„Total zufrieden“: Solawi kann sich vor Mitgliedern kaum retten

hzSolidarische Landwirtschaft

Gemeinsam sähen und ernten: Der Verein Solawi in Bork hat sich auf die Fahnen geschrieben, Landwirte und Konsumenten näher zusammenzuführen. Das Ergebnis könnte nach einem Jahr nicht besser seien.

Selm

, 18.07.2020, 15:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anne Reygers steht unter dem Folientunnel auf ihrem Feld und erntet Basilikum. Draußen sind sicher 25 Grad, die Sonne lacht auf sie hinab. Wenn die gelernte Landwirtin daran zurückdenkt, wie weit sie und ihr Team in dem vergangenen Jahr gekommen sind, scheint sie mit der Sonne um die Wette strahlen zu wollen.

„Damals haben wir quasi bei Null begonnen“, erzählt sie. Mit „wir“ meint sie dabei sich und die anderen Mitglieder des Vereins Solidarische Landwirtschaft (kurz Solawi). 2019 hatten sie die Idee, in Selm Teilhaben an ihrem knapp 1,3 Hektar großen Ackerland in Bork zu vergeben.

Unabhängig von Missernten

Der Vorteil für die Landwirtin Reygers liegt dabei auf der Hand. Ihre Existenz ist durch die Teilhaben auch bei Missernten gesichert, die anderen Vereinsmitglieder tragen das Risiko mit. Für Teilhaber hingegen bedeutet die Unterstützung von Reygers eine regelmäßige Versorgung von regionalem Bio-Gemüse - die Landwirtin baut nämlich ihre knapp 100 Gemüsesorten rein biologisch an.

Doch nicht nur zwischen Landwirt und Konsument kreiert das Vereinsprojekt Solawi eine Solidarität, auch unter den Teilhabern selbst wird sich gegenseitig unterstützt. „Wir berechnen 80 Euro monatlich für eine Teilhabe als Richtwert. Das bedeutet, wer weniger verdient, bezahlt mitunter nur 40 Euro, wer mehr verdient auch mal bis zu 120 Euro“, erklärt Reygers ihr besonderes Bezahlkonzept.

Solawi stößt auf hohes Interesse

Bereits zu Anfang herrschte ein hohes Interesse an dem Projekt, wie die Landwirtin berichtet. Knapp 80 Interessenten meldeten sich damals zur Teilhabe, mittlerweile gebe es 91 Teilnehmer. „Ich bin total zufrieden mit dem Ergebnis“, sagt Reygers. „Wir freuen uns riesig, dass unser Projekt so gut angenommen wird.“

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Mittlerweile gibt es sogar eine Warteliste. Viel größer soll der Verein dennoch nicht werden. „Bei einhundert Teilhabern ist Schluss“, meint Reygers. „Alles andere würde der Familiarität untereinander schaden.“

Große Pläne für die Zukunft

Zwar soll die Teilhaberzahl nicht mehr wachsen, das Projekt an sich aber schon. „Wir haben viele Ideen, wie es in der Zukunft weiter gehen soll. Natürlich suchen wir immer wieder nach neuen Gemüsesorten, um die Teilhaber zu überraschen, aber auch das Pflanzen von Obstbäumen ist im Gespräch. Außerdem überlegen wir, ein Hühnermobil anzuschaffen. Das würde frische Eier bedeuten“, schwärmt Reygers.

Einzig die anhaltende Dürreperiode kann ihren Optimismus bremsen: „Zur Zeit wässern wir regelmäßig nach. So wie es aussieht, müssen wir das auch in den nächsten Jahren, wenn man sich den Klimawandel anschaut“, sagt sie plötzlich ganz ernst. Ebenso schnell ist jedoch das Strahlen zurück: „Aber das schaffen wir gemeinsam auch.“

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