Singen mit Mundschutz: Kirchengemeinde reagiert auf Corona-Zahlen

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Die bundesweit wieder steigenden Infektionszahlen haben die katholische Kirchengemeinde Cappenberg reagieren lassen. Seit diesem Wochenende darf nur noch singen, wer Mundschutz trägt.

Cappenberg

, 09.08.2020, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Massenveranstaltungen sind Gottesdienste in Zeiten von Corona ohnehin nicht. Erst recht nicht in den Sommerferien und bei mehr als 30 Grad Hitze. Dennoch geht die kleine Kirchengemeinde St. Johannes Evangelist aus Cappenberg - die zweitkleinste des Bistums Münster - auf Nummer Sicher. Seit dem 8. August darf nur noch singen, wer einen Mundschutz trägt.

Der leitende Pfarrer, Pater Gregor Pahl, hatte die Gläubigen vor dem Gottesdienst um diese vorsorgliche Maßnahme gebeten. Das Wissen um steigende Infektionszahlen und um die Wirksamkeit des Mund- und Nasenschutzes seien gute Gründe für dieses Vorgehen, zu dem nicht nur der Pfarrer aufforderte. Auch die Ehrenamtlichen, die darauf achten, dass sich jeder Gottesdienstbesucher in die Adressliste einträgt, gaben am Samstag und Sonntag die Bitte weiter: „Nicht ohne Mundschutz singen.“

Bislang konnten Gottesdienstbesucher die Maske am Platz ablegen

Bislang war es auch in Cappenberg wie in anderen Gemeinden so üblich, dass Gottesdienstbesucher die Maske nur so lange tragen, bis sie ihren Platz im Schlosstheater erreicht haben (die Stiftskirche ist wegen Sanierungsarbeiten geschlossen). Damit sich die Menschen nicht zu nahe kommen, ist ohnehin jede zweite Reihe gesperrt. Außerdem bleiben jeweils zwei Stühle nach links und rechts frei.

Lautes Singen war bislang schon verpönt. Jetzt dämpft das Textil vorm Mund zusätzlich die Töne und fängt vor allem die Aerosol-Wolken auf: ein Schritt, den Wissenschaftler der Uni-Kliniken München und Erlangen begrüßen würden.

Forscher empfehlen Maske beim Singen

Sie hatten im Juli mit dem Chor des bayerischen Rundfunks untersucht, wie sich Aerosole ausbreiten beim Singen. Dafür hatten sie die Schwebeteilchen sichtbar gemacht und gemessen, wie weit sie schweben.

Das Ergebnis: „Wir haben nach vorne hin im Mittel Abstände von etwas weniger als einem Meter gemessen, einige Sänger erreichten allerdings auch Weiten von 1 bis 1,5 Meter, so dass Sicherheitsabstände von 1,5 Metern wohl zu gering sind und Abstände von 2 bis 2,5 Meter sinnhafter erscheinen“, sagt Prof. Dr. Matthias Echternach, leitender Klinik-Arzt und selbst ausgebildeter Sänger. Singen mit Maske, so die Erkenntnis, sei wegen der Verminderung der Partikelaustritte empfehlenswert - zumindest bei Laien-Sängern, die nicht so genau artikulieren müssten wie Profis.

Dieser Rat, den die Gemeinde in Cappenberg beherzigt, geht über die geltenden Bestimmungen hinaus. Mitte Juni hatte Generalvikar Klaus Winterkamp im Bistum Münster grünes Licht gegeben für Veranstaltungen mit bis zu 100 Teilnehmern: vorausgesetzt, die Hygienevorschriften können eingehalten werden: Mindestabstand von 1,50 Metern und Angabe der Kontaktdaten.

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