Wald rund um die ehemalige Pestalozzischule Selm bleibt „zum überwiegenden Teil“ erhalten

hzWohnungsbau und Kita

Nur keine Sorge. Das ist die Botschaft von Stadtverwaltung und Planungsbüro. Allen geplanten Baumaßnahmen am Pädagogenweg zum Trotz: „Der überwiegende Teil wird Wald bleiben.“

Selm

, 17.01.2020, 13:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weder der Zechenbusch hinter der ehemaligen Pestalozzischule noch das Wäldchen davor würden angetastet. Das hatten Politik und Verwaltung versprochen, als es um die Bebauung des Grundstücks ging.

Wo die inzwischen abgerissene Förderschule stand, werden drei Mehrfamilienhäuser mit zusammen 15 bis 18 Wohnungen entstehen und eine Vier-Gruppen-Kita. Um diese Bauvorhaben umzusetzen, seien allerdings doch „kleinflächige Eingriffe in den Waldbestand“ nötig, ist im vorläufigen Umweltbericht zu lesen.

Trockenstress hat Buchen zugesetzt

Wie sich beides miteinander verbinden lässt - der unbedingte Schutz des Waldes und die Eingriffe in ihn - , versuchten Vertreter der Stadtverwaltung und des vom Investor beauftragten Planungsbüros während einer gemeinsamen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses und des Umweltausschusses zu erläutern. Der Trockenstress, unter dem insbesondere Buchen im vergangenen Sommer litten, half ihnen in der Argumentation.

Jetzt lesen

20 Bäume zwischen Pädagogenweg und Buchenwaldstraße - also im Bereich des sogenannten Wäldchens - seien wegen der starken Trockenheit stark geschädigt, sagte Okay Günaydin von der Stadtverwaltung. Das Forstamt habe bestätigt, dass sie gefällt werden müssten.

Bäume gibt es auch auf der neuen Grünfläche

Der Wald werde an dieser Stelle zur öffentlichen Grünfläche, sagte Mario del Vecchio vom Essener Planungsbüro Stadt und Haus. „Das bedeutet aber nicht, dass da keine Bäume stehen werden.“ Die Eichen, die der Trockenheit besser widerstanden habe, werden laut Umweltbericht Teil dieser Grünfläche sein.

Dass Buchen vertrockneten, sei überall im vergangenen Sommer zu beklagen gewesen, sagte del Vecchio. Für ihn und seine Planerkollegen hatte die allseits bedauerte Trockenheit aber auch einen Vorteil.

Der geforderte Mindestabstand der Bebauung zum Wald von mehr als 20 Metern lässt sich jetzt darstellen. Und: Das Anlegen von Parkbuchten und Entwässerungsmulden vor den drei Wohnhäusern wird möglich.

Was ist ein neuer Waldrand?

„Das Regenwasser darf von der Straße nicht in den Wald eingeleitet werden“, erklärte Günaydin. Es fließe also in die Mulden und von dort zeitversetzt in die Kanalisation. Auf der anderen Seite der Mehrfamilienhäuser, also zum Zechenbusch hin, sei eine Versickerung des Regenwassers dagegen durchaus möglich. Dafür gibt es ebenfalls planerische Vorgaben: Sogenannte Übergangszonen seien auf den privaten Flächen zu schaffen - ein neuer Waldrand.

„Einen Waldrand gibt es doch schon, warum muss er jetzt entwickelt werden?“, fragte Bernd Nottbeck, einer der Bürgerinnen und Bürger im Zuschauerraum. Damit auch sie sich zur Wort melden durften, hatte Jochen Westermann, der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, die Sitzung unterbrochen.

Wieder gab es Entwarnung von den Planern: „Wir setzen Gehölze vor den bestehenden Waldrand“, so del Vecchio. „Die bestehende Waldfläche wird so auf dem privaten Bereich erweitert und nicht auf dem öffentlichen Bereich verkleinert“, machte auch Jochen Westermann noch einmal klar - zum Schutz des Waldes.

Jetzt lesen

Unterm Strich werden laut dem Mitarbeiter des Planungsbüros aus Essen 60 Bäume zweiter Ordnung - also keine hochwüchsigen Sorten wie Eiche und Buche, sondern mittelwüchsige wie Wildapfel und Wildkirsche - sowie 200 Sträucher (unter anderem Haselnuss und Holunder) gepflanzt.

Der Umwidmung des Baugrundstücks von einem Schulgelände (Fläche für Gemeindebedarf) in eine Wohnbaufläche stimmten dennoch nicht alle zu. Die Grünen waren dagegen. Und die UWG enthielt sich, weil das Regenwassermanagement noch zu überdenken sei, so Hubert Seier. Und weil der Einsatz umweltfreundlicher Energie noch nicht thematisiert sei.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt