Staufer-Stele auf Barbarossa-Platz: Historiker versteht, dass das für Kontroversen sorgt

hzCappenberger Geschichte

Der neue Platz in Selm hat einen Namen: Campus. Für den Namen Barbarossa-Platz hatte es keine Mehrheit gegeben. Dennoch soll der mittelalterliche Kaiser zumindest einen Bereich prägen.

Selm

, 27.09.2019, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Straßenschilder stehen schon. Der neue Platz im neuen Zentrum zwischen Sandforter Weg, Sporthallen, Gymnasium und Overbergschule heißt Campus. Ganz ist der vom Rotary-Club Kaiser Barbarossa favorisierte Name Barbarossa-Platz aber nicht vom Tisch.

„Wir werden dort die Staufer-Stele aufstellen“, kündigt Prof. Ralf Schaltenbrand vom Selmer Rotary-Club an. 2022 werde es so weit sein. Grünes Licht habe es dafür bereits 2018 gegeben: während der Einweihung der Staufer-Stele im niederländischen Nijmegen, einer anderen von europaweit voraussichtlich 40 solcher achteckigen Gedenksteine zur Erinnerung an die Kaiser und Könige des Hochmittelalters.

Pflaster deutet an, wo die Stele einmal stehen soll

Vorgesehen ist laut Schaltenbrand eine interaktive Informationstafel. Besucherinnen und Besucher könnten mit ihrem Smartphone einen QR-Code einscannen und erhielten so Informationen. Die technischen Voraussetzungen seien bei der Platzgestaltung bereits berücksichtigt worden.

Allerdings: Noch gibt es keinen offiziellen Beschluss von Ausschuss und Stadtrat zu diesem Vorhaben.

Das Pflaster deutet bereits vorne im Bereich des Sandforter Weges in Richtung Wohnbebauung die vorgesehene Stelle an: den Barbarossaplatz, wie es Bürgermeister Mario Löhr im Frühjahr gesagt hatte: „Keine postalische Adresse, aber eine Bezeichnung für einen kleinen Teil des Campus-Platzes“.

Lauter Widerspruch schon Ende 2018

Diese ursprüngliche Namensempfehlung für den gesamten Platz war Ende 2018 auf Widerspruch gestoßen. Schließlich befinde sich nur einen Steinwurf entfernt das Ehrenmal zum Gedächtnis an die gefallenen Soldaten. Das hatte eine öffentliche Diskussion angestoßen - etwas, das Prof. Dr. Knut Görich, wissenschaftlicher Leiter der Tagung zur Geschichte Cappenbergs am 27. und 28. September, begrüßt.

Erinnerung an das Unternehmen Barbarossa

„Wenn man heute Barbarossa hört, denkt man weniger an den Kaiser des 12. Jahrhunderts als an das Unternehmen Barbarossa, also an den Russland-Feldzug: an den Überfall auf die Sowjetunion“, bestätigt der Historiker aus München. Das habe mit der nationalen Vereinnahmung und der Instrumentalisierung des mittelalterlichen Kaisers seit dem 19. Jahrhunderts zu tun.

„Man muss aber genau hinschauen.“, so Görich: „Solche Widersprüche sind ein Anlass, über die Geschichte zu diskutieren. Die Inanspruchnahme des Mittelalters im Nationalsozialismus, der Missbrauch der Figur Barbarossas - das darf und muss man sicher benennen.“ Es dürfe aber nicht den Blick auf den mittelalterlichen Herrscher des 12. Jahrhunderts und seine Zeit verstellen.

Knut Görich: „Anlass, miteinander ins Gespräch zu kommen“

„Die Diskussion über eine Namensgebung wie in Selm kann guter Anlass sein, über Geschichtsbewusstsein und Geschichtsbilder miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt der Historiker,

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