Wo gibt es Ostergeschenke zu kaufen - und was ist das richtige Maß?

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Wegen der Corona-Krise haben die meisten Geschäfte in Selm derzeit geschlossen. Wo also Ostergeschenke kaufen? Und was ist überhaupt das richtige Maß an Geschenken für Kinder?

Selm

, 11.04.2020, 08:23 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ostersonntag steht vor der Tür. Für die Christen ist der Tag der wichtigste Feiertag im Kalender. Für viele Kinder rücken an diesem Tag allerdings andere Dinge in den Vordergrund: Geschenke. Diese könnten in diesem Jahr angesichts der Schließung der meisten Läden jedoch nicht allzu üppig verteilt werden.

Herbert Reuter vom Geschäft Knümann in Selm sagt, er habe in diesem Jahr weniger Spielsachen verkauft - auch weil sein Geschäft wegen der Corona-Krise seit einigen Wochen geschlossen bleiben muss. Für gewöhnlich läuft das Geschäft gerade zu Weihnachten und Ostern „besonders gut“, sagt Reuter. Aber: „Ich glaube nicht, dass die Menschen in diesem Jahr viel Geld für Ostergeschenke ausgeben werden oder ausgegeben haben. Vielleicht machen sie das nachträglich, wenn die Läden bald wieder aufhaben.“

Lieferservice von Knümann wird in diesem Jahr gut genutzt

Es ist aber nicht so, dass Reuter gar keine Spielsachen vor der Osterzeit verkauft hat. „Wir haben ja seit Ewigkeiten schon einen Lieferservice. In diesem Jahr haben wir mehr ausgeliefert als sonst. Beliebt sind so wie jedes Jahr Artikel von Lego und Playmobil“, sagt Reuter.

Einen Lieferservice gibt es auch im Spielwarenladen von Elisabeth Sandmann Spielen & Träumen. Nur hat Sandmann diesen erst vor drei Wochen eingeführt. „Wir sind sehr dankbar, dass unsere Kunden den Lieferservice so gut angenommen haben“, sagt sie. Ob sie diesen Service weiterführen wird, sobald sie ihren Laden wieder regulär öffnen kann - das weiß sie noch nicht. „Das überlegen wir noch, aber in irgendeiner Form wird es so einen Service sicherlich weitergeben.“

Weniger Spielsachen verkauft - trotz Lieferservice

Für Ostergeschenke seien in diesem Jahr laut Sandmann Gesellschaftsspiele, Bastel- und Malsachen sowie Geschenke-Tüten, in denen Spielsachen im Wert zwischen 20 und 30 Euro verpackt sind, sehr beliebt. Den Inhalt der Tüten kann man sich auf der Facebook-Seite des Geschäfts ansehen. Nach Terminabsprache ist es bei Spielen & Träumen auch möglich, Spielsachen vor Ort abzuholen.

Allerdings sagt Sandmann auch, dass in diesem Jahr zu Ostern trotz ihres Services bei weitem nicht so viele Geschenke gekauft worden sind, wie gewöhnlich.

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Dass Eltern innerhalb der letzten Jahre oder Jahrzehnte mehr Geld für Ostergeschenke ausgeben, habe sie darüber hinaus auch nicht gemerkt: „Wir haben den Laden inzwischen 22 Jahre. Dass Eltern heutzutage mehr ausgeben, kann ich nicht bestätigen - und in diesem Jahr schon sowieso nicht.“

Christian Kokesch: „Ostern ist schon zu einem zweiten Weihnachten geworden“

Das sieht Christian Kokesch von der Marktbücherei in Selm anders. „Ostergeschenke haben mit Sicherheit zugenommen“, sagt er. Wenngleich er einräumt, dass sich das Niveau in den vergangenen vier bis fünf Jahren nicht groß verändert hat. Dennoch: „Ostern ist, was Geschenke angeht, schon zu einem zweiten Weihnachten geworden. Nicht ganz so krass natürlich, aber wir merken schon, dass die Verkäufe gerade zu Ostern enorm steigen.“

Auch Kokesch hat in seiner zurzeit geschlossenen Buchhandlung einen Lieferservice eingeführt, der von den Kunden bislang sehr gut angenommen wurde. „Bisher ist der Lieferservice wirklich sehr gut genutzt worden. Viele Stammkunden, die momentan zu Hause bleiben müssen, haben sich wahnsinnig gefreut, als ich mit dem Fahrrad vorbeigekommen bin und eine kontaktlose Bücher-Übergabe gemacht habe“, sagt Kokesch mit einem Lachen.

Ostergeschenke verteilen? Für Martina Rupprecht „Geschmackssache“

Aber ist Ostern generell im Laufe der Zeit immer kommerzieller geworden, also quasi zu einem Weihnachten 2.0? Diese Frage hat die Redaktion der Psychologin Martina Rupprecht von der Caritas-Elternberatungsstelle für Lünen, Selm und Werne gestellt.

„Es ist tatsächlich so, dass zu vielen Gelegenheiten inzwischen große Geschenke gemacht werden - auch zu Ostern. Das ist letztendlich Geschmackssache. Wie sinnvoll das im Einzelfall ist, kann aber nicht pauschal beantwortet werden“, sagt sie.

Worauf Eltern bei der Geschenke-Auswahl auf jeden Fall achten sollten, sei, dass die Geschenke dem Alter des Kindes angepasst sind. „Ein 13-Jähriger kann Geschenke ganz anders einordnen als ein Dreijähriger. Auch dafür gibt es keine Regel. Aber man tut einem Kleinkind sicherlich keinen Gefallen damit, es mit Geschenken zu überhäufen“, so Rupprecht.

„Es macht langfristig nichts, weniger zu haben“

Und wenn es keine Geschenke für manche Kinder gibt? „Das kommt ja auch vor“, sagt Rupprecht. Wenn Kinder dann traurig sein sollten, können Eltern ihre Haltung den Kindern erklären. Rupprecht: „Da sind Eltern in der Regel nicht sprachlos. Wenn Eltern zum Beispiel nicht viel Geld haben, dann ist das eine Sache, die sie dem Kind ja auch mitteilen können. Das ist vielleicht in dem Moment blöd, aber langfristig macht es nichts, weniger zu haben, als andere.“ Wenn die Beziehung zwischen Eltern und Kindern stimme, man zusammen viel unternehme, seien Geschenke auch nicht mehr so wichtig, so Rupprecht.

Von Geldgeschenken sollten laut der Psychologin Eltern oder Großeltern gerade bei Kleinkindern absehen. „Geld ist für Kleinkinder völlig bedeutungslos. Man sollte solche Geschenke erst machen, wenn die Kinder in einem Alter sind, in dem sie vielleicht auf etwas Größeres sparen.“

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