Unwetter zum Trotz: Stadt Selm hat keine einzige Elementarversicherungen

hzKlimawandel in Selm

Der Starkregen im August hatte Hunderte Keller unter Wasser gesetzt. Bei der Schadensermittlung ist aufgefallen: Der Versicherungsschutz der städtischen Gebäude ist sehr lückenhaft.

Selm

, 19.09.2020, 19:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Extremwetter trifft Deutschland immer öfter. Stiftung Warentest und andere Verbraucherorganisationen raten daher seit einigen Jahren Hauseigentümern zum Abschluss von Elementarschadensversicherungen. Ein Ratschlag, der sich auch an Städte und Gemeinden richtet. Die Stadt Selm hat ihn nicht befolgt. Das könnte jetzt teuer werden.

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Ja, städtische Gebäude seien auch betroffen gewesen, als es am 9. August anfing zu regnen und nicht wieder aufhörte: ein Starkregenereignis in einer Intensität, die in der Region einzigartig war. Das räumten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung in der jüngsten Ratssitzung ein. Noch könnten sie nicht beziffern, wie teuer es genau werden wird. Etwas anderes aber schon: Die Elementarschadenversicherung wird nicht einspringen, denn die hat die Stadt überhaupt nicht abgeschlossen.

„Bei der Vielzahl an öffentlichen Gebäuden würde dies eine hohe Zahl an zusätzlichen Versicherungsbeiträgen bedeuten“, sagt Stadtsprecher Malte Woesmann. „Es wird jedoch aktuell erneut geprüft, für welches Gebäude eine solche Versicherung möglich und sinnvoll ist.“

GFV-Sprecherin: Städte sparen sich das gerne

Selm ist kein Einzelfall: Ein umfassender Versicherungsschutz gegen erweiterte Naturgefahren wie Starkregen, Hochwasser, Schneedruck oder Erdrutsch hätten erst vier von zehn Gebäuden hierzulande, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GFV) mitteilt. Dass manche Städte und Gemeinden gerne darauf verzichten, weiß Kathrin Jarosch, Sprecherin des Verbandes in Berlin. „Gerade bei Kommunen mit finanziellen Schwierigkeiten fällt das auf.“ Ein klassischer Fall für Sparen am falschen Ende.

Was sind Elementarschäden?

Sturmschäden, Hagelschäden und Schäden nach einem Blitzschlag sind über die Gebäudeversicherung und die Hausratversicherung abgesichert. Für Überschwemmung, Rückstau, Erdbeben oder auch Schneedruck ist dagegen meist die so genannte Elementarschadenversicherung erforderlich. „Sie wird in Kombination mit einer Gebäude- und Hausratversicherung oder durch Erweiterung dieser Verträge abgeschlossen“, wie Jarosch sagt. Kommunen würden dabei genauso wie alle anderen Kunden behandelt. „Entscheidend ist das zu versichernde Gebäude und nicht der Eigentümer.“

Ob ein Versicherer den Antrag auf Elementarschadenversicherung als zusätzlichem Versicherungsschutz zur Gebäude- oder Hausratversicherung annimmt oder nicht, entscheidet er nach dem Schadensverlauf der letzten Jahre, wie die Verbraucherzentrale mitteilt. Entscheidungshilfe lieferten ihm dabei die Gefährdungsklassen, die nach der statistischen Hochwasser-Häufigkeit gegliedert sind. Im „Naturgefahren-Check“ des GFV zeigt sich für Sem eine „hohe Gefahr durch Hochwasser für Gebäude“. Der teuerste Schaden durch Starkregen an einem Gebäude der Region - näher wird das nicht lokalisiert - lag danach bei 135.491 Euro.

Zweifachhalle ist vollgelaufen

So teuer war der Schaden an der Zweifachturnhalle zwar längst nicht. Aber am Campus waren Wassermassen in die in den Boden gebaute Halle gelaufen. Da hatte die Stadt Glück: Da die Zweifachhalle noch im Bau befindlich ist, hätte die Stadt Selm - selbst wenn sie es gewollt hätte - noch gar keine Wohngebäude- und Elementarschadenversicherungen abschließen können. „Während der Bauphase springt in solchen Fällen aber die Bauleistungsversicherung ein“, sagte Baudezernent Stefan Schwager.

Auf Staatshilfen kann bei Elementarschäden niemand ohne Weiteres hoffen - weder Kommunen noch Privatleute: Die Ministerpräsidenten der Länder verständigten sich 2017 darauf, Hilfsgelder grundsätzlich nur noch an jene auszuzahlen, die sich erfolglos um eine Versicherung bemüht haben oder denen ein Versicherungsangebot zu wirtschaftlich unzumutbaren Bedingungen angeboten wurde.

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