Von der alten Förderschule ist nichts mehr zu sehen. Von der neuen Kita und den drei Mehrfamilienhäuser noch nichts. Vor Baubeginn wird erst einmal etwas zu hören sein: Motorsägenlärm.

Selm

, 06.01.2020, 15:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Da stehen wir im Wort“, hatte Bürgermeister Mario Löhr im Februar 2019 gesagt: „Der Waldbestand bleibt erhalten“. Weder die Bäume im Zechenbusch noch die in dem Wäldchen zur Buchenwaldstraße würden angetastet für die geplante Bebauung auf dem Gelände der ehemaligen Pestalozzischule.

An diesem Ziel werde festgehalten, ist im jetzt veröffentlichten Entwurf des Umweltberichts zum Bebauungsplan Pädagogenweg nachzulesen. Aber noch etwas anderes.

„Kleinflächige Eingriffe“ in den Waldbestand

„Trotz dieser Zielsetzung sind mit der Umsetzung des Bebauungsplanes kleinflächige Eingriffe in den Waldbestand verbunden“, steht auf Seite sieben des Entwurfs des von der öKon GmbH aus Münster für die Stadt Selm bearbeiteten Umweltberichts. Dies betreffe „insbesondere die Beseitigung von Waldflächen im Nahbereich der geplanten Bebauung, um einen angemessenen Waldabstand einhalten zu können.“

Ende November - also etwa drei Wochen, bevor der Entwurf des Umweltberichts vorlag - hatte die Stadtverwaltung bereits vorsorglich gewarnt, dass im Winter 2019/20 Motorsägen aufjaulen werden im Bereich der ehemaligen Pestalozzischule - in zwei unterschiedlichen Bereichen: Die Fällungen hätten aber nichts mit dem geplanten Bau des neuen Kindergartens und der drei Mehrfamilienhäuser zu tun, betonte Baudezernent Stephan Schwager in der damaligen Ratssitzung.

Hitzestress hat Buchen dahingerafft

Schuld sei der Hitzestress, den die Bäume im zurückliegenden Sommer erlitten haben: „Nach Mitteilung des Regionalforstamtes ist ein Großteil der Buchen abgängig. Sie müssen leider gefällt werden“, sagte Schwager. Eine Neubepflanzung sei aber vorgesehen.

Betroffen ist der Bereich des Wäldchens zwischen Buchenwaldstraße und ehemaliger Schule: das Gelände, das die Stadt in einem allerersten Entwurf im Frühjahr 2017 neuer Wohnbebauung opfern wollte: „Ein Fehler“, wie der Bürgermeister damals einräumte, nachdem sich bei Anwohnern und Naturfreunden eine Welle der Empörung erhoben hatte.

In dem verworfenen ersten Plan sollten neben der Vier-Gruppen-Kita bis zu zwölf Einfamilienhäuser entstehen. Daraus sind inzwischen drei Mehrfamilienhäuser geworden mit jeweils fünf bis acht Wohneinheiten: weniger Grundflächenverbrauch, mehr Wohnraum - aber auch mehr Höhe. Drei Vollgeschosse sind vorgesehen. Das bedeutet, dass die neuen Häuser die ehemalige, zweigeschossige Schule überragen werden.

Aus Wald wird öffentliche Grünfläche

Zwischen den neuen Mehrfamilienhäusern mit Miet- und Eigentumswohnungen und der Buchenwaldstraße soll weiter das Wäldchen liegen - allerdings mit einer Einschränkung. „Die Waldeigenschaft“ solle im östlichen Teilbereich entfallen, heißt es im Umweltbericht-Entwurf. Schließlich entfallen auch die vertrockneten Buchen. Von einer Aufforstung ist nicht die Rede. Künftig soll von einer öffentlichen Grünfläche an dieser Stelle die Rede sein.

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„Die wenigen vorhandenen Eichen sollen in diesem Bereich in eine öffentliche Grünfläche einbezogen und erhalten werden.“ Das hat auch einen planerischen Vorteil: „Diese öffentliche Grünfläche sichert einen ausreichenden Waldabstand von mehr als 20 Metern zu den neu gebauten Gebäuden“: eine Voraussetzung, um Neubauten errichten zu können. Außerdem lässt sich dort auch eine Entwässerungsmulde anlegen, die einen Teil des Regenwassers zurückhält.

„Zwei bis drei große Pappeln müssen weg“

Nicht nur im Wäldchen werden die Sägen kreischen, sondern auch im Bereich der künftigen Kita. Das hatte Stephan Schwager ebenfalls schon im November knapp angekündigt. „Zwei bis drei große Pappeln“ müssten dort weichen. „In diesem Bereich ist eine Ersatzbepflanzung unter anderem mit Obstbäumen geplant“, so Schwager damals.

Ob es sich dabei um die im Umweltbericht angekündigte „Umgestaltung in einen artenreichen Waldrand“ handelt, die erfolgen soll, nachdem „nördlich der Kindertagesstätte Teile der heutigen Waldfläche entfallen“ sollen? Das ließ sich bislang nicht klären, da in der ersten Woche des neuen Jahres kein Sprecher der Stadt im Dienst war. Auch die Frage an das Forstamt, wann die Fällarbeiten erfolgen sollen, blieb bislang unbeantwortet.

Dunkelheit garantieren für das Wohl der Fledermäuse

Laut Umweltberichtsentwurf müssen die Baumfällarbeiten unter besonderen Schutzbedingungen erfolgen, damit möglicherweise im Baumhöhlen überwinternde Fledermäuse nicht dabei getötet werden. Der Rücksichtnahme auf die geschützten Tiere dient auch eine andere Empfehlung. Sie bezieht sich auf die künftige Beleuchtung.

Der Erhalt sogenannter lichtarmer Dunkelräume sei wichtig. „Besonders die großflächigen östlichen und südlichen Waldflächen sind vor Lichtimmissionen zu schützen.“

Öffentliche Sitzung am 14. Januar im Bürgerhaus

Details zur der geplanten Bebauung werden Planer und Projektentwickler am 14. Januar ab 17 Uhr während einer gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaftsförderung und des Ausschusses für Umwelt und Zivilschutz im Bürgerhaus am Willy-Brandt-Platz vortragen: eine öffentliche Sitzung, zu der alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen sind. Dabei geht es auch um die Aufstellung des Bebauungsplans Pädagogenweg.

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