Selmerin mit Spaten attackiert und erstochen: Urteil am 3. September

hzLandgericht Dortmund

Der Angeklagte im Prozess um die tödliche Bluttat an der Eichenstraße stimmt einer Begutachtung durch eine Psychiaterin zu. Seine Strafe soll der 57-jährige Selmer am 3. September erfahren.

Dortmund/Selm

, 07.08.2020, 13:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer Supermarkt-Mitarbeiterin in einer Garage an der Eichenstraße hat sich der Angeklagte (57) im Anschluss an eine Beratung mit seinem Verteidiger Marco Ostmeyer bereiterklärt, sich mit einer Psychiaterin zu unterhalten. Das wurde am Freitag am Dortmunder Schwurgericht bekannt. Das Sachverständigengutachten soll am kommenden Verhandlungstag (27. August) erstattet werden. Die Schlussvorträge und das Urteil sind für den 3. September terminiert worden.

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Die Begutachtung der Psyche des Angeklagten war am vergangenen Prozesstag von den Dortmunder Richtern angestoßen worden. Auslöser waren nicht zuletzt massive Verhaltensauffälligkeiten, die die Söhne des 57-jährigen Selmers bei ihren Zeugenvernehmungen zu Protokoll gegeben hatten. Von einem seiner Söhne war der Angeklagte wörtlich als „Geist“ bezeichnet, von dem anderen als „kalt und emotionslos“ charakterisiert worden.

„Nur auf der Couch gelegen“

Auch von „Psychospielchen“ war die Rede. Jahrelang habe man praktisch zusammen unter einem Dach, aber letztlich doch völlig aneinander vorbeigelebt und nie ein Vater-Sohn-Verhältnis aufgebaut. „Im Endeffekt muss man sagen, dass er eigentlich nur auf der Couch lag und nichts gemacht hat“, hatte der jüngere Sohn ausgesagt. Der 26-Jährige war es auch, der seine Mutter am frühen Morgen des 7. Februar in der Garage erstochen am Boden neben seinem schwer verwundeten Vater liegend entdeckt hatte.

Zur Tat keine Angaben mehr

Das Begutachtungsgespräch mit Psychiaterin Marianne Miller soll in den nächsten Tagen im Gefängnis stattfinden. Abgesprochen ist, dass der Angeklagte dabei allein über sich und sein Leben berichtet - zur Tat selbst will der 57-Jährige bei der Sachverständigen keine weiteren Angaben machen. Das Gutachten soll anschließend der Maßstab für den anzunehmenden Grad der Schuldfähigkeit sein. Die Feststellung einer verminderten Schuldfähigkeit könnte die zu verhängende Strafe unter Umständen verringern. Dazu müssten die Auffälligkeiten von der Gutachterin aber wohl letztlich als Ausprägungen einer krankhaft seelischen Persönlichkeitsstörung eingestuft werden.

Angeklagter hat Tötung bereits gestanden

Der 57-Jährige hat bereits beim Prozessauftakt eingeräumt, seine Ex-Frau am 7. Februar früh morgens mit einem Spaten attackiert, in die Garage gezerrt und dort fünf Mal mit einem Messer auf sie eingestochen zu haben. Tags zuvor war der Angeklagte per Zwangsräumung aus der bisher gemeinsam genutzten Wohnung verwiesen worden. Nach den Gewaltangriffen auf seine Ex-Frau hatte sich der Angeklagte nach eigenen Angaben neben die 54-Jährige gelegt und sich mit dem Messer selbst drei Mal in die Brust gestochen.

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