Streit landet vor Gericht: Selmer droht neuem Freund der Ex-Freundin mit SMS

hzProzess um versuchte Erpressung

Als sein Nachfolger seine Ex-Freundin schlecht behandelte, wollte ein Selmer helfen. Doch seine Nachrichten an den Mann brachten dem Selmer eine Anklage wegen versuchter Erpressung ein.

von Sylvia Mönnig

Selm

, 29.10.2020, 16:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Verhältnis zwischen ihnen war ohnehin nicht das Beste. Als der Nachfolger aber dann noch seine Ex-Freundin mies behandelte, sah ein 47-Jähriger in Selm Handlungsbedarf – in Form mehrerer durchaus deutlicher Nachrichten. Das bescherte ihm nun ein Strafverfahren wegen versuchter Erpressung.

Schon länger war das Paar, das einen gemeinsamen Sohn hat, getrennt. Was blieb, war aus seiner Sicht eine gute Freundschaft. Als er dann von seinem Sohn hörte, dass der neue Freund, mit dem er auch so ständig aneinander geriet, seine Ex und damit auch das gemeinsame Kind ohne Vorwarnung und ohne Herausgabe ihrer Sachen vor die Tür setzte, riss ihm der Geduldsfaden.

„Immer schön umdrehen“

In einigen SMS, die er dem Mann am 9. März vergangenen Jahres schickte, forderte er ihn rüde auf, seine Schulden bei der Frau zu begleichen und sie in Ruhe zu lassen. Er wisse ja, dass er gerne betrunken Auto fahre. Und: „Immer schön umdrehen, wenn Du Deinen Bunker verlässt.“

Im Prozess vor dem Lüner Amtsgericht räumte der 47-Jährige nun ein, besagte SMS geschrieben zu haben und erklärte dann wortreich, wie es so weit kommen konnte und was er mit seinen Worten eigentlich gemeint habe. Er habe sich nicht bereichern, sondern helfen wollen. Gewalt sei für ihn nicht in Frage gekommen, deshalb habe er das Ganze auf dem Schriftweg gemacht. Wobei er dem Gegner damit nur habe ankündigen wollen, dass er ihm auch mal die Polizei schicken könne und der sich deshalb stets umdrehen solle, wenn er das Haus verlasse.

Chatverläufe mit Beleidigungen

Sicherlich: „Das waren Kindereien eigentlich. Es tut mir leid, dass ich jetzt hier sitzen muss.“ Allerdings, und das konnte er auch mit diversen Chatverläufen belegen, habe ihn der Andere zuvor bereits des Öfteren massiv beleidigt und habe ihm gedroht – unter anderem mit einer Motorrad-Gang.

Das Gericht hörte auch die Ex-Freundin an. Die 52-Jährige bestätigte, jede Menge Ärger mit seinem Nachfolger gehabt zu haben. Von heute auf morgen habe der sie und ihren Sohn rausgeworfen, habe ihre Sachen bis heute behalten und angekündigt, sie fertig zu machen. Sie habe nur ihre Ruhe gewollt und wolle auch nichts mehr mit dem Mann zu tun haben. Das sei eine schlimme Zeit gewesen, aber den Angeklagten habe sie nie aufgefordert, die Sache in die Hand zu nehmen und solche Nachrichten zu schreiben.

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Nach dieser Aussage und der umfangreichen Einlassung des 47-Jährigen inklusive Blick auf alte Chatverläufe brachte es die Richterin auf den Punkt: „Ich habe genug gehört. Ich möchte das Verfahren gerne einstellen.“ Die Zustimmung der Anklagevertreterin erhielt sie. Gegen 300 Euro Geldbuße konnte der Fall ad acta gelegt werden.

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