So kennen ihn Cappenberger Bürgerinnen und Bürger und alle, die über den Cappenberger Damm zur Arbeit pendeln: der ehemalige Hof Rottmann. © Günther Goldstein
Bauernhaus

Zentrales Stück Cappenberg hat einen neuen Besitzer

„Verkaufe Resthof in Cappenberg in zentraler Lage.“ Diese Kleinanzeige hatte im Herbst 2019 für Aufsehen gesorgt. Aus dem Verkauf ist nichts geworden. Es gibt jetzt aber neue Besitzer.

Hinter den weißen Sprossenfenstern brennt wieder Licht. Vor der Tür des roten Fachwerkhauses parkt ein Auto. Menschen gehen rein und raus. Die lange Zeit, als der Hof Rottmann in Cappenberg verwaist war, ist vorbei. Das fällt allen auf, die an dem Hof vorbeifahren. Denn kein Cappenberger Bauernhof liegt zentraler: mitten im Ort.

Im März 2019 war die letzte Bewohnerin gestorben

Etwas weiter hinten ist das Haus Kreutzkamp mit dem gleichnamigen Spirituosen-Vertrieb nebenan. Schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite liegt das moderne Zentrum mit Pizzeria und Friseur. Wer in Richtung Bork, Werne und Südkirchen fährt, kommt hier vorbei und sah in den letzten Jahren, wie der Hof in den Dornröschenschlaf verfiel: immer gepflegt, aber unbewohnt.

Wohnhaus und Scheune sind fast 115 Jahre alt. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Helga Rottmann, die letzte Bewohnerin, war im März 2019 gestorben, ihr Ehemann Theodor, der im Ort als Milchwagenfahrer bekannt war, bereits 2015. Kinder hatten die beiden nicht. Im Herbst 2019 schalteten die Verwandten und Erben eine Kleinanzeige im Internet auf der Suche nach einem Käufer.

Die Rede war dort von einem „Resthof“: Gebäude mit Stallungen und 2000 Quadratmeter großem Grundstück. Ländereien, Äcker und Weiden gehören nicht zu dem inzwischen fast 115 Jahre alten Gebäudeensemble. Die Preisvorstellung lag damals bei 510.000 Euro. Allerdings würde der neue Eigentümer auch noch Geld in die Renovierung für das „Liebhaberstück“ stecken müssen. Es wurde als „stark renovierungsbedürftig“ beschrieben. Darum machte sich im Ort rasch die Sorge breit, der Hof könne abgerissen werden und Cappenberg damit ein Stück Geschichte verlieren. Inzwischen steht fest: Das ist eine unbegründete Sorge.

Angst vor Abriss ist unbegründet

„Der Hof ist genau das, was wir gesucht haben“, sagt die neue Besitzerin. Nicht Eigentümerin, denn anders als die Anzeige vermuten ließ, haben die Erben doch nicht verkauft, sondern langfristig verpachtet – an eine Familie aus Hamm. „Vorher wohnten wir in Gelsenkirchen, deshalb das Autokennzeichen“, sagt die Mutter. Ihren Namen möchte Sie noch nicht veröffentlicht sehen, „weil wir uns erst mit den Nachbarn bekannt machen wollen“. Die sollten nicht aus der Zeitung oder aus dem Netz erfahren, wer gerade beginnt, den beliebten Hof nebenan in Eigenregie zu renovieren. Eine neue Bekanntschaft gibt es schon.

Mit Heino Janssen, dem Vorsitzenden des Heimatvereins, hat es bereits Gespräche gegeben. Der Verein hatte in der Vergangenheit die Scheune genutzt – als Materiallager und als Platz für Sommerfeste. „Erst einmal können wir unsere Sachen da lassen“, sagt Jansen. Bis zum Einzug, bestätigt die neue Besitzerin, werde es angesichts der Renovierung noch etwas dauern.

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Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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