Tuning und Co.: Anwohner beschweren sich nicht nur über J.P. Kraemer

hzJean-Pierre Kraemer

Zu viel Krach, zu viel Abgase. Direkte Anwohner des Forschungszentrums Lasise sind verärgert und fragen sich, wie passen Tuning-Treffen und PS-Profis zu einer gemeinnützigen GmbH?

Bork

, 24.07.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Anwohner des Forschungs- und Technologiezentrums für Ladungssicherheit Selm gGgmbH (LaSiSe) sind genervt. Genervt von Krach und teilweise auch Abgasbelastungen.

Ein Anwohner schildert es plastisch: Bei dem Tuning Treffen im Mai sei er in den Wald gegangen, der sich direkt an das Gelände des LaSiSe anschließt. Dabei habe sich geradezu eine Nebelwand aufgetan und es habe stark nach verbranntem Gummi gestunken. Er sagt: „Ich weiß nicht, ob wir das als Anwohner ertragen müssen.“

Einer anderen Anwohnerin ist das Tuning-Treffen ebenfalls in Erinnerung geblieben. Als vor allen Dingen laut: „Bei mir auf dem Hof kommen 95 Dezibel an“, sagt sie, „warum müssen hier Tuning Treffen stattfinden?“, will sie wissen. Zum Vergleich: 95 Dezibel, dass ist die Lautstärke einer Hoffräsmaschine, oder Musik, die man auf seinen Kopfhörern hört. Eine Motorsäge liegt bei 110 Dezibel. Hinzu kommt: die Veranstaltung war an einem Sonntag.

Anwohnerversammlung

Die Kritik der Anwohner hörte sich am Montag André Bubenzer an. Der Geschäftsführer des LaSiSe hatte zu einem Anwohnertreffen auf seinem Gelände gebeten und auch sein Team mitgebracht, das für Fragen der Anwohner bereitstand. Es sei ihm wichtig, gut mit seinen Nachbarn auszukommen, betonte Bubenzer bei dem Treffen, deshalb habe er ja auch eingeladen.

Bei dem Tuning-Treffen im Mai sei nicht alles so gelaufen, wie abgesprochen, so Bubenzer. Eigentlich sei vereinbart gewesen, dass nur Tuning-Wagen ausgestellt würden, nicht aber, dass es auch eine Show gebe. Man sei mit dem Veranstalter im Gespräch, betont Bubenzer.

Die Veranstaltung hatte auch deshalb für viel Aufsehen gesorgt, weil die Polizei Unna die Besucher der Veranstaltung massiv kontrolliert hatte. Der Veranstalter Fourty-Four-Car-Culture aus Dortmund, der die Veranstaltung zum zweiten Mal in Selm durchführte, hatte damals die Kontrollen in ihrer Anzahl als überzogen kritisiert und darüber geklagt, dass viele Besucher weggeblieben sind, weil sie über Social-Media von den Polizeikontrollen erfahren hatten.

Gemeinnützigkeit und Tuning

Auch das wollen viele Besucher wissen: Wie passen Tuning und PS-Profis zum Gemeinschaftszweck der gGmbH? Jean-Pierre Kraemer aus der Fernsehsendung die PS-Profis hat auf dem Gelände des LaSiSe eine Halle gemietet und führt dort Fahrtests durch. Kraemer hat auch eine Tuning-Werkstatt in Dortmund.

„Der Gesellschaftszweck deckt das nicht ab“, ist ein Teilnehmer der Veranstaltung überzeugt. Das LaSiSe wird durch EU-Gelder sowie durch Geld aus dem NRW-Wirtschaftsminiserium gefördert. Geschäftsführer Bubenzer erklärt: „49 Prozent dürfen wir wirtschaftlich unterwegs sein“, dadurch werden auch die Mitarbeiter des Forschungszentrums bezahlt. Die anderen 51 Prozent kommen der Allgemeinheit zu Gute, zum Beispiel der Forschung.

Konstruktive Auseinandersetzung

„Ich möchte den Fortbestand der Einrichtung sichern“, sagt Bubenzer. Das heiße für ihn auch, dass er mit seinen Nachbarn gut auskommen wolle. Deshalb prüfe man gerade auch, ob man überhaupt noch am Sonntag Veranstaltungen durchführen wolle. Außerdem gab er bereits zwei Veranstaltungen bekannt, die in diesem Jahr noch an Sonntagen geplant sind. Ein Tuning-Treffen am 4. August, dessen Erlöse einem Hospiz in Münster zu Gute kommen sollen sowie ein Motorradtreffen am 15. September, auch hier gehen Einnahmen an ein Kinderhospiz.

„Die Stadt Selm steht mit dem Geschäftsführer des Lasise, Herrn Bubenzer, bereits seit längerer Zeit in Kontakt“, sagt auf Anfrage Stadtsprecher Malte Woesmann. Nach Auffassung der Stadtverwaltung versuche die Geschäftsführung den Anwohnern entgegenzukommen. „Nur wenige Anwohner wenden sich mit Beschwerden an die Stadtverwaltung“, so Woesmann.

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