Will Selm eine eigenständige Pestalozzischule?

Neuordnung des Kreises

Der Kreis Unna will die Förderschullandschaft neu ordnen. Das bedeutet, dass die Stadt die Trägerschaft der Pestalozzischule an den Kreis abgeben würde. Die Schule würde als Teilstandort eines Förderzentrums Nord in Lünen weiterlaufen. Am Montag diskutierte der Schulausschuss über dieses Konzept.

Selm

, 31.08.2015, 23:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Zehntkässler haben gerade ein Berufspraktikum hinter sich und arbeiten ihre Erfahrungen in einer Projektwoche auf. Praktika und Berufsorientierung spielen eine große Rolle an der Pestalozzischule.

Die Zehntkässler haben gerade ein Berufspraktikum hinter sich und arbeiten ihre Erfahrungen in einer Projektwoche auf. Praktika und Berufsorientierung spielen eine große Rolle an der Pestalozzischule.

Zu entscheiden gab es nichts, es ging um die Information und die Diskussion. Will die Politik in Selm eine eigenständige Pestalozzischule? „Die Signale müssen heute kommen“, sagte Maria Lipke (UWG).

Herbert Krusel (CDU) stellte das Gutachten von der TU Dortmund infrage, das dem Konzept des Kreises Unna zugrunde liegt. Es geht von sinkenden Schülerzahlen aus und legt daher nahe, Schulverbünde zu bilden.

Viele Unwegbarkeiten

„Ich halte ein Gutachten, das nur eine Alternative vorhält, für Schwachsinn“, machte Krusel deutlich. Es sei außerdem nicht vorauszusehen, welche Anmelde-Entscheidungen die Eltern auch in umliegenden Städten treffen würden, wenn die Pestalozzischule an den Standort der Erich-Kästner-Schule in Bork verlegt würde.

Es gebe zu viele Unwägbarkeiten in den Prognosen der Schülerzahlen, sagte auch Peter Bredohl (UWG), als sachkundiger Bürger im Ausschuss. Er sehe nicht die Not, zu zerschlagen, was so gut läuft, sagte Hubert Schaeper (CDU).

Es geben aber nun einmal eine gesetzliche Mindestgrößenverordnung, entgegnete Thomas Orlowski für die SPD. Nach den Prognosen und Zahlen – in diesem Jahr wurde nur ein Schüler für die Primarstufe der Pestalozzischule angemeldet – könne die Schule nur zwei Jahre lang eigenständig bleiben. Der Elternwille habe gezeigt, dass sie ihre Kinder lieber an Regelschulen anmelden, so Orlowski.

Lieber solle mehr Geld in die Inklusion fließen. Den Teilstandort sehe er als „sichere Lösung“ für einen Erhalt der Pestalozzischule, argumentierte der sachkundige Bürger Gerhard Strunk (SPD). Die Schülerzahlen seien eindeutig, der Trend gehe zum gemeinsamen Lernen in der Inklusion. „Lassen Sie uns doch den sicheren Weg gehen.“

Ähnlich sah das Udo Holz (SPD). Jetzt habe man die Möglichkeit, für zehn Jahre mitzugestalten. Der Kreis bringe mit seinem Konzept sonst den Standort Lünen auf Vordermann. Wenn Selm erst in zwei Jahren entschiede, die Trägerschaft abzugeben, könnte der Standort dann zu kurz kommen.

Streit um UWG-Antrag

Um einen Antrag von Maria Lipke entbrannte danach Streit. Lipke beantragte, der Schulausschuss solle die Verwaltung beauftragen zu prüfen, die Pestalozzischule so lange wie möglich als selbstständige Schule zu erhalten. Der Antrag müsse schriftlich eingehen, sonst könne die SPD sich nicht dazu beraten, sagte Udo Holz. Es folgte ein Streit um den Sitzungsvorsitz von Hubert Seier (UWG), beantragte Unterbrechungen, Versuche Holz das Wort zu entziehen und um die Geschäftsordnung des Rates, die solche Formalien regelt. Schließlich musste die Beigeordnete Sylvia Engemann ermahnen: „Sie sind doch alle erwachsene Menschen.“

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Der Antrag wurde schließlich bei neun Ja-Stimmen und drei Enthaltungen einstimmig angenommen, auch wenn nicht alle Ausschussmitglieder ihre Hände bei der Abfrage gehoben hatten. Nun werden sich die folgenden Ausschüsse im November weiter mit dem Thema beschäftigen (siehe Text unten rechts).

Danach sollte der Schulausschuss sein Votum für oder gegen dem Umzug der Pestalozzischule nach Bork in die Räume der Erich-Kästner-Schule festlegen. Diese Entscheidung wurde auf dem Schulausschuss im November vertagt, wenn auch über das Kreiskonzept entschieden werden soll. Eine Tendenz wurde allerdings fraktionsübergreifend deutlich. Der Umzug selbst ist unstrittig. Der bislang angedachten Zeitpunkt zum August 2016 allerdings schon.  

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