tragen angeht“, sagt Benedikt Striepens.

Kein Wechselmodell am Gymnasium

Ein Wechselmodell wie an der Sekundarschule gibt es am Städtischen Gymnasium Selm (SGS) nicht. Dort gibt es für die beiden prüfungsrelevanten Jahrgangsstufen Q1 und Q2 Unterricht nach Stundenplan. „Wir haben die genutzten Räumlichkeiten so auseinander gezogen, dass zwischen der Q1 und der Q2 genug Platz ist“, sagt Schulleiter LehrUlrich Walter. Zudem nutzen sowohl die beiden Stufen, als auch die Betreuungsschüler anderer Jahrgänge – das sind laut Walter in der Regel 8 bis 14 Schüler – alle einen separaten Eingang. In den Klassen seien Tische und Stühle vom Hausmeister so weit auseinandergestellt worden, dass reichlich Abstand vorhanden sei, dazu tragen die Schülerinnen und Schüler FFP2- oder OP-Masken.

Ulrich Walter, Schulleiter des Gymnasiums Selm. © Arndt Brede (Archiv) © Arndt Brede (Archiv)

Walter habe die Schülerinnen und Schüler dabei auch auf ihre Verantwortung aufmerksam gemacht und sie gebeten, sich nicht nur in der Schule, sondern auch im Privaten an die Regeln zu halten: „Wir sollten nicht in die Lage kommen, einen Jahrgang zu Hause zu lassen“, sagt Walter. Das war zum Beispiel in Selms Nachbarschaft passiert. Am Gymnasium Canisianum in Lüdinghausen befindet sich der Abiturjahrgang Q2 nun nach nicht mal einer Woche wegen eines Corona-Falls wieder im Distanzunterricht.

Auch am Gymnasium seien die Schüler froh, dass es eine Rückkehr zum Präsenzunterricht gebe, sagt Walter. Und nicht nur sie: „Der direkte Austausch ist wichtig“, sagt Walter, „das kriegt man nur bedingt im Distanzunterricht hin.“ Er sagt auch: „Egal wie routiniert Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer mit digitalem Unterricht umgehen, es bleibt auch was liegen.“ Walter hofft deshalb, dass die Debatte weitergeführt wird, inwieweit die Lehrpläne bestehen bleiben, wenn der Distanzunterricht noch weiterbleibt. „Es macht keinen Sinn, das zu beschönigen“, sagt Walter. Nicht umsonst habe das Ministerium ja schon angepasst, zum Beispiel mit dem Verzicht auf blaue Briefe oder weniger Klassenarbeiten für manche Jahrgänge. „Hier gibt es schon Anpassungen auf Grund der Erkenntnis, das nichts so ist, wie immer“, sagt Walter.

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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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