Sturmfolgen in Selm: Wenn der Wind auf eine geschwächte Natur trifft

hzFolgen für Wälder

Eigentlich war Sturmtief Sabine zahmer als erwartet. Punktuell jedoch fand der Wind Schwachstellen in der Natur. Zum Beispiel in Cappenberg.

Cappenberg

, 11.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind so einige Bäume in den Wäldern umgefallen, sagen die zuständigen Förster. In der Nacht zu Dienstag, 11. Februar, ist zum Beispiel eine mächtige Buche vom Sturm gefällt worden und dabei auf die Fahrbahn der Varnhöveler Straße nach Werne am Ortsausgang Cappenberg gefallen. Die Fahrbahn war bis in die Morgenstunden gesperrt, weil es in der Nacht zu gefährlich war, den Baum zu beseitigen.

„Ich bin am Montagabend zwischen 21 und 22 Uhr darüber informiert worden“, berichtet Marco Adamek, als Förster zuständig für 200 Quadratkilometer Waldgebiete in Lünen, Werne, Selm, Bork und Cappenberg. Weil es bei starken Windböen zu dieser Nachtzeit zu gefährlich gewesen wäre, den Baum beiseite zu räumen, sei die Straße abgesperrt worden.

„Am Vormittag habe ich dann mit Elmar Berks, dem Revierförster der gräflichen Verwaltung, gesprochen und der Baum ist dann weggeräumt worden“, berichtet Adamek.

Baum war 150 Jahre alt

Bei dem Baum handele es sich um eine rund 30 Meter hohe Buche mit rund einem Meter Durchmesser. Der Baum sei geschätzte 150 Jahre alt.

Wie aber ist es möglich, dass so ein mächtiger Baum umfällt? Das ist ein Thema, das Marco Adamek mit einem Seufzer begleitet: „Der Wald hat in letzter Zeit viel auszuhalten gehabt.“

Sturmfolgen in Selm: Wenn der Wind auf eine geschwächte Natur trifft

Die umgefallene Buche ist geschätzte 150 Jahre alt. © Günther Goldstein

Da sei die Trockenheit des letzten Sommers gewesen. „Darunter leiden besonders Buchen.“ Die Esche sei durch einen Pilz aus Asien befallen. Das Fichtensterben liege am Borkenkäfer. Wenn dann noch ein Sturm der Kategorie Kyrill (2007) käme, würde der Wald noch zusätzlich belastet. „Das ist aber dieses Mal nicht passiert“, so Adamek. Sturmtief Sabine sei nicht mit Sturmtiefs wie Kyrill, Ela oder Friederike vergleichbar gewesen.

Trockenheit hat Bäume geschädigt

Die Trockenheit des 2019er Sommers hat offensichtlich die Buchen besonders in Mitleidenschaft gezogen. Offensichtlich? „Ja“, sagt Adamek, „wir haben auf unseren Böden hier bei uns viele starke alte Buchen. Die bilden nur kleine oder gar keine Blätter aus.“ Außerdem verlieren viele Buchen in den Kronen die Rinde. „Seit September 2019 sind wir mit kaum etwas anderem beschäftigt, als geschädigte Buchen zu entfernen.“ Das sei ein Alarmsignal.

„Viele Schäden sieht man jetzt noch gar nicht“, sagt Förster Elmar Berks am Tag

nach Sturmtief Sabine. Gleichwohl sei er froh, dass das aktuelle Sturmtief „nicht so dramatisch war wie angekündigt“.

Jedoch sei auch Prophylaxe getroffen worden: „Wir haben im Vorfeld vom Pilz befallene Bäume, die nahe an der Wohnbebauung standen, entfernt“, berichtet Berks.

Appell: Wälder nicht betreten

Noch stehen uns einige windige Tage bevor. Beide Förster - Elmar Berks und Marco Adamek - appellieren deshalb an die Bevölkerung, die Wälder möglichst nicht zu betreten.

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Das Sturmtief Sabine bläst auch nach der windigen Nacht zu Montag, 10. Februar, weiter kräftig. In Selm sorgte der Sturm teilweise für Stromausfall und eine Sperrung am Amtshaus. Von Arndt Brede, Thomas Aschwer

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