SPD in Selm startet unter Corona-Bedingungen in den Wahlkampf

hzKommunalwahlen 2020

Die SPD hat in Selm den Wahlkampf eröffnet. Als erste Partei hat sie nach der Corona-Pause ihre Wahlveranstaltung durchgeführt: statt Arm in Arm kontaktlos und mit 1,50-Meter-Mindestabstand.

Selm

, 17.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schulterschluss zeigen: Das ist bei Parteien so üblich vor wichtigen Wahlen. Hand in Hand dem gemeinsamen Ziel entgegen gehen, ebenfalls: alles Gesten, die lange vor Corona entstanden sind. Am Freitag (15. Mai) heißt es in Selm bei der Aufstellungsversammlung der SPD für die Kommunalwahl am 13. September dagegen: Abstand halten.

Beim Einsammeln der Stimmzettel tragen die Aktiven Mundschutz.

Beim Einsammeln der Stimmzettel tragen die Aktiven Mundschutz. © Sylvia vom Hofe

„Das findet heute hier in einer sehr ungewöhnlichen Umgebung statt“, sagte Bürgermeister Mario Löhr zu Beginn des Abends. Dabei haben sich er und die 34 Delegierten der Ortsverbände Selm sowie Bork und Cappenberg im Bürgerhaus Selm am Willy-Brandt-Platz getroffen: da, wo der Stadtrat tagt, wo Kabarettisten auftreten, wo Kinder das Musizieren lernen und Erwachsene Fremdsprachen - normalerweise. Denn seit Mitte März waren die Türen meistens verschlossen. Seit Corona.

Mehr Abschlussprüfung als Auftaktveranstaltung

Der Saal im Erdgeschoss ist das Herzstück des Bürgerhauses. Er bietet Platz für rund 300 Menschen. Doch an diesem Tag der SPD-Wahlversammlung ist er schon mit rund 40 Genossen voll. Jeder sitzt an einem Einzeltisch. Jeder Tisch ist von dem anderen 1,50 Meter entfernt. Das sieht mehr nach Abschlussprüfung aus als nach Auftaktveranstaltung.

„Am Sonntag in 17 Wochen ist Wahltag“, sagt Rainer Schmeltzer aus Lünen. Der Landtagsabgeordnete hat den Kalender mit dem rot eingekreisten Wahltermin selbst fest im Blick - als Bürgermeisterkandidat von Lünen. Er wünsche sich, sagt er, am Abend dieses 13. September mit einem Bier in der Hand telefonieren zu können: „Mit dir, Thomas, und mit dir Mario“ - ein Gespräch unter Wahlsiegern, wie er hofft.

Bürgermeisterkandidat Thomas Orlowski konnte nicht alle Delegierten von sich überzeugen. Er erhielt zwei Gegenstimmen.

Bürgermeisterkandidat Thomas Orlowski konnte nicht alle Delegierten von sich überzeugen. Er erhielt zwei Gegenstimmen. © Sylvia vom Hofe

Gemeint sind Thomas Orlowski, der SPD-Fraktionsvorsitzende, der Bürgermeister werden möchte, und Mario Löhr der Bürgermeister, den es als neuer Landrat ins Kreishaus Unna zieht. Lange Wahlkampfreden sind von keinem der Dreien zu hören. Und auch Stadtverbandsvorsitzende Jutta Steiner gibt sich eher einsilbig: zum einen, weil sich die Genossen untereinander schon lange kennen und zum anderen, weil in den vergangenen zwei Monaten kaum etwas passiert ist. Vor allem aber, weil die Sicherheitsauflagen ohnehin nur kurze Grußworte erlauben.

14 Männer und 2 Frauen aufgestellt

Die 16 Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahlbezirke verzichten ganz darauf, etwas zu sagen. Die Ortsverbände hatten die 14 Männer und zwei Frauen aufgestellt. Unter ihnen auch einer, der bis Februar für die UWG im Selmer Rat saß: Peter Sowislo. Nach 30 Jahren hatte er den Unabhängigen wegen nicht näher benannten „Unstimmigkeiten mit der Vereinsführung“ den Rücken gekehrt.

Die 15 weiteren Kandidaten sind: Jürgen Suttrup, Giesbert Ketteltasche, Andreas Godelmann, Michael Feige, Jürgen Walter, Sven Hüser, Wolfgang Steinberg, Rolf Ohligschläger, Wolfgang Jeske, Sandra Bäsler, Stefan Kühnhenrich, Mathias Bonacker, Erdal Macit, Benedikt Hülsbusch und Jutta Steiner.

Zwei Nein-Stimmen für den Bürgermeister-Kandidaten

Drei Genossen mit Mundschutz teilen die Stimmzettel aus und sammeln sie kurz danach wieder ein. Für die Wahlbezirkskandidaten, für die Reserveliste - stets ist das Ergebnis: 33 Ja, 1 Enthaltung, „Ein schönes Ergebnis“ wie Wahlleiter Löhr meint. Bei der Wahl des Bürgermeisterkandidaten verschiebt es sich leicht. Statt der 33 Ja stimmen enthält Orlowski nur 29, dafür aber zwei Nein-Stimmen.

„Jetzt hat der Wahlkampf begonnen“, verkündet Stadtverbandsvorsitzende Steiner zum Abschluss. Das Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern sei dafür zu suchen - in Zeiten von Corona nicht nur persönlich, sondern auch digital.

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