Welche Ideen haben Selms Bürgermeisterkandidaten zum Städtebau?

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Neue Besen sollen bekanntlich gut kehren. Gilt das auch für die neue Bürgermeisterin oder den neuen Bürgermeister Selms nach der Kommunalwahl am 13. September? Zum Beispiel beim Städtebau?

Selm

, 16.08.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Städtebaulich ist in Selm einiges geschehen. Wird nach der Bürgermeisterwahl alles anders? Wie sieht die Lösungssuche für bestehende Konflikte aus? Wir haben ein paar Thesen aufgestellt, mit denen wir die Bürgermeisterkandidaten während der Podiumsdiskussion dieser Redaktion am Mittwoch, 12. August, konfrontiert haben.

„Weg mit den Häusern am Borker Kirchring.“ Die Reaktion von Thomas Orlowski (SPD) auf diese These: „Wir haben ja ein Ortsentwicklungskonzept erarbeitet und beschlossen. In diesem Konzept gibt es viele Maßnahmen. Und eine Maßnahme ist unter anderem der Kirchring. Da ist es wichtig, dass wir darüber nachdenken, ob es dort eine Entwicklung geben kann. Da kann ich mir sehr gut vorstellen, dass der Kirchring wegkommt. Dass man dort Gastronomie hat, dass man eine Platz mit Blick auf die Kirche hat. Das würde ich im Rahmen der Entwicklung in Bork begrüßen.“

Michael Zolda (CDU) reagiert auf die These „Der Autoverkehr muss aus dem Dorf verschwinden“ so: „Ich halte die These für falsch.“ Hier müsse es ein Miteinander im Verkehr von Fahrradfahrern und Autofahrern geben. „Wir müssen sicherlich überlegen, inwieweit wir den LKW-Verkehr ein Stückchen aus dem Dorf raus bekommen.“ Das habe auch etwas mit Navigation zu tun und den entsprechenden Vorgaben, die in den Leitsystemen enthalten seien.

Die Diskussion um die Nutzung des Kirchrings in Bork wird weitergehen.

Die Diskussion um die Nutzung des Kirchrings in Bork wird weitergehen. © Sylvia vom Hofe (Archiv)

„Wer in Selm neu baut, muss höchste ökologische Standards einhalten.“ Das ist die These, zu der Marion Küpper (Bündnis 90/Die Grünen) Stellung nehmen konnte. Was sie auch tat: „Das wäre wünschenswert. Wir merken, wie heiß es ist, und wie niedrig die Niederschlagsmenge letztens war. Und damit müssen wir in Zukunft umgehen.“ Es müssten Baustoffe verwendet werden, die sich recyclen lassen. Oft könne aber auch eine gute Steuerungstechnik hinter einem Haus stecken kann. „Damit spart man viel Energie.“ Zudem gebe es Fassaden und Dächer, die begrünt werden können. Das bedeute nicht, dass man damit Qualität beim Wohnen verliere.

Für Robin Zimmermann (FDP) hatten wir folgende These parat: „Straßen müssen zugunsten von Busspuren und Radwegen im gesamten Stadtgebiet zurück weichen.“ Zimmermanns Reaktion: „Definitiv nicht. Nicht jeder kann sich ein Auto leisten und man muss auf den Bus umsteigen. Nicht jeder wird im Winter bei minus zehn Grad und Schnee Fahrrad fahren. Wir müssen alle gleichberechtigt sehen. Jeder, der mit dem Rad fahren möchte, soll sehr gute Radwege haben. Jemand, der mit dem Bus fahren soll, soll eine gute Bus-Infrastruktur und eine gute Taktung haben. Und jeder, der mit dem Auto fährt, sollte auch nicht immer vor anderen zurück weichen müssen.“

Ralf Piekenbrock (Familienpartei) positionierte sich zu der These „Neue Baugebiete nur auf neuen Flächen“: „Wir haben ja schon vor längerer Zeit gesagt, dass wir zunächst einmal ein sogenanntes Leerstandskataster brauchen. Wir müssen erstmal den Wohnraum nutzen, den wir haben.“ Es müsse, wenn auf neuen Flächen, dann unter bestimmten Aspekten gebaut werden. Das ist für ihn nicht nur die Klima- und Umweltverträglichkeit, sondern auch - und das sei auch gesetzlich verankert -, dass kindgerecht gebaut werde. Das gehe ins Detail bis zu dem Punkt, wie weit der nächste Kinderspielplatz zu Fuß zu erreichen.

Die These, die wir für Wilhelm Gryczan-Wiese (parteilos) vorbereitet hatten, lautet: „Für bezahlbaren Wohnraum müssen auch mal historische Bauten verschwinden.“ Altbauten haben, so Gryczan-Wiese, geringe durchschnittliche Mietpreise. „Wenn wir überlegen, dass wir heute Neubaumieten von 8 bis 10 Euro haben, liegen wir bei einem normalen frei finanzierten Bau in der Regel bei historischen Bauten zwischen fünf und sechs Euro. Das ist ungefähr so, wie der geförderte Wohnungsbau ist.“ Man müsse sich dann auch überlegen, wie stadtprägend und wie wichtig Gebäude für die Bevölkerung sind.

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