Verbot von Osterfeuern - späte Absage sorgt in Selm für Ärger

hzCorona-Krise

Der Rauch von Osterfeuern ist in diesem Jahr nirgendwo im Land zu riechen. Die Landesregierung hat das Abbrennen verboten - und damit in Selm für dicke Luft gesorgt. Und für einen Vorstoß.

Selm

, 12.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Berlin und in Schleswig-Holstein dürfen Osterfeuer brennen - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nordrhein-Westfalen hat das Anstecken der Holzhaufen dagegen kurz vorm Fest abgesagt - nachdem die Stadt Selm bereits eine Lösung gefunden hatte, die den Auflagen des Kontaktverbots gerecht geworden wäre, wie Bürgermeister Mario Löhr meint.

Alle, die ein Brauchtumsfeuer angemeldet hatten, erhielten eine Information, wie vorzugehen sei. Ostern darf niemand den Streichholz an die Reisige halten, aber danach. Zwei Tage hatte die Stadt zur Auswahl gestellt - und angekündigt, dass Mitarbeiter des Ordnungsamtes kontrollieren würden, ob sich alle an den Auflagen hielten: etwa, das nur zwei Personen den Flammen zuschauen dürften und dass das Abbrennen tagsüber erfolgen müsse.

Tradition auf dem 900 Jahre alten Hof Schulze Altcappenberg

Heinrich Schulze Altcappenberg ist einer von den rund 20 Selmerinnen und Selmern, die ein Feuer angemeldet hatten - und Bescheid von der Stadt bekommen hatten: die Genehmigung mit den besagten Einschränkungen. „Nachvollziehbar“, wie der ehemalige Leiter des Berliner Kupferstichkabinetts meint.

2017 war der Kunsthistoriker nach dem plötzlichen Tod seines Bruders Reinhold in den Vorruhestand gegangen, um sich um den rund 900 Jahre alten Hof an der Lünener Straße zu kümmern. Er setzte die Tradition fort, mit Freunden und Nachbarn in großer Runde zu Ostern das Feuer abbrennen zu lassen. Dass das in Zeiten der Corona-Krise zu unterlassen ist, sei selbstverständlich. Dass die Haufen aber gar nicht brennen dürfen, nicht.

Bürgerinnen und Bürger nicht auf den Kosten sitzen lassen

Auf dem Bio-Gut Altcappenberg gibt es Geräte und Manpower, um das Brenngut von A nach B zu bewegen. Andere besitzen so etwas aber nicht. „Ich denke nur mal an die Pfadfinder“, sagt Bürgermeister Mario Löhr.

Jahr für Jahr sammelten sie in Selm Weihnachtsbäume ein - gegen eine Spende. Wenn sie jetzt wieder alles entsorgen müssten, entstünden Koste, die die Spenden aufzehrten. „Das geht doch nicht.“ Für andere Vereine sei das ebenso eine Überforderung.

So sah es vor einem Jahr zu Ostern auf dem Hof Schulze Altcappenberg aus.

So sah es vor einem Jahr zu Ostern auf dem Hof Schulze Altcappenberg aus. © Günther Goldstein

Als das Land die Feuer kategorisch absagte, hatte Löhr entschieden, die ausgebremsten Veranstalter der Brauchtumsfeuer nicht auf den Kosten für die Anfuhr und Entsorgung sitze zu lassen. Das Selmer Unternehmen Plogmaker werde die Haufen nach Ostern einzusammeln. Und wer bekommt die Rechnung?

Etwa die Staatskanzlei in Düsseldorf, weil schließlich das Land für das Hin und Her verantwortlich ist, wie Schulze Altcappenberg meint? „Nein, das wird die Allgemeinheit in Selm zahlen müssen“, sagt Löhr. Schließlich hätte sich auch die Allgemeinheit - viele zumindest - an den Feuern erfreut.

Wie andere Städte das Problem lösen, weiß Löhr nicht. Das Osterfeuer-Verbot sei zwar Thema gewesen auf der Bürgermeisterrunde mit dem Landrat. Ein einheitliches Vorgehen zur Abfuhr der Haufen sei aber nicht besprochen worden. Fest steht: „Niemand von uns kann sich über den Erlass des Landes hinwegsetzen.“

In Olfen stellt sich das Problem nicht mehr

In Selms Nachbarstadt Olfen stellt sich das Problem indes gar nicht. Alle Osterfeuerhaufen seien bereits abgebrannt, sagte Löhrs Kollege Wilhelm Sendermann - nicht zu Ostern, sondern vorher. Und auch noch vor dem umstrittenen Erlass der Landesregierung,

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