Taxiunternehmer Dirk Unger zeigt Zahlen: So viel verdient er am Abend in Selm

hzTaxi-Versorgung

Jetzt haben es die Selmerinnen und Selmer in der Hand. Wenn sie zeigen, dass es Nachfrage nach Taxis gibt, soll das Angebot dauerhaft verbessert werden. Noch sieht es nicht danach aus.

Selm

, 08.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dirk Unger hat Zwischenbilanz gezogen. „Ich kann nicht sagen, dass ich überrascht bin“, sagt der Chef von Taxi Unger, als er unter dem Monat Mai einen dicken Strich gezogen hat. Der Taxi-Test beginnt so, wie er vermutet hat - und anders, als es alle hoffen, die sich in Selm für eine bessere Taxi-Versorgung einsetzen.

„So kann es nicht weitergehen!“ Das hatte nicht nur Maria Lipke-Fraktionsvorsitzende der UWG im Selmer Rat, gesagt. So lautete auch die Forderung von örtlichen Wirten. Wenn Gäste sie baten, ein Taxi für sie zu rufen, mussten sie zuletzt immer wieder abwinken: Kommt sowieso nicht. Tatsächlich hatten die örtlichen Unternehmen das Angebot nach und nach drastisch eingeschränkt. Ab spätestens 20 Uhr fuhr an Werktagen kein Wagen mehr, und an Wochenenden mussten die Fahrgäste viel Geduld und manchmal auch Glück entwickeln, um einen Chauffeur für den Heimweg zu finden.

Die Unternehmen sagen: „Die Nachfrage ist nicht mehr da. Die Fahrten lohnen sich nicht.“ Die Wirte sagen: „Das Angebot ist nicht da.“ Was ist richtig? Die Stadt Selm wollte vermitteln - mit dem Taxi-Test.

Das ist der Selmer Taxi-Test

Bürgermeister Mario Löhr hatte unter den örtlichen Unternehmen - Selmer Taxen, das Mietwagen-Unternehmen Easy Car und Taxi und Mietwagen Unger - gefragt, wer mitmacht. Dirk Unger von Taxi Unger hatte sich gemeldet. Er hat zugesichert, bis Ende Juli das anzubieten, was es zuletzt in Selm nicht mehr gab: Fahrten bis Mitternacht an Werktagen. Und an Wochenenden, wenn bis 6 Uhr morgens Betrieb ist, plant er mit mehr Fahrzeugen als zuletzt, damit die Kunden nicht Stunden lang warten müssen. Lohnt sich das? Dirk Unger macht die Zahlen öffentlich - heute die Auswertung für die ersten Testtage vom 13. bis zum 31. Mai.

„Getan hat sich gar nichts“, sagt Dirk Unger. Kunden hätten ihn zwar auf den Test angesprochen - „ihr wart ja in der Zeitung“ -, aber eine vermehrte Nachfrage habe er nicht registrieren können. Abends unter der Woche haben nur vereinzelt Kunden ein Taxi bestellt, an zwei Tagen niemand. Eingenommen hat er dabei zwischen 4,50 und 38 Euro. „Da kann sich jeder ausrechnen, ob sich das lohnt.“

Die Ausnahme von der trüben Regel sind die Freitage. „Da waren wir auch in der Vergangenheit schon immer bis morgens unterwegs“, so Unger. Zwischen 115 und 268,10 Euro lagen die Einnahmen an den drei Freitagen im ersten Testzeitraum. „Das ist normal“, sagt Unger.

Samstage sind die stärksten Tage

Die stärksten Tage sind die Samstage mit Einnahmen von jeweils um die 500 Euro. Am 18. Mai etwa hatten seine Leute mit 29 Fahrten 517 Euro eingenommen. „Keine einzige dieser Fahrten war aber zwischen 18 und 9 Uhr“, sagt der Chef: „Alle wollen zwischen 0 und 4 Uhr morgens nach Hause gebracht werden, wenn sie feiern gehen.“ Und zur Feier hin - egal, ob in der Kneipe oder privat - lassen sie sich in der Regel bringen. Für Dirk Unger bedeutet das ein echtes Problem bei der Einteilung des Personals.

Taxiunternehmer Dirk Unger zeigt Zahlen: So viel verdient er am Abend in Selm

Macht beim Taxi-Test mit und legt in den Ruhr Nachrichten seine Einnahmen offen: Dirk Unger. © Sylvia vom Hofe

„Wer“, fragt er, „will schon erst um Mitternacht mit der Arbeit anfangen?“ Es sei ohnehin schon schwer genug, Personal zu finden: „Solche Arbeitszeiten machen es noch schwerer.“ Er könne am Wochenende nach Mitternacht noch weitere Autos fahren lassen, so groß sei die Nachfrage. „Aber was mache ich mit den Fahrern zwischen 18 und 0 Uhr?“ In drei guten Nachtstunden lasse sich nicht das Geld eines verlorenen Abends einfahren.

Christoph Krevert, Geschäftsführer von Getränke Krevert, hofft, dass sich die Ergebnisse in den nächsten Wochen noch verbessern. Aus den Gesprächen mit den örtlichen Wirten in den vergangenen Monaten wisse er, „wir wichtig ein verlässliches Angebot ist“ - für die Wirte und noch mehr für deren Kunden.

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