Streit um Einlass ins Karnevalszelt in Selm wird ein Nachspiel haben

hzKarneval in Selm

Ein Streit um Einlassbändchen für die Karnevalsparty im Zelt ist offenbar eskaliert. Dabei soll ein Security-Mann gegenüber einer Frau handgreiflich geworden sein. Die Polizei ermittelt.

Selm

, 24.02.2020, 18:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wegen Beleidigung und zwei Körperverletzungsdelikten im Rahmen der Karnevalsfeiern wurden am Wochenende drei Strafverfahren eingeleitet. Das teilte Christian Stein, Sprecher der Kreispolizeibehörde Unna, am Montag in einer bilanzierenden Presseinformation mit. Gleichzeitig sprach er von einem „Karnevalsumzug ohne besondere Vorkommnisse“. Ein Widerspruch? Nicht unbedingt.

Für die Vielzahl der Gäste blieb es erstaunlich ruhig

Wo tausende Menschen über drei Tage feiern und teilweise viel Alkohol im Spiel ist, schlägt so mancher über die Stränge. Dann müssen Sicherheits-, Ordnungs- und Polizeikräfte eingreifen, damit der Spaß für die friedlich feiernde Mehrheit weitergehen kann. Und dass es diesbezüglich in Selm friedlicher war als bei gleicher Gelegenheit an anderen Orten, oder anderen Festivitäten am gleichen Ort, bestätigen alle Seiten.

Aus einer Lappalie wird handfeste Schlägerei

Und dennoch ist aus einer Lappalie ein Vorfall geworden, der nun viele Stellen beschäftigen wird. Stein des Anstoßes war, dass drei Familienmitgliedern der Zutritt zum Festzelt verweigert wurde, weil sie die Einlassbändchen nicht trugen.

Soviel ist sicher. Nach Aussage eines 48-Jährigen Selmers, dessen Name der Redaktion bekannt ist, hatte seine Frau die Bändchen aufgrund des Regens in der Handtasche und holte sie am Einlass heraus. Weil es sich bei zweien um VIP-Tickets handelte, die der Schwager als städtischer Mitarbeiter bekommen habe, soll die Security der Familie nach Aussage des Selmers vorgeworfen haben, diese „doch irgendwo gefunden oder geklaut“ zu haben.

Der Sicherheitsdienst soll die Bändchen daraufhin zerrissen und weggeworfen haben. Als sich die Frau beschwerte, sei sie vom Security-Mitarbeiter zu Boden geschubst worden. Als ihr Sohn sie beschützen wollte, habe er Schläge ins Gesicht bekommen. „Er hat jetzt einen Krankenschein. Meine Frau bekam Tritte ab. Wir haben alle Verletzungen im Krankenhaus dokumentieren lassen“, sagt der Selmer am Montag.

Anzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung

Dass Sicherheitsleute eingreifen, wenn jemand Theater mache, steht für den Mann außer Frage. „Aber die sollen doch bitte nicht selbst für Eskalationen sorgen“, sagt der Selmer.

Der Polizei ist der Fall bekannt, sie kennt die Namen aller Beteiligten und hat eine Anzeige wegen vorsätzlicher einfacher Körperverletzung aufgenommen. Auch Polizeisprecher Stein spricht von „einer Diskussion, die eskaliert ist“. Die Security sei am Zelteingang aktiv geworden, es wäre zu einem Handgemenge mit Verletzten gekommen. Ein 40-jähriger Mitarbeiter der Sicherheitsfirma gilt nun als Beschuldigter. „Er hat sich auch direkt vor Ort geäußert und eingelassen“, sagt Stein.

Veranstalter und Stadt halten sich bedeckt

Karnevalsgesellschaft und Stadt wollen sich zu dem Vorfall nicht äußern. Er sei ihnen nicht bekannt.

Erstmalig war Event-Gastronom Wilfried Reckers aus Lüdinghauser Mitveranstalter der Karnevalssause und Betreiber des Partyzeltes, an dem es am Samstagabend zum Vorfall gekommen war. Er hatte auch die Security-Firma engagiert. „Ich selbst habe von dem Vorfall nichts mitbekommen, aber es ist mir zugetragen worden“, sagt er. Er hoffe, noch mit beiden Seiten in aller Ruhe sprechen zu können.

Wütender Bruder eilte der Schwester auch noch zur Hilfe

Die Familie hat Anzeige erstattet. Der Selmer will vor allem seinen Schwager von jedem Vorwurf reinwaschen. Denn während eine Zeugin die Polizei rief, wurde dieser auf den Vorfall aufmerksam und wollte sich - alkoholisiert - einmischen. Doch er wurde von der Polizei gestoppt und des Platzes verwiesen. „Dabei hat er nichts getan, außer seiner Schwester helfen zu wollen“, sagt der Selmer.

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