„Ich würde gleichgeschlechtliche Paare segnen“, sagt Claus Themann, leitender Pfarrer der Pfarrgemeinde St. Ludger in Selm. Für ihn ist die Positionierung des Vatikans gegen die Segnung nicht mehr zeitgemäß. © picture alliance / dpa
Segnung Homosexueller

Selmer Pfarrer: Ausgrenzung homosexueller Paare ist nicht Jesu-Botschaft

Pfarrer Claus Themann hat eine klare Haltung, wenn es um die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren in der katholischen Kirche geht: Er ist dafür. Damit stellt er sich gegen den Vatikan.

„Wenn Menschen zu mir kommen und sagen, sie stehen im Glauben. Die sagen, sie lieben sich, sind sich treu, helfen einander in Höhen und Tiefen und wollen gemeinsam durchs Leben gehen, dann würde ich mich hüten zu sagen: Da ist Gott nicht im Spiel.“ Das erklärt Claus Themann, leitender Pfarrer der Pfarrgemeinde St. Ludger in Selm. Und spricht damit alle Menschen an – auch gleichgeschlechtliche Paare.

Mit dieser Aussage positioniert er sich klar gegen die des Vatikans, der vor gut zwei Wochen das Segnen von gleichgeschlechtlichen Paaren verboten hatte. „Wir glauben das hier vor Ort anders“, erklärt Pfarrer Themann direkt. „Ich würde gleichgeschlechtliche Paare auch segnen, ganz klar.“

Niemand solle ausgegrenzt werden

Er findet es sehr schade, das gerade jetzt so eine Aussage aus dem Vatikan käme, denn diese Ansicht sei nicht mehr zeitgemäß. Aus dem Schreiben der Glaubenskongregation geht als eine der Begründungen hervor, es sei nicht der göttliche Wille, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. Doch Themann sagt: „Für mich ist es nicht die Botschaft Jesu oder Gottes, gleichgeschlechtliche Paare auszugrenzen.“

Und viele andere sehen das auch so. Diese Erklärung aus dem Vatikan gegen homosexuelle Paare hatte in ganz Deutschland eine große Debatte und teils scharfe Kritik ausgelöst. Viele Seelsorger, Priester und Gemeindereferentinnen wollen gleichgeschlechtliche Paare weiterhin segnen und setzen sich dafür ein.

Bischof Genn fordert Weiterentwicklung der katholischen Lehre

Auch einige Bischöfe aus den umliegenden Bistümern äußerten sich bereits zu der Debatte: Bischof Franz-Josef Overbeck aus Essen zum Beispiel fordert von der Kirche „dringend eine erweiterte Sichtweise auf die menschliche Sexualität“. Für ihn sei die Segnung von homosexuellen Paaren sehr wichtig. Auch Münsters Bischof Felix Genn spricht sich für eine Weiterentwicklung der katholischen Lehre aus. Es würde keine Sanktionen gegen Priester geben, die homosexuelle Paare segnen.

Doch trotz dieser klaren Aussagen von wichtigen Kirchenvertretern haben besonders junge Menschen Probleme mit den generellen Ansichten der katholische Kirche. Hinzu kommen zum Beispiel die aktuellen Missbrauchsvorwürfen und deren Aufarbeitung in Köln. „Das macht es für junge Menschen schwieriger, hinter der Kirche zu stehen und das kann ich verstehen“, sagt Themann. Deswegen ist es ihm wichtig zu betonen: „Wir in Selm wollen da nicht stehen bleiben und tragen die Botschaft aus dem Vatikan auf unserem Niveau nicht mit.“

Regenbogenflagge für Solidarität und Offenheit

Als Zeichen für Solidarität und eine Offenheit gegenüber Partnerschaften außerhalb der Ehe hängen derzeit an einigen Kirchen auch Regenbogenflaggen. Sie ist eine der Hauptsymbole LGBT-Bewegung (kurz für: lesbisch, schwul, bisexuell und transgender). Auch die Selmer Gemeinde hat die Regenbogenflagge schon auf medialer Ebene geteilt. „Ich denke, die Regenbogenfarben werden bald auch außerhalb der Medien bei uns sichtbar“, verrät Pfarrer Themann.

Aktuelle Anfragen von gleichgeschlechtlichen Paaren für eine Segnung gebe es nicht. Vor einigen Jahren – nachdem 2017 die gleichgeschlechtliche Ehe im Standesamt in Deutschland eingeführt worden ist – hatten sich homosexuelle Paare mal grundsätzlich über die Möglichkeiten informiert, so Themann.

Einen bestimmten Tag für die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren, wie andere Gemeinden es planen, soll es in Selm aber nicht geben. „Das Angebot steht jederzeit, wir haben offene Türen und ein offenes Ohr“, so Themann. Wenn Paare an der Segnung interessiert sind, dann werde die Gemeinde sie unterstützen und im Gespräch Möglichkeiten finden.

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Ich liebe es, auch die unscheinbarsten Geschichten zum Leben zu erwecken – deswegen studiere ich Journalistik an der TU Dortmund und bin begeisterte Lokalreporterin, immer einer interessanten Geschichte auf der Spur.
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