Freut sich auf Gäste auf seiner Insel: Borkums Bürgermeister Jürgen Akkermann, der lange in Cappenberg gewohnt hat. © Andreas Behr
Reisen trotz Pandemie

Urlaub auf Borkum? Inselbürgermeister bittet noch um ein wenig Geduld

Urlaub auf Borkum ist wieder möglich nach sechs Monaten Pause. Bürgermeister Akkermanns ehemalige Nachbarn aus Cappenberg dürfen aber noch nicht kommen. Andere Gäste aus NRW auch nicht.

Die ersten Touristen schlendern wieder über die Strandpromenade. Den Weg mit nackten Füßen durchs Meer wählen nur die Wenigsten. Es ist an diesem Freitag nicht einmal 10 Grad warm auf deutschlands größter und westlichster Insel, dafür windig und regnerisch. Das Hochseeklima zeigt sich von seiner rauen Seite. Menschen aus Niedersachsen kennen das. Und die sind zurzeit auf Borkum unter sich. Jürgen Akkermann, der Inselbürgermeister, ist alles andere als glücklich über die Einschränkung.

Akkermann: Fehlende Einigkeit der Küstenländer ist schade

„Es ist wirklich schade, dass es den drei Küstenländern nicht gelungen ist, sich auf eine einheitliche Regelung zu einigen“, sagt Akkermann, der vor seiner Wahl zum Bürgermeister als Ingenieur im Ruhrgebiet arbeitete und erst in Lünen, dann in Cappenberg wohnte, wo seine Familie immer noch zuhause ist.

Während sein Bundesland Niedersachsen es zunächst sehr langsam angehen lässt und nur Landsleuten erlaubt, auf den sieben Inseln Urlaub zu machen, geht es in Schleswig-Holstein bereits viel großzügiger zu. Aus dem ganzen Land dürfen Urlauber etwa nach Sylt und in andere einzelne Modellregionen fahren. Und ab dem 17. Mai, also pünktlich zu Pfingsten, öffnen auch im Rest des Landes die Beherbergungsbetriebe und die Gastronomie. Akkermann findet das „wettbewerbsverzerrend“.

Pfingsten auf Borkum? Das wird nichts für Menschen aus NRW

Wann seine ehemaligen Nachbarn und Arbeitskollegen aus dem Ruhrgebiet und dem Münsterland endlich wieder Urlaub auf Borkum machen können und alle anderen auch? Akkermann zuckt nur mit den Schultern. „In zwei Wochen vielleicht“, sagt er. „Oder in drei.“ Einen genauen Termin gebe es dafür noch nicht. Eines steht damit aber fest. „Zu Pfingsten wird das nichts werden. Leider“. Die Feiertage markierten bislang stets den Beginn der Hauptreisesaison an der Nordsee. Der schiebt sich für Borkum und die sechs anderen ostfriesischen Inseln jetzt etwas weiter nach hinten. Die Voraussetzungen für einen Urlaub dort werden laut Akkermann wohl die gleichen bleiben wie die für die Niedersachsen-Touristen jetzt schon.

Noch nicht vollständig Geimpfte oder genesene Gäste müssen bei Anreise und mindestens zweimal die Woche einen negativen Test nachweisen. Für Ferienwohnungen und Ferienhäuser gilt eine eintägige Wiederbelegungssperre, um die Ab- und Anreisen zu entzerren, und Hotels, Pensionen, Jugendherbergen und Campingplätze dürfen nur bis zu 60 Prozent belegt werden: alles Maßnahmen, die einer Ansteckung vorbeugen sollen. Die 60-Prozent-Regel hat laut Akkermann aber auch eine Kehrseite.

Sechs Monate lag der Tourismus komplett brach

Für manche Beherbergungsbetriebe sei es offenbar nicht attraktiv, bei dieser Quote zu öffnen. Sie blieben lieber komplett geschlossen, da sonst die Kosten höher als die Einnahmen seien. Auch Restaurants und Kneipen hätten noch nicht komplett hochgefahren. Die seien noch damit beschäftigt, ihre Lager aufzufüllen. Akkermann geht aber davon aus, dass sich das alles im Juni ändern wird. Wann genau, da will er lieber keine Prognosen geben. Auf jeden Fall: bald.

Borkum ist seit dem 10. Mai wieder für Touristen geöffnet – aber nur für niedersächsische Landeskinder. © dpa © dpa

„Das wird auch höchste Zeit“, sagt er. Nach sechs Monaten, in denen es gar keinen Tourismus gab, seien bei vielen die finanziellen Reserven aufgezehrt. An anderer Stelle wird dagegen auf der Insel kräftig Gas gegeben: beim Testen. Ein großes Testzentrum ist in Betrieb. Außerdem würden Mitarbeiter der örtlichen Betriebe geschult, um den Gästen vor Ort Tests anbieten zu können. Darauf allein können diese sich aber nicht verlassen.

Unbedingt nötig: gültiger Test bei der Ankunft

Wer Urlaub machen will, muss belegen können, vollständig geimpft oder genesen zu sein oder braucht einen negativen Corona-Test, der nicht älter ist als 24 Stunden. Das sei zwingend notwendig, sagt Akkermann. Denn sonst komme der Mietvertrag über das Gästezimmer oder die Ferienwohnung nicht zustande oder müsse aufgehoben werden. „Und wenn dann die letzte Fähre schon weg ist, steht man da.“ Da könnte Akkermann selbst für gute Bekannte aus Cappenberg nichts tun.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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