Super-Spielplatz, Mini-Beleuchtung und selbstreinigende Toilette: Fortschritte im Auenpark

hzAktive Mitte Selm

Das sind Sätze, die selten fallen, wenn es um öffentliche Bauvorhaben geht: 1. „Wir liegen im Kostenrahmen, sogar darunter.“ 2. „Die Arbeiten sind schon weiter fortgeschritten als geplant.“

Selm

, 11.03.2019, 20:19 Uhr / Lesedauer: 4 min

Regelmäßig berichtet Rolf Suhre im Stadtplanungsausschuss über den Fortschritt der Arbeiten für den Auenpark. So erleichtert wie dieses Mal waren die Selmer Politikerinnen und Politiker aber selten zuvor.

Der Münsteraner Projektkoordinator der größten Baustelle der Stadt hatte etwas zu verkünden, das im Zusammenhang mit öffentlichen Großbaustellen selten zu hören ist: Sowohl zeitlich als auch finanziell befinde sich die Maßnahme im grünen Bereich. Mehr noch: „Bei den Erdarbeiten sind wir deutlich weiter als vorgesehen, und außerdem konnten wir dort Einsparungen erzielen.“ Eine Mitteilung, für die sich Dieter Kleinwächter in der letzten von ihm geleiteten Ausschusssitzung – der CDU-Mann wird zum April seine politischen Ämter aus persönlichen Gründen niederlegen – ausdrücklich bedankt hat.

Von „einem Meilenstein für die Stadtgeschichte“ war im November 2014 die Rede, als der Lenkungsausschuss für die Regionale, dem alle zwei Jahre stattfindenden Strukturförderprojekt des Landes NRW, dem Selmer Entwurf den sogenannten A-Stempel gab: grünes Licht für die Umsetzung.

Drei Brücken für den Park

Der Auenpark ist dabei nur ein Teil des Projekts „Aktive Mitte Selm“, das zum Ziel hat, „durch innovative Projektideen die strukturellen Defizite in Selm weiter nachhaltig anzugehen, den Wohn- und Freizeitwert zu erhöhen und die Außenwahrnehmung von Selm zu verbessern“. Zu beiden Seiten des Sandforter Wegs wird gebaut: zwischen Overberg-Grundschule und Gymnasium im Süden, Kreisstraße/Münsterlandstraße im Osten und Römerstraße im Westen. Der weitgehend fertiggestellte Campusplatz, der an den Park anschließt, und das 15 Hektar große Neubaugebiet zwischen Münsterlandstraße und Park runden es ab. Hinzu kommt die ebenfalls bereits begonnene Sanierung eines der ältesten Gebäude der Stadt, der Burg Botzlar.

Die großen Erdbewegungen im Auenpark verraten es bereits Passanten beim Vorbeifahren: „Beim Erdbau sind wir weit vor dem Zeitplan“, so Suhre. Das habe zwei Gründe: der vergleichsweise milde Winter und die Tatsache, „dass die Baufirma enorm Gas gibt“. Die Errichtung der drei Brückenbauwerke könne mit diesem Sprint nicht mithalten. „Da sind wir im Zeitplan, aber nicht darüber.“ Die erste Brücke ganz im Norden sei weitgehend fertig, die dritte im Süden aber noch gar nicht richtig begonnen.

Bis Ende 2018 alles fertig

Dass die Kosten unter dem Budget bleiben habe mit der Qualität der Böden zu tun, die besser seien als zunächst befürchtet. Ein Austausch sei nicht nötig gewesen.

Auch, als es um Spielangebote, Laternen und Toilette ging, verblüffte Rolf Suhre am Donnerstag viele im Ausschuss. Hier acht markante Punkte, die bis spätestens Ende 2018 jedermann zugänglich sen werden.


Von Rodelhügel bis Überwachungskameras

  • Die Sehstation war schon da, als die übrigen Projektideen der Regionale 2016 nur Skizzen auf dem Papier waren. Im Mai 2016 hatte die Stadt die begehbare Skulptur eröffnet. Sie bot lange einen Blick auf das alte Stadion und die beginnenden Bauarbeiten am Rande des neuen Campus-Platzes, an dessen Rand 100 neue Wohnungen entstehen. Das hölzerne Objektiv richtet sich künftig von Norden auf die aktive Mitte.
  • Zehn Meter hoch soll er werden und eine ideale Aussicht über das neugestaltete Gelände ermöglichen: der sogenannte Rodelhügel. Die Idee dazu hatte Bürgermeister Mario Löhr. Er suchte nach einer günstigen Alternative zur teuren Entsorgung der riesigen Erdmassen, wie er erinnerte. Die Planer griffen das gerne auf. Den Gipfel des Berges soll eine Skulptur schmücken: ein Geschenk an die Stadt, wie es heißt.
  • 15 Hektar groß wird das Neubaugebiet zwischen Münsterlandstraße und Auenpark. In einem Riegel zur Straße entstehen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern , abfallend in Richtung Park wird die Bebauung niedriger. Die Planer legen einen Schwerpunkt auf eine bauliche Verdichtung im Sinne der Innenentwicklung . Sie favorisieren eine aufgelockerte Mehrfamilienhausbebauung mit Stadtvillen.
  • Die Skateanlage hat sich in den vergangenen Monaten bereits zu einem echten Publikumsmagneten entwickelt. Sie ist so beliebt, dass nicht nur Skater sie nutzen, sondern auch BMX-Radfahrer. Das führt mitunter zu Nutzungskonflikten. Die will die Stadt künftig entzerren – durch einen eigenen BMX-Parcours. In einem Livestream sollen die Bewegtbilder der Videoüberwachung ins Jugendhaus übertragen werden.
  • Sieben Meter hoch wird der Kletterturm werden: ein Spielgerät der Extraklasse, wie Projektleiter Suhre ankündigte. Nicht nur innerhalb Selms, sondern auch im größeren Umkreis werde dieser Spielplatz ein Ziel für Familien mit älteren Kindern werden. „Ein Waldspielplatz“, so Suhre, „allerdings wird der Wald noch wachsen müssen“. Hängematten sorgen für einen sicheren Aufstieg. An kleinere Kinder ist auch gedacht: mit einem zusätzlichen Kleinkinder-Spielplatz, inklusive Wasserspiel und Matschecke.
    An Senioren und alle anderen, die ihr Gleichgewicht schulen möchten, wenden sich Trimm-Dich-Geräte, die über den Platz verteilt werden.
  • Sie reinigt sich selbst nach jedem Besuch: die neue Edelstahltoilette, die auf dem Parkgelände vorgesehen ist. So ein Modell sei zwar etwas teurer in der Anschaffung, so Ralf Suhre, dafür ließen sich Personalkosten sparen. Wer das WC nutzen will, muss dafür zahlen. Wie viel, ist noch offen.
  • Die Laternen, die Fußgängern und Radfahrern den Weg durch den Auenpark weisen sollen, werden nicht wesentlich anders aussehen als die neuen Laternen auf dem Campus-Platz, „nur drei Zentimeter dicker“. Dafür werden die Park-Laternen mehr können: Sie überwachen das Areal mit eingebauten Videokameras: den Rodelhügel, die BMX-Strecke, die Spielplätze und die Sehstation. Und sie bieten kostenloses WLAN an. Das Licht, das sie die ganze Nacht hindurch spenden, sei eher dürftig: drei Lux statt der üblichen zehn Lux. „Damit wollen wir eine große Diskrepanz zwischen Hell und Dunkel vermeiden“, so Suhre. Wer unterwegs sei, fühle sich so sicherer.
  • Erst das hohe Grundwasser und jetzt auch noch der Dauerregen: Der Auenpak sieht zurzeit an vielen Stellen mehr nach Aue als nach Park aus. Die Wasserflächen machen Projektleiter Suhre aber keine Sorgen. Der Baufortschritt sei so groß, dass das Wasser kein Problem sei. Auch wenn es mal wieder trocken wird, sollen Blänken – künstlich angelegte Tümpel – zu beiden Uferseiten des Bachs zurückbleiben.
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