Übergriff auf Autofahrerin in Bork schlägt Wellen

Facebook-Diskussion außer Kontrolle

Auf dem Heimweg von der Arbeit in Dortmund ist am Donnerstagabend eine Borkerin in ihrem Auto an der Ampel Waltroper Straße von einem auf der Straße stehenden Mann angegangen worden. Dem Mann gelang es nicht, die Autotür zu öffnen. Damit war die Geschichte aber nicht beendet: Sie setzte sich groß bei Facebook fort. So, wie es der Autor eigentlich niemals wollte.

BORK

, 15.01.2016, 14:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
An der Kreuzung Waltroper Straße/Im Sundern/Umgehungsstraße Südwall hat sich der Vorfall am Donnerstagabend nach Angaben des Opfers zugetragen. Ein Unbekannter soll versucht haben, in das Auto der Selmerin zu gelangen.

An der Kreuzung Waltroper Straße/Im Sundern/Umgehungsstraße Südwall hat sich der Vorfall am Donnerstagabend nach Angaben des Opfers zugetragen. Ein Unbekannter soll versucht haben, in das Auto der Selmerin zu gelangen.

Seine Frau habe am ganzen Körper gezittert, als sie kurz darauf zu Hause ankam, berichtete der Ehemann* am Freitagmittag im Telefonat mit unserer Redaktion. Der fremde Mann habe mit einem Handy in der Hand wild gestikuliert und mit der Hand gegen die Scheibe geschlagen. Er habe auch etwas gesagt, allerdings etwas Unverständliches. Die Frau gestikulierte zurück. Der Mann habe daraufhin versucht, die Tür zu öffnen, und am Türgriff gezogen. Dann, als die Ampel auf Grün schaltete, fuhr sie los und bog links ab.

Ehemann wollte andere bei Facebook warnen

Ihr Mann verfasste kurz nach der Tat einen Beitrag bei Facebook, um vor dem Mann zu warnen. Und beschwerte sich darin, dass niemand half. An der Ampel hätten noch andere Autofahrer gewartet. Daraufhin entwickelte sich eine Diskussion mit 170 Kommentaren, in der es um Kriminalität von Flüchtlingen, ihre Ausweisung, „Grenzen dicht machen“ und die Gründung einer Bürgerwehr ging. Von „Dreckspack“ war die Rede, das „wieder weg muss“ und ihre Mama Merkel gleich mitnehmen könne. Polemischere und schlimmere Äußerungen als diese wollen wir hier nicht wiedergeben. Diverse Links zu anderen Berichten aus anderen Orten wurden gepostet, die mit dieser Sache in keinerlei Zusammenhang stehen. Mittlerweile wurde der gesamte Thread gelöscht.

Andere schrieben, man solle diese allgemeinen Anschuldigungen gegenüber Ausländern unterlassen und lieber die Polizei einschalten. Der Ehemann wählte Donnerstagabend noch die 110. Er sprach dann am Freitag mit den Bezirksbeamten Selm und erhielt den Hinweis, er solle diesen Vorfall dokumentieren und an Landrat Michael Makiolla senden. Eine Anzeige wurde nicht erstattet.

Regelrechte Kommentar-Schlacht ist entbrannt

Sein Facebook-Posting bereute der Ehemann: „Ich wollte nur zu Zivilcourage aufrufen, denn eingeschritten ist in der Situation niemand von den anderen Autofahrern. Und die Leute vor dem Mann warnen“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Ob es ein Flüchtling aus der benachbarten Groß-Notunterkunft gewesen sei, sei ihm egal. Auch, ob er überhaupt Migrationshintergrund habe. „Aber daraus wurde eine Kommentar-Schlacht zwischen Rechten und Linken – das ist fast noch erschreckender als der Vorfall selbst.“

Ein Nutzer meinte irgendwann mitten in der aufgeheizten Diskussion: „Wenn ich so manche Kommentare lese, muss ich echt kotzen. Wir müssen eine Lösung finden, eine Gemeinschaft zu werden und nicht immer (so sagen das viele hier) sagen, das gesamte "Pack" abzuschieben. Es ist eine schwere Zeit, ja, jedoch müssen wir Bürger und die friedliebenden Flüchtlinge damit leben. Sollten solche Fälle auftreten: Helfen, helfen, helfen!“

Update 15.50 Uhr: Beim etwa 170. Kommentar hatte der Gruppen-Administrator von „Was in Selm passiert“ genug: Rolf Ohligschläger löschte den Beitrag des Ehemannes mit der kurzen Schilderung des Vorfalls - und damit auch alle Kommentare. Er schrieb dann selbst: „Bevor sich wieder gefragt wird, wo der Post (…) geblieben ist. Er wurde gelöscht. Wie wir schon häufiger mitgeteilt haben gibt es Grenzen in dieser Gruppe. Die sind zwar nicht immer aber leider sehr häufig in vielen Antworten überschritten worden. Ich bitte um Verständnis.“

*Aus Gründen des Opferschutzes nennen wir den Namen der Frau und ihres Ehemannes nicht. Sie sind unserer Redaktion aber bekannt.

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