Wohnen statt Waldschmiede: Volksbank will exklusive Brachfläche am Cappenberger Wald bebauen

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Die Waldschmiede Aschoff ist nur noch Erinnerung. Seit 2008 liegt das Grundstück an der Borker Straße brach, wo 130 Jahre lang die Traditionsgaststätte stand. Jetzt ist ein Neubau geplant.

Cappenberg

, 21.11.2019, 19:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von einem „sehr frühen Stadium der Planungen und Gesprächen mit den beteiligten Personen und Parteien“ ist die Rede. Thomas Krotki, Vorstand der Volksbank Selm-Bork, hält sich noch bedeckt, wenn es um die Pläne der Volksbank geht für eine der exklusivsten Brachflächen in Cappenberg.

An der Borker Straße, direkt zwischen der Jugendstilvilla Janssen, der Straße Zum Birkenbaum und den dahinter liegenden Villen befindet sich das Grundstück. Es hat eine reiche Vergangenheit, wie Dr. Franz-Peter Kreutzkamp vom Heimatverein Cappenberg weiß.

130 Jahre lange Tradition als Gastwirtschaft

Die erste Erwähnung der Schmiede sei für das Jahr 1874 nachgewiesen. Damals habe Max Aschoff das Anwesen des Schmiedes Schlief erworben - und mit ihm einen Getränkeausschank für die Kunden.

„Die Leute mussten warten, bis der Schmied das Pferd beschlagen hatte zum Beispiel. Und da verkaufte der Schmied an die Kunden Bier, Milch und was er sonst noch da hatte“, sagt Kreutzkamp.

Wohnen statt Waldschmiede: Volksbank will exklusive Brachfläche am Cappenberger Wald bebauen

Die Gaststätte Waldschmiede (vorne) und das dahinter liegende Gebäude der ehemaligen Schmiede Schlief sind 2008 aus dem Cappenberger Ortsbild verschwunden. © Günther Goldstein (Archiv)

Die Schänke zwischen Schmiede und Wald wuchs. 1898 wurde ein Saal angebaut, später folgte eine Aufstockung um zwei Etagen. Die Kielmansegge’sche Brauerei wenige Hundert Meter weiter ließ bei Aschoff ihr Bier ausschenken. Das und die schöne Lage zog Menschen aus der ganzen Region an, vor allem aus dem wachsenden Ruhrgebiet. Kutschen verkehrten regelmäßig zwischen Cappenberg und dem Bahnhof Lünen.

2005 floss das letzte Mal Bier aus dem Zapfhahn

Die Waldschmiede überstand das Aus der Brauerei 1916 und zwei Weltkriege. Bis zum Jahr 1983 betrieb die Familie Aschoff die Traditionskneipe. Dann folgten verschiedene Pächter. 2005 floss das letzte Mal Bier aus dem Zapfhahn, dann blieb die Gaststätte geschlossen. Drei Jahre später wurde sie abgerissen.

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Während der Bürgerversammlung zum Abschluss der Ortsteilentwicklung hat Bürgermeister Mario Löhr angesprochen, dass das Grundstück mit der reichen Vergangenheit auch eine Zukunft haben könnte.

Altersgerechte Wohnungen sind im Gespräch

Volksbank-Vorstand Krotki will sich noch nicht festlegen, bestätigt aber doch, „dass eine Wohnbebauung mit altersgerechten Wohnungen ebenfalls intensiv in den Planungen Berücksichtigung finden soll“.

Wohnen statt Waldschmiede: Volksbank will exklusive Brachfläche am Cappenberger Wald bebauen

Die Waldschmiede wurde im Jahr 2008 abgebrochen. © Theo Wolters (Archiv)

Cappenberg hat - anders als Selm und Bork - keine Betreuungseinrichtung oder Wohnanlage für Seniorinnen und Senioren. Das Kurzzeitpflegeheim St. Elisabeth schloss 2016. Es war in der Villa Bolte an der Straße Baltimora untergebracht: einer Villa aus dem Jahr 1911, die ebenfalls wie die Villen an der Borker Straße von Cappenbergs Ruhm als Erholungsort zeugt.

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