Spielplatz in Selm bekommt neuen Spielturm - Vater ärgert sich trotzdem

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Für den Spielplatz an der Ernst-Kraft-Straße in Selm hat die Stadt einen neuen Spielturm versprochen - für 20.000 Euro. Ein Vater sagt: „Der hat nicht mal die Hälfte gekostet.“

Selm

, 11.05.2020, 13:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als am Donnerstag die Selmer Spielplätze nach den coronabedingten Sperrungen wieder öffnen dürften, wäre das eigentlich Anlass für Marco Braun und seine sechsjährige Tochter gewesen, sich zu freuen. Zumal der Spielplatz an der Ernst-Kraft-Straße in Selm nicht einfach nur öffnete, sondern einen Tag zuvor sogar ein neues Spielgerät aufgestellt worden war: ein Spielturm.

Marco Braun, der in der nähe des Spielplatzes wohnt, hatte es direkt gesehen, freute sich aber nicht. Im Gegenteil. „Ich fühle mich veräppelt“, sagt der Vater unserer Redaktion.

Turm war für 2020 versprochen - und wurde auch geliefert

Dazu muss man sagen, dass Marco Braun die Entwicklungen beim Spielplatz an der Ernst-Kraft-Straße genau beobachtet. Er hatte sich schon einmal über das Verhalten der Stadt geärgert, als der Spielplatz im vergangenen Jahr von einem Tag auf den anderen immer leerer geworden und die Spielgeräte abgebaut worden waren. Ohne eine vorherige Information für die Anwohner, wie Braun damals kritisierte und wie die Stadt es auch später bestätigte.

Viele der Spielgeräte aus Holz seien verschlissen gewesen, hatte Stadtsprecher Malte Woesmann damals gesagt und auch die aktuellen Sicherheitsvorgaben hatte der Spielplatz nicht mehr erfüllt. Die Spielgeräte an der Ernst-Kraft-Straße waren dann im Laufe der Zeit ersetzt worden. Bis auf eine Ausnahme: der Spielturm. Laut Marco Braun das Herzstück des Spielplatzes. Hier hatte die Stadt angekündigt, dass im Jahr 2020 ein neuer Turm aufgestellt werden sollte, für 20.000 Euro.

„Nicht mal die Hälfte gekostet“

Das ist jetzt wie versprochen passiert. Aber Marco Braun hat nicht das Gefühl, dass das Versprechen eingelöst worden sei. „Das hat mit dem Spielgerät vorher so gar nichts zu tun“, kritisiert er im Gespräch mit der Redaktion. Eine Summe von 20.000 Euro, das könne er sich gar nicht vorstellen, sagt er. „Das hat nicht mal die Hälfte gekostet“, ist seine Meinung.

Hat die Stadt also nicht geliefert, was sie versprochen hat? Gab es vielleicht eine Planänderung? „Nein, es haben sich keine Veränderungen ergeben“, erklärt dazu Stadtsprecher Malte Woesmann. Der Spielturm habe 10.710 Euro brutto gekostet. „Inklusive Abräumen der vorherigen Fläche und des Aufwandes für den Einbau beläuft sich diese Maßnahme auf ca. 20.000 Euro brutto“, erklärt Woesmann weiter, wie man auf die 20.000 Euro kommt.

Grundsätzlich belaufen sich die Kosten für den Spielturm selbst also nur auf die Hälfte der 20.000 Euro. Dennoch kostet er die Stadt 20.000. Findet Woesmann also die Kritik des Vaters gerechtfertigt? „Nein“, sagt Woesmann. „Die Kosten für einen Spielturm, der für einen öffentlichen Spielplatz überhaupt angeschafft werden darf, unterscheiden sich auch stark von den Kosten, die Privatverbraucher für Spielgeräte zum Beispiel im Baumarkt zahlen.“

2017/18 hatte die Stadt 230.000 Euro für Investitionen in Spielplätze eingeplant, für 2019/20 sind 216.000 Euro vorgesehen. Allerdings könnte es dort noch einmal zu Änderungen kommen. Die Planung zu den Vorhaben für 2020 sei zu Beginn dieses Jahres überarbeitet worden, so Woesmann. “Für den nächsten Ausschuss für Jugendhilfe, Familie und Schule wird es eine Informationsvorlage geben mit einem Bericht, welche aktualisierten Maßnahmen 2020 durchgeführt und welche Maßnahmen investiv für den Haushalt 2021 angemeldet werden“, teilt er mit. Dies setze allerdings voraus, dass die erforderlichen Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden. Der Ausschuss findet am 3. Juni statt.

Zwei Spielplätze sind gesperrt:
Seit Donnerstag fast alle Spielplätze im Selmer Stadtgebiet wieder geöffnet. Es gibt laut Auskunft der Stadt zwei Ausnahmen:
  • Der Spielplatz an der Elbinger Straße ist davon ausgenommen, da der Zaun defekt sei und der Fallbereich bei der Schaukel vergrößert und diese ausgetauscht werden müsse.
  • Auch der Spielplatz an der Stifterstraße in Bork ist nicht geöffnet. Hier gebe es einen defekten Spielturm, bei dem eine Instandsetzung nicht mehr wirtschaftlich sei.
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