Schläge und Gewalt alltäglich: Selmer machen auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam

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Hier gibt es Plakate statt Rosen: Einige Selmer haben zum Weltfrauentag am Sonntag auf das Thema Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht. Ihre Gründe waren teilweise sehr persönlich.

Selm

, 09.03.2020, 09:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Frische rote Rosen werden gern am Weltfrauentag verteilt. An dem Stand, der am Sonntagnachmittag vor dem Bürgerhaus in Selm steht, sucht man die Blumen aber vergebens. Stattdessen stehen dort Schilder mit der Aufschrift „Wer sich nicht wehrt, endet am Herd“ und „Ein Mann, der seine Frau schlägt, ist kein Mann“.

„Ich glaube nicht, dass die Blumenverteilerei den Frauen geholfen hat“, sagt Daniela Volle. Sie hat die Demonstration unter dem Titel „Demonstration gegen Gewalt an Frauen und Kindern“ organisiert. Stattdessen findet sie es wichtig, dass „Tacheles“ bei diesem Thema geredet wird - und das eigentlich nicht nur am Weltfrauentag. Daniela Volle sitzt im Stadtrat und will bei der Kommunalwahl mit einer neuen Wählervereinigung wieder kandidieren, bei dieser Aktion gehe es aber bewusst nicht um eine Parteiveranstaltung, sagt.

1996, als der Bundestag dafür stimmte, dass eine Vergewaltigung in der Ehe nicht mehr straffrei sein wird, war sie 20. „Hätte man mir damals gesagt, dass es vorher straffrei war, ich hätte das nicht geglaubt“, sagt sie heute. Dass jemand wie Friedrich Merz, der damals gegen die Gesetzesänderung gestimmt habe, sich heute für den CDU-Vorsitz bewirbt, das sei für sie ein zusätzlicher Motivationskick für die Organisation der Demo gewesen.

Stärker auseinandergesetzt mit dem Thema Gewalt gegen Frauen hatte sich Volle, als sie noch bei der Partei Die Linke war und ein Seminar zum Thema besuchte. Dabei habe sie gemerkt, dass es in Deutschland noch einiges an Nachholbedarf bei der Auseinandersetzung mit dem Thema gebe und dass Frauenhäuser allein nicht reichen. Es müsste mehr Möglichkeiten der Unterstützung geben, findet Volle.

Ein persönliches Thema

Einige der Demonstranten - viele sind es nicht, die vors Bürgerhaus gekommen sind, - haben aber durchaus auch Gründe, die sehr persönlich sind. „Unsere Tochter wurde in ihrer Beziehung geschlagen“, sagt eine Teilnehmerin. Die Tochter hatte an diesem Tag darauf verzichtet, selbst zu kommen. Ihre Mutter hat das Gefühl, dass es generell schwierig ist, gegen diese Gewalt vorzugehen und empfindet ausgesprochene Strafen als zu lasch.

Zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen im November hatte das Bundesfamilienministerium einige Zahlen genannt: 122 Frauen wurden 2018 durch Partnerschaftsgewalt getötet, also durch Mord, Totschlag und Körperverletzung mit Todesfolge. „Das bedeutet: an jedem dritten Tag. Mehr als ein Mal pro Stunde wird statistisch gesehen eine Frau durch ihren Partner gefährlich körperlich verletzt“, heißt es in der Mitteilung dazu.

Solche Gewalttaten sind also keine Seltenheit. Erst im Februar wurde die Leiche einer 54-jährigen Selmerin in ihrer Garage gefunden. Ihrem Ehemann wird Mord vorgeworfen. Er soll seine Frau getötet haben, weil eine Trennung im Raum stand.

Dass man zum Beispiel in Zusammenhang mit der Me-Too-Bewegung stärker über das Thema Gewalt an Frauen spricht, findet Daniela Volle gut. Allerdings sollte man nicht nur zwei Wochen über das Thema sprechen. Es sollte ein Dauerthema sein.

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