Nach und nach kehren alle Schüler in ihre Schulen zurück. Normalität ist aber noch nicht in Sicht. Eltern äußern überregional Sorgen. In Selm auch?

Selm

, 15.05.2020, 08:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit Schließung der Schulen und Beginn der Kontakteinschränkungen haben Eltern Mammutaufgaben leisten müssen: Mit den Kindern lernen, Essen kochen, im Homeoffice arbeiten. Häufig alles nahezu gleichzeitig. Jetzt, da vieles gelockert wurde, dürfen Schüler zumindest tageweise wieder in die Schulen gehen, Eltern können wieder ihren Berufen nachgehen. Alles gut also in den Familien? Nein, sagt die NRW-Landeselternschaft. Sie vermisst im Hinblick auf die aktuelle Schulsituation, aber auch mit Blick auf die Zukunft alltagstaugliche Pläne.

Zeiten, wann die Schüler zur Schule kommen sollen, würden kurzfristig bekanntgegeben. Es gebe keine Vorgaben für das nächste Schuljahr. Überhaupt fehle ein Masterplan. Das sind Kritikpunkte der Landeselternschaft. Greift diese Kritik auch für Selm? Was sagen zum Beispiel die Schulpflegschaftsvorsitzenden der beiden weiterführenden Schulen? Wir haben nachgefragt.

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Andreas Godelmann ist Vorsitzender der Schulpflegschaft des Städtischen Gymnasiums Selm. Zumindest die Kommunikation zwischen Schulleitung und Eltern funktioniere, sagt er. Das gehe so weit, dass er der Schulleitung angeboten habe, das, was von der Landesregierung gekommen sei und wie die Schule damit umgehe, schriftlich an die einzelnen Klassenpflegschaftsvorsitzenden weiterzuleiten mit der Bitte, das an die Eltern ihrer Klassen zu verteilen. Das sei auch geschehen.

Bisher keine Klagen zu hören

„Bisher habe ich keine Klagen von Eltern gehört“, berichtet er mit Blick auf die Kritik der Landeselternschaft. „Aber was soll den Schulen denn auch anders möglich sein?“ Schule sei räumlich begrenzt. Was das Hygienekonzept betreffe, hätten Stadt und Schule die größten Anstrengungen unternommen. „Das Gymnasium hat eine sehr gute Arbeit geleistet“, sagt der Vater zweier aktueller Abiturientinnen. Schulleitung und Schulpflegschaft stehen laut Godelmann in permanenter Verbindung. Letztendlich gebe aber das NRW-Schulministerium alles vor. „Das muss dann umgesetzt werden.“

Wie steht Andreas Godelmann denn zur Kritik von Seiten der Landeselternschaft am Ministerium? „Mit einer solchen Pandemie hat noch niemand etwas zu tun gehabt“, sagt Andreas Godelmann. „Gewählte Vertreter in der Regierung sind jetzt damit beschäftigt, das Bestmögliche umzusetzen. Natürlich hat der eine oder andere eine Idee, was besser umzusetzen wäre. Aber man weiß es doch nicht, was besser wäre.“

„Natürlich hat der eine oder andere eine Idee, was besser umzusetzen wäre. Aber man weiß es doch nicht, was besser wäre.“
Andreas Godelmann, Vorsitzender deR Schulpflegschaft des Gymnasiums Selm

Er habe Verständnis dafür, dass man Schülern, die aus keinem so guten Elternhaus kommen, den Schulbesuch ermöglichen wolle. „Klar sollen die am besten an fünf Tagen in der Woche kommen. Aber wie soll das dann mit den Hygienemaßnahmen funktionieren?“

Wie sieht Simone Scharna, Schulpflegschaftsvorsitzende der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule, die Situation? Fühlen sich die Eltern gut über die Planungen auch im Hinblick auf Präsenzunterricht von der Schulleitung informiert? „Unsere Schule arbeitet sehr transparent. Man kann, soweit möglich unter Berücksichtigung des Datenschutzes, alle Infos der Homepage entnehmen.“ Desweiteren seien die Schüler und Eltern sehr genau über die Plattform Moodle beziehungsweise die Klassenlehrer informiert, wie der Start aussieht. „Bei Schülern des 9. Jahrgangs ist meiner Meinung nach aber auch mehr Eigenverantwortung vorauszusetzen, als zum Beispiel bei Schülern des 5. Jahrgangs beziehungsweise Grundschülern. Schulinfo kann und soll also auch über die Schüler zu den Eltern getragen werden.“

Simone Scharna, Schulpflegschaftsvorsitzende der Sekundarschule, ist zufrieden mit der Kommunikation zwischen Schulleitung und Eltern.

Simone Scharna, Schulpflegschaftsvorsitzende der Sekundarschule, ist zufrieden mit der Kommunikation zwischen Schulleitung und Eltern. © Arndt Brede

Gibt es Sorgen bei Eltern hinsichtlich der weiteren Beschulung, etwa im Hinblick auf Vereinbarkeit von Schule und Beruf? „Das kann man nicht verallgemeinern“, sagt Simone Scharna. „Es kommt immer auf die allgemeine Situation in den Familien an.“

Schüler haben wieder eine vertraute Bezugsperson

Ist das, was nun an Planungen geschieht, alltagstauglich für die Eltern? Schüler haben zum Teil einen Präsenztag, aber die Eltern müssen nun wieder fünf Tage in der Woche arbeiten. „Sicherlich ist diese Planung sehr hilfreich für alle Familien, egal ob berufstätig oder nicht, da bis zu den Sommerferien eine Regelmäßigkeit und Struktur da ist“, erklärt die Schulpflegschaftsvorsitzende. „Die Schüler kommen an einem festen Tag in die Schule; dies ist für die Planung im Alltag sehr von Vorteil. Aber was viel wichtiger ist: Die Schüler haben an diesem Tag eine vertraute Bezugsperson, die ihnen bei schulischen Fragen zur Seite steht. Nicht alle Fragen können immer per Mail oder auch in einem Telefongespräch geregelt werden, und da ist es von Vorteil, wenn die Schüler in dieser schwierigen Situation, wenn auch nur einmal in der Woche, dieses persönlich klären können.“

Das solle im Vordergrund stehen. Die Schule habe nun mal die Bildung und Förderung der Kinder zur Aufgabe und solle nicht als Betreuungsort gesehen werden.

Wie stehen die Eltern zu der Art, wie die Landesregierung und das Schulministerium die Vorgaben kommuniziert? „Auch dieses kann man nicht verallgemeinern. Ich weiß nur, dass unsere Schulleitung, für einen reibungslosen Ablauf sorgt und vom kompletten Kollegium unterstützt wird. Es wird sehr sorgsam, umsichtig und auch vorausschauend geplant. Natürlich immer unter Berücksichtigung, was das Gebäude, die Räumlichkeiten und und und so hergeben.“

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