Wieviel Trinkgeld geben die Selmer - und kommt das Geld bei den Kellnern an?

hzTrinkgeld-Debatte

Die Gaststättengewerkschaft NGG warnt: Trinkgeld-Trickserei sei im Kreis Unna keine Seltenheit. Und in Selm? Kommt das Geld beim Service-Personal an und wieviel Trinkgeld geben die Selmer?

Selm

, 17.08.2019, 11:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das Trinkgeld gehört Kellnern und Köchen - nicht aber dem Chef“, schreibt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in einer Pressemitteilung und kritisiert, dass bei den 5.390 Menschen, die im Kreis Unna im Gastgewerbe arbeiten, oft nur wenig oder nichts von dem Trinkgeld im Portemonnaie ankomme.

„Gerade in kleinen Betrieben kommt es immer wieder vor, dass der Chef die Trinkgeldkasse selbst verwaltet oder einen Teil des sogenannten Tip sogar vom Personal zurückfordert“, sagt Manfred Sträter, Geschäftsführer der NGG in Dortmund.

Servicepersonal teilt Trinkgeld selber aus

„Bei uns ist das einfach geregelt“, sagt Stefan Suer, Inhaber der Altstadt-Gaststätte Suer: „Wir Chefs bekommen davon gar nichts.“ Bei ihm verwalte das Service-Personal das Trinkgeld und teile es hinterher auf. Das heißt, er selbst wisse gar nicht, wieviel Trinkgeld insgesamt gegeben wurde. „Wir händeln das so, wie wir der Meinung sind, dass es sich gehören würde“, sagt Suer.

Einen ganz groben Überblick darüber, ob viel oder wenig Trinkgeld geflossen ist, hat der Wirt dennoch, denn: „das Trinkgeld ist für uns auch ein Barometer wie gut der Service ist“, sagt Suer.

Keine Trinkgeld-Vorgabe

Im Gegensatz zu Ländern wie den USA oder Italien ist das Trinkgeld in Deutschland nicht dazugedacht, den Lohn zu ersetzen. Der Obolus komme „on top“ zum Einkommen, erklärt die NGG. Eine Vorgabe, wieviel Trinkgeld man zahlen sollte, gibt es daher nicht. Allerdings: „Wer mit der Küche und dem Service zufrieden ist, darf sich mit einem Trinkgeld gerne bedanken“, sagt Manfred Sträter von der NGG. Mit zehn Prozent Trinkgeld mache man nichts falsch.

10 Prozent war auch die Zahl, die wir bei einer nicht repräsentativen Umfrage auf Facebook am meisten als Antwort darauf erhielten, wieviel Trinkgeld die Selmer geben. „Wenn ich zufrieden war dann geb ich auch 10 Prozent Trinkgeld“, schreibt eine Leserin.

Sie gebe nicht immer Trinkgeld, kommentiert eine andere. Aber, „wenn ich zufrieden war mit dem Kellner, dann gebe ich auch Trinkgeld. Genauso wie beim Friseur.“ Dann runde sie auf oder gebe extra Geld, schreibt sie.

Selmer sind großzügig

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Deutschen Presseagentur von diesem Jahr gaben 75 Prozent der Befragten an, dass sie zwischen fünf und zehn Prozent Trinkgeld geben. Vier Prozent gaben mehr, 13 Prozent weniger und nur drei Prozenten sagten, dass sie generell kein Trinkgeld geben.

Wenn alles stimme und die Gäste zufrieden sind, dann geben sie auch Trinkgeld, sagt Stefan Suer. „Die Selmer würde ich als großzügig beschreiben. Die geben gerne, wenn alles stimmt.“

Nicht immer ist die Service-Qualität entscheidend

Studenten der Universität Frankfurt haben übrigens in einem Forschungsseminar herausgefunden, für das sie rund 40 Kellner und Gäste befragten, dass die Qualität nicht der wichtigste Faktor bei der Frage nach der Höhe des Trinkgeldes ist. Viel wichtiger sei die Frage, mit wem man unterwegs ist. Wenn der Chef zum Beispiel weniger Trinkgeld gebe als seine Mitarbeiter, komme das schlecht an. Und beim ersten Date fließe meistens auch besonders viel Trinkgeld.
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