Überfall mit angeblichen Paketboten: Polizei gibt Tipps zum Schutz gegen Einbruchsmasche

hzNach Überfall

Mit einem einfachen Trick drangen zwei Einbrecher in ein Mehrfamilienhaus in der Selmer Altstadt ein: Sie gaben sich als Paketboten aus. Die Polizei gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Selm

, 14.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Überfall auf ein älteres Ehepaar in der Selmer Altstadt war brutal. Zwei noch unbekannte Männer schellten vor vier Wochen bei dem Ehepaar in der Straße Auf der Sagkuhl, an der Ecke zur Ludgeristraße, und gaben sich als Paketboten aus.

Nachdem ihnen geöffnet wurde, fesselten und knebelten die Einbrecher den 62-jährigen Mann und die 63-jährige Frau. Sie stahlen Schmuck und Bargeld und flüchteten anschließend. Die Polizei kam erst anderthalb Stunden später hinzu, als ein Nachbar die Hilferufe der Frau gehört und daraufhin die Polizei alarmiert hatte.

Überfall mit angeblichen Paketboten: Polizei gibt Tipps zum Schutz gegen Einbruchsmasche

Der Überfall ereignete sich in der Straße "Auf der Sagkuhl" an der Ecke zur Ludgeristraße © Sabine Geschwinder

Einzige Möglichkeit, Packstation

Der Überfall bekam auch deshalb so viel Aufmerksamkeit, weil das Vorgehen der Täter so brutal und der Trick, um ins Haus zu gelangen, so einfach war. Gerade jetzt zur Weihnachtszeit, wo der eine oder andere vielleicht auch auf mehr Pakete wartet, als sonst.

„Auf der einen Seite will man ja seine Päckchen“, sagt Vera Howanietz von der Polizei im Kreis Unna. Wer das aber ohne Paketboten machen wolle, habe nur die Möglichkeit einer Paketstation. Die gibt es in Selm nur einmal: in der Ludgeristraße 114.

„Man sollte aber nicht jeden Paketboten plötzlich unter Generalverdacht stellen“, sagt Vera Howanietz. Sie betont, der Fall in Selm sei „ein einmaliger Fall“ gewesen, den man auf keinen Fall verallgemeinern könne und aus dem man auch keine falschen Schlüsse ableiten solle. Ein vergleichbarer Fall sei der Polizei im Kreis Unna jedenfalls bislang nicht bekannt.

So ist es auch bei der Opferschutzorganisation Weißer Ring. „Das Phänomen ‚falscher Paketbote‘ ist bei uns noch nicht angekommen; vielleicht sind es einzelne Fälle, die aber dann eher unter Raub erfasst werden“, sagt Sprecher Martin Anker von den Bundesgeschäftsstelle in Mainz auf Anfrage.

Weißer Ring und Polizei geben Tipps

Der Weiße Ring verweist für Tipps zum Schutz auf die Broschüre „Ohne Furcht im Alter“, die sich speziell mit Betrugsmaschen bei älteren Menschen beschäftigt. „Seien Sie misstrauisch, wenn unangemeldet jemand klingelt“, heißt es darin. Beispiele sind angebliche Kriminalbeamte oder Polizisten, die angeblich etwas kontrollieren wollen. Angebliche Mitarbeiter eines Energieversorgungsunternehmens, einer Telefongesellschaft oder eben auch fremde Postzusteller.

„Öffnen Sie Ihre Tür immer nur mit vorgelegter Türsperre. Oder fragen Sie durch die geschlossene Tür, wer dort steht. Schauen Sie sich den Besucher vor dem Öffnen genau an, zum Beispiel durch den Türspion“, ist einer der Tipps.

Polizei appelliert an Nachbarschaftsgefühl

Die Polizei appelliert vor allen Dingen an das Nachbarschaftsgefühl, „raus aus der Anonymität“, nennt Vera Howanietz das. Wenn man eine fremde Person im Hausflur eines Mehrfamilienhauses sehe, könne man sie ruhig ansprechen, was sie dort tut und im Zweifel herausbitten.

Fremde sollte man im Auge behalten und sich in der Hausgemeinschaft darauf verständigen, dass die gemeinsame Tür für das Haus immer verschlossen ist und jemand, der zu mehreren Wohnungen muss, im Zweifelsfall noch einmal zurück zur Haustür geht und dann draußen noch einmal klingelt, als einfach weiter Richtung nächster Wohnung zu gehen.

Neuigkeiten im Fall des Überfalls in der Altstadt hat die Polizei derweil nicht zu verkünden. „Die Ermittlungen laufen weiter“, sagt Vera Howanietz. Es bleibe dabei, aus ermittlungstaktischen Gründen gibt die Polizei keine weiteren Details bekannt.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt