Die Beeren einer Eibenhecke sind nicht nur für Kinder giftig. Im Ernstfall können Eltern beim Giftnotruf Hilfe bekommen. © picture alliance / dpa

Wenn das Kind giftige Substanzen verschluckt hat: Hier gibt es Hilfe

Wenn Kinder unbekannte Sachen im Mund haben, geht der Puls der Eltern nach oben. Im Ernstfall ist schnelle Hilfe vonnöten. Zwei Familien schildern ihre Erfahrungen mit dem Giftnotruf.

Die wenigsten Eltern schaffen es, ihre Kinder rund um die Uhr zu beaufsichtigen. Das ist schlichtweg nicht möglich – und für die Entwicklung des Kindes vielleicht auch ganz gut, wenn es nicht ständig unter Beobachtung steht. Allerdings führt dieser Umstand mitunter dazu, dass Kinder Dinge tun, die sie eigentlich nicht tun sollten.

Einen solchen Moment hat Sabine Schneider erlebt: Sie kam eines Tages in die Küche, als ihre damals knapp eineinhalb Jahre alte Tochter genüsslich auf einem Kühlpad aus dem Gefrierfach herumkaute. Schnell nahm ihr die Mutter das mit blauer Flüssigkeit gefüllte Plastiksäckchen ab. Zu spät: „Sie hatte bereits ein kleines Loch reingebissen.“

Die Wahrscheinlichkeit war also hoch, dass die Kleine auch etwas von der Flüssigkeit verschluckt hatte. Sabine Scheider erinnerte sich jedoch daran, dass es für solche Notfälle schnelle Hilfe gibt – nämlich den sogenannten Giftnotruf. Da sie eine Übersicht der wichtigsten Rufnummern ohnehin stets parat hat, dauerte es nicht lange, bis sie einen kompetenten Gesprächspartner hatte. „Ich habe ihm die Situation geschildert und ihm Infos über das Kühlpad gegeben.“ Die Erlösung kam umgehend: Die Flüssigkeit ist nicht giftig, schon gar nicht in einer geringen Menge. Allerdings hat Sabine Schneider im Nachgang trotzdem dafür gesorgt, dass die Pads außer Reichweite ihres neugierigen Nachwuchses bleiben.

Gefahr durch Bitterstoffe

Etwas mehr Stress mit dem Giftnoruf erlebte Mark Gorke, dessen drei Jahre alte Tochter eine Kaki gegessen hatte. „Die war schon sehr bitter gewesen, und da manche Bitterstoffe, wie beispielsweise beim Kürbis, für Kinder sehr gefährlich werden können, hatten wir die Giftnotrufnummer in Bonn angerufen.“ Dort teilte man dem besorgten Vater mit, dass er seine Tochter umgehend ins Krankenhaus bringen solle. „Wir sollten vorher auch dort anrufen, damit eine Mischung aus Kohletabletten vorbereitet werden kann.“

Das Zeitfenster habe etwa eine Stunde betragen, ansonsten hätte es für die Kleine richtig gefährlich werden können. Doch im Krankenhaus weigerte sich das Mädchen beharrlich, das Brechmittel zu trinken. „Zum Glück, wie sich dann herausstellte“, sagt Mark Gorke. Denn die Stationsärztin sei sich nicht sicher gewesen, ob die Bitterstoffe einer Kaki wirklich gefährlich sind. „Sie hat dann beim Giftnotruf in Berlin angerufen, und dort wurde ihr bestätigt, dass keine Gefahr besteht.“

Auch wenn in einem Fall falsche Angaben vom Giftnotruf kamen, würde Mark Gorke im Ernstfall wieder eine der Rufnummern wählen, die bundesweit Eltern – und auch allen anderen – mit Rat zur Seite stehen. In Deutschland sind acht Giftnotrufzentralen registriert. Neben Berlin und Bonn gehören dazu noch Erfurt, Freiburg, Göttingen, Homburg/Saar, Mainz und München.

Fünf wichtige Fragen

Dabei ist es egal, aus welcher Region in Deutschland man anruft, jede Zentrale ist in der Lage, dem Anrufer zu helfen, sofern dieser Angaben zum Sachverhalt machen kann. Dabei sind die fünf W-Fragen wichtig:

  • Wer? Angaben zu Altern, Geschlecht und ungefähres Körpergewicht sind hilfreich, um die Situation einzuschätzen.
  • Was? Möglichst genau sollte angegeben werden, mit welcher Substanz oder welchem Mittel man es zu tun hat.
  • Wann? Der Zeitpunkt der Einnahme lässt im Zweifel Rückschlüsse auf die Dringlichkeit der Behandlung zu.
  • Wie? Oft wurde die Substanz oder das Mittel verschluckt, aber manchmal ist es auch in Auge gekommen oder es gab Kontakt mit der Haut.
  • Wie viel? Gerade bei Tabletten oder Tropfen kommt es oft auf die Menge an.

Darüber hinaus ist es hilfreich zu wissen, ob das Kind bestimmte Symptome hat und ob bereits Maßnahmen ergriffen worden sind. Weitere nützliche Tipps gibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Internet-Seite.

Giftnotrufe in Deutschland

Eine Übersicht der Giftnotruf-Zentralen:

  • Berlin: (030) 19 24 0
  • Bonn: (0228) 19 24 0
  • Erfurt: (0361) 73 07 30
  • Freiburg: (0761) 19 24 0
  • Göttingen: (0551) 19 24 0
  • Homburg/Saar: (06841) 19 240
  • Mainz: (06131) 19 240
  • München: (089) 19 24 0
Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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