Spielschar Cappenberg wird nicht mehr spielen: „Aufhören, wenn es noch schön ist“

hzPlattdeutsches Theater

Rund 70 Jahre lang gab es die Theatergruppe Spielschar Cappenberg. Nun hat die Gruppe ihr Ende bekannt gegeben. Eine weitere Aufführung wird es nicht mehr geben, die Entscheidung war schwer.

Cappenberg

, 03.12.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf der Webseite der Spielschar Cappenberg steht es noch als „unser aktuelles Stück 2018.“ Ein aktuelles Stück 2019 gab es nie. Nun steht fest, es wird auch keines in den nachfolgenden Jahren geben. Das Stück „Wo geiht, Herr Dokter“, wird auch das letzte Stück sein, das die Plattdeutsche Theatertruppe gespielt hat.

„Die Spielschar der Kolpingfamilie Cappenberg hat beschlossen, das aktive Theaterspiel nicht mehr fortzusetzen und wird somit die jahrzehntelange Tradition der jährlichen Aufführung von plattdeutschen Theaterstücken auf Cappenberger Bühnen beenden“, teilt Beate Mens von der Spielschar mit.

„Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt Andreas Röttger, der Vorsitzende der Spielschar. Lange hätten sich die Mitglieder der Gruppe überlegt, wie es weitergeht. Für 2019 hatte es bereits kein Stück gegeben und auch für 2020 sah es schlecht aus. „Wir wollten keine schlechte Qualität abliefern“, sagt Röttger.

An allen Ecken und Enden gefehlt

Doch es hätten an allen Ecken und Enden Leute gefehlt. Bei der Regie, beim Bühnenbau, beim Catering. Die Gruppe, die rund 70 Jahre existiert hatte, hatte alles selbst gemacht. Das Bühnenbild gemacht, Brote geschmiert für die Auftritte, Kaffee gekocht, Eintrittskarten verkauft, das Theaterstück gegebenenfalls übersetzt, vom Norddeutschen Platt ins Münsterländer Platt.

„Neue Leute zu bekommen war auch immer schwieriger“, sagte Röttger. Schließlich müssten diese Menschen auch bereit sein, von Februar bis September jeweils zweimal die Woche zu proben. Und dann kommt natürlich auch noch die Plattdeutsche Sprache hinzu. „Es ist schwierig für jemanden, der noch nie Plattdeutsch gesprochen hat“, sagt Röttger. Wer die Sprache nicht könne und dann direkt versuche auf Plattdeutsch zu sprechen, der würde wahrscheinlich für geübte Ohren komisch klingen.

Nicht einfach auf Hochdeutsch

Röttger selbst spielt seit 20 Jahren. Platt konnte er vorher auch nicht, er hat es aber beim Spielen gelernt. In seiner ersten Rolle musste er nur sechs bis sieben Sätze sprechen. Das Rantasten war also entspannt.

Gibt es denn irgendwelche Pläne für die Spielschar? Vielleicht zukünftig eine Theatertruppe auf Hochdeutsch? Andreas Röttger winkt ab, „die Leute sind das gewöhnt, von uns Plattdeutsch zu hören“, einfach plötzlich auf Hochdeutsch zu spielen wäre komisch, meint Röttger. „Dann müssten wir schon eine ganz neue Theatergruppe gründen.“ Aktuell geplant sei das aber nicht.

Beate Mens von der Spielschar bringt es so auf den Punkt: „Aufhören wenn es noch schön ist, mit dem Wissen, viele Zuschauer für einige Stunden erfreut und zum Lachen gebracht zu haben.“

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