Stoffmasken werden weiterhin gekauft und genäht. © picture alliance/dpa
Mundschutz

Selmer nähen Mundschutz: Stoffmasken sind weiterhin begehrt

Hunderte Mundschutz-Masken haben die Schneider in Selm genäht. Auch daheim wurden etliche Masken angefertigt. Herrscht nun Ruhe in der Schneiderei und im Stoffladen? Wir haben nachgefragt.

Die Änderungsschneidereien hatten zum Beginn der Corona-Pandemie Hochkonjunktur: Statt Kleider umzunähen, fertigten sie im Akkord Stoffmasken an. Als die Maskenpflicht auf die Bürger zukam und die medizinischen Masken knapp wurden, gab es einen regelrechten Ansturm auf die Schneidereien, aber auch auf den Stoffladen. Viele nähten sich ihre eigenen Masken daheim.

Brigitte Sander, Änderungsschneiderin, hat im März massenweise Masken für den Krankenfahrdienst Prediger genäht und etliche Mundschutz-Masken an Privatleute verkauft. Nun kann sie langsam wieder aufatmen.

„Es ist weniger geworden, die Leute haben inzwischen alle eine Maske. Ab und an werden mal welche bestellt, mal zwei, mal zehn, aber die kriegt man ja inzwischen überall hinterhergeschmissen“, erzählt sie. Gefragt seien weiterhin einfarbige Masken. Bisher gab es noch keine Weihnachtsmotive, in den nächsten Tagen gehe sie aber wieder Stoff kaufen – vielleicht auch weihnachtlichen. Sie nähe nur noch auf Bestellung, nicht mehr auf Vorrat.

Hosen statt Masken in der Schneiderei

Womit hat die Schneiderin nun zu tun? Ob die Menschen sich ihre Kleidung weiten lassen, weil sie sich Quarantäne-Speck angefuttert haben? „Nein, gar nicht. Alles ganz normal“, sagt sie. Ihr Hauptgeschäft seien aktuell Hosen: „Ich weiß auch nicht, woher das kommt. Ich mache kaum noch etwas anderes als Hosen zu kürzen.“ Grundsätzlich könne man aber sagen, dass es im November immer ruhiger ist, nicht nur in diesem Corona-Jahr. Nach Weihnachten gehe es dann wieder los.

Anne Schütter vom Stoffgeschäft „Nadel + Faden“ hat weiterhin regelmäßig Kunden, die nach Maskenstoff fragen. „Häufig höre ich, dass die jungen Leute Stoff kaufen, damit ihre Omis ihnen Masken nähen können“, erzählt sie. 10 bis 15 Kunden kommen täglich vorbei, um Maskenstoff zu kaufen – neulich gab es auch einmal einen Großauftrag für 100 Masken, für den eingekauft wurde.

Lässige Pullis sind im Näh-Trend

„Die Leute stehen aber nicht mehr Schlange – das war zu Anfang der Pandemie ganz extrem, da konnte man kaum Stoff nachbestellen“, berichtet Schütter. Eine 25 Zentimeter Stoffbahn ergibt drei Masken. Die große Nähleidenschaft sei bei den meisten Kunden durch die Do-it-yourself-Masken jedoch nicht entflammt, der Verkauf laufe normal weiter.

Neben den Masken werden aktuell viele Pullis und Kinderkleidung genäht. „Das hat sich gewandelt. Früher nähte man feine Blusen, jetzt sind bequeme Hoodies, die sich einfach zusammennähen lassen, im Trend“, sagt Schütter. Deshalb werde hauptsächlich Jerseystoff verkauft. Schals hingegen seien nicht mehr „in“ – der Trend mit den Loop-Schals aus den vergangenen Jahren sei wieder abgeebbt. Die Maske jedoch wird die Selmer noch weiter begleiten.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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