Selmer soll Fleisch für 600.000 Euro bestellt, aber nicht gezahlt haben

hzProzessbeginn in Dortmund

Ein Mann aus Selm soll Lebensmittel für 600.000 Euro bestellt und nie bezahlt haben. Zu Prozessbeginn in Dortmund unterbricht der Richter den Staatsanwalt mit einer ungewöhnlichen Ansage.

Selm

, 26.05.2020, 19:50 Uhr / Lesedauer: 1 min

Ein 41-jähriger Selmer muss sich seit Dienstag wegen Betruges, Steuerhinterziehung und Insolvenzverschleppung vor dem Dortmunder Landgericht verantworten. Die Vorwürfe reichen zurück bis ins Jahr 2015. Damals hatte der Angeklagte zunächst die Geschäftsführung eines Bergkamener Gastronomie-Großhandels übernommen, diese aber offenbar sehr schnell wieder an einen ahnungslosen „Strohmann“ abgegeben.

In der Folgezeit soll der Selmer dann regelmäßig große Mengen Lebensmittel bestellt und unter der Hand weiterverkauft haben. Meldeten sich irgendwann die Lieferanten und mahnten die Bezahlung ihrer Rechnungen an, landeten sie offenbar stets im Büro des „Strohmanns“, der von nichts eine Ahnung hatte. Laut Staatsanwaltschaft blieben auf diese Weise Rechnungen für über 670.000 Euro offen.

„Sie müssen das nicht alles verlesen“

Zu Beginn des Prozesses vor der 43. Strafkammer schickte sich der Staatsanwalt am Dienstag an, jede einzelne Bestellung detailliert zu verlesen. Nachdem jedoch gleich mehrmals die Begriffe Hähnchenschnitzel, Thunfischsteak und Schweinekotelett gefallen waren, wurde er vom Vorsitzenden Richter Thomas Beumer charmant unterbrochen: „Sie müssen das nicht alles verlesen. In unserer Kammer sitzt eine bekennende Veganerin.“

Wegen einer Betrugs-Vorstrafe droht dem Angeklagten im Fall einer Verurteilung eine lange Haftstrafe.

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