Tschernobyl-Opfer erholen sich in der Region

Kinder-Hilfe

BORK Seit zehn Jahren ermöglicht die Tschernobyl-Kinderhilfe Kindern aus Weißrussland einen Erholungsaufenthalt in der Region. Am Montag waren zehn Kinder aus Retschiza, das etwa 100 Kilometer von Tschernobyl entfernt liegt, bei der Firma Kanne zu Besuch.

von Von Malte Woesmann

, 13.07.2009, 17:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Tschernobyl-Opfer erholen sich in der Region

Gemeinsam mit ihren deutschen Gastkindern verbrachten die Kinder und Jugendlichen aus Retscihiza einen Nachmittag bei Kanne in Bork.

Doch leider können die zehn Kinder aus Retschiza in Weißrussland nicht immer ihre Kindheit so unbeschwert genießen. Ihr Heimatort liegt gerade einmal 100 Kilometer von Tschernobyl entfernt, wo am 26. April 1986 ein Reaktor des Kernkraftwerkes explodierte. Als dies passierte, waren alle Kinder, die jetzt zu Besuch in Deutschland waren, noch nicht geboren. Und doch sind die Auswirkungen bis heute noch zu spüren. „Die Kinder kommen alle kleiner als normal zur Welt“, berichtet Natalja Maximenko, die als Betreuerin und Dolmetscherin mit nach Deutschland gekommen ist. Die Besuche ermöglicht der Verein Tschernobyl-Kinderhilfe, der seit 1995 existiert. Doch so deutlich die Gefahren der Atomkraft auch wieder durch die Zwischenfälle im Kernkraftwerk Krümmel werden, der Verein profitiert davon nicht. „Es wird immer schwieriger, Gastfamilien zu finden“, sagt Ewald Ratte, der 1. Vorsitzende des Vereins.  

„Das Ereignis ist einfach nicht mehr existent“, sagt Ratte angesprochen auf die Reaktorkatastrophe. Und so waren es diesmal wenige Familien aus Selm, Werne, Lünen und Nordkirchen, die die Kinder bei sich zuhause aufgenommen haben. Dabei tut den Kindern der Besuch in Deutschland so gut. „Das Essen hier schmeckt super“, sagt auch die zwölfjährige Mascha, die zum sechsten Mal in Deutschland zu Besuch ist. Lediglich ihren Hund vermisst sie. Drei Wochen lang waren Mascha und die anderen weißrussischen Kinder bis heute in Gastfamilien untergebracht. Die Verständigung ist meistens kein Problem. Einige Kinder wie Mascha sprechen schon ganz gut Deutsch. Mit Händen und Füßen geht es aber auch und für alle Notfälle hat der Verein den Gasteltern einen Handzettel mit den wichtigsten russischen Begriffen mitgegeben. Die meiste Zeit verbringen die Kinder in den Gastfamilien. Lediglich vier Ausflüge werden zusammen unternommen.

Der Zoo, das Fort Fun, ein Bauernhof in Selm und der Abschluss bei der Firma Kanne waren hier die Ziele. „Der Besuch tut den Kinder sehr gut“, sagt Natalja Maximenko noch einmal. Viel haben Probleme mit den Lungen, der Schilddrüse und dem Herzen. Dass der doch so kurze Aufenthalt in Deutschland gut tut, sieht man beim Blick auf die Waage.   „Alle nehmen wegen des guten Essens hier eigentlich immer zu“, so Natalja Maximenko. Viele Kinder würden daher bereits immer schon Anfang eines Jahres fragen, ob sie denn wieder mit nach Deutschland fahren dürften. Ohne finanzielle Unterstützung bzw. neue Gastfamilien können aber immer weniger Kinder erholsame Wochen in Deutschland verbringen.

Deshalb hofft Ewald Ratte und mit ihm die Kinder aus Retschiza, dass im nächsten Jahr vielleicht wieder mehr Kinder den Weg nach Deutschland antreten können.

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