Die Fällarbeiten am Festzeltplatz in Bork wurden am Freitag abgeschlossen. © Matthias Stachelhaus
Buchensterben

Stadt lässt 170 Buchen fällen und will zunächst keinen Ersatz pflanzen

Dem Wald geht es so schlecht wie seit 1984 nicht mehr. „Dramatisch“, hat das Landwirtschaftsministerin Klöckner genannt. Fast zeitgleich kreischten in Selm die Motorsägen - auch dramatisch.

Die Zahl hat es in sich: 170. So viele Buchen hat die Stadt Selm auf ihren Waldflächen fällen lassen: im Bereich des Zechenbusches in Selm und am alten Festplatz In Bork. Als Baudezernent Stefan Schwager das am Donnerstag (25. 2.) dem Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz mitteilt, klingt Betroffenheit in seiner Stimme. „Das Buchensterben“, sagt er, „ist extrem“ – genauso wie die Dürre. Ebenso betroffen klang einen Tag zuvor Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in Berlin.

Klöckner hatte dem deutschen Wald eine Besorgnis erregende Diagnose gestellt: Nur noch 21 Prozent der Bäume bundesweit hätten intakte Kronen. Der Rest sei geschädigt – oft unrettbar. Das seien Folge von Dürre, Stürmen und Schädlingsbefall – kurz: vom Klimawandel. So schlimm wie 2020 sei es seit 1984 nicht mehr gewesen – seit die bundesweiten Erhebungen begannen. Besonders betroffen: die Buchen 89 Prozent des Bestandes hat Probleme. Auch In Selm.

Abgestorben: sowohl junge Bäume als auch 100-jährige

Zusammen mit dem zuständigen Mitarbeiter des Forstamtes seien die Bestände der städtischen Flächen kontrolliert worden, sagte Schwager. Das Ergebnis: 170 Buchen – sowohl junge Bäume als auch fast 100 Jahre alte – seien abgestorben. Aus Gründen der Verkehrssicherheit habe die Stadt sie fällen lassen müssen. Eine gezielte Wiederaufforstung sei nicht geplant, sagte der Baudezernent mit Verweis auf die fachliche Beratung durch die Forstbehörde. Das heiße aber nicht, dass nicht junge Bäume folgen sollten. Im Gegenteil.

Natur soll entscheiden, welche Bäume wachsen

„Wir setzen auf Spontanvegetation“ – also auf die natürliche Aussaat junger Bäume. In der Forstwirtschaft heißt das: natürliche Sukzession. Die Pflanzen, die am jeweiligen Standort am besten zurechtkommen, setzen sich dort durch. Die durch die Rodungsarbeiten entstandene Freifläche wird zu einer Art Freilandlabor.

„Wenn sich so in den nächsten zwei Jahren die Lücken nicht füllen sollten, wird es eine Aufforstung geben“, so Schwager. Durch diese abwartende Methode braucht in Selm niemand nach der Antwort auf eine Frage suchen, die auch Julia Klöckner in Berlin noch nicht beantworten kann: Welchen Bäumen gehört die Zukunft? Buche, Eiche und Fichte offenbar eher nicht.

Ab Montag, 1. März, gelten bis zum 30. September strenge Vorschriften für die Baum- und Gehölzpflege. Grund dafür ist die Fortpflanzungszeit der heimischen Tierwelt. Gebüsche, Hecken und andere Gehölze dürfen dann – bis auf kleine Formschnitte – nicht mehr abgeschnitten werden. Waldflächen sind von diesen Verboten allerdings ausgenommen. Die Fällarbeiten in Selm und Bork sind jedoch bereits beendet, wie die Stadtverwaltung mitteilt.

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Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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