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Zu gefährlich: Spezialfirma muss illegale Müllkippe von Cappenberg entfernen

hzEternit-Platten

Das sei „ein besonders dreister Fall“, sagt Andreas Schneider. Abfall illegal zu entsorgen, sei ja ohnehin schlimm. Im jüngsten Cappenberger Fall kämen aber noch zwei weitere Faktoren dazu.

Cappenberg

, 21.05.2019 / Lesedauer: 3 min

„Man muss sich das einmal vorstellen“, sagt Andreas Schneider, Fachbereichsleiter Abfall bei der Kreisbehörde Unna. Da habe jemand ohne jede Scheu und Scham seinen Transporter ganz offen an der Borker Straße geparkt und abgeladen: 60 Eternitplatten aus Zement und krebserregendem Eternit. Der Abtransport lässt noch auf sich warten.

Giftige Fasern verbergen sich in verwitterter Dacheindeckung

Bereits am 11. Mai hatten Passanten die Umweltsauerei entdeckt und die Polizei gerufen, wie Thomas Röwekamp, Sprecher der Kreispolizeibehörde, mitteilt. Der etwas drei bis vier Kubikmeter große Haufen mit belastetem Bauschutt liegt seitdem immer noch an seinem Platz: zwischen Radweg und Fahrbahn der Borker Straße auf Höhe der zweiten Zufahrt zum Bio-Hofe Schulze Altcappenberg. Die Mitarbeiter des Kreisbauhofes hätten die Reste einer grauen, verwitterten Dacheindeckung längst aufladen können, doch das ist zu gefährlich.

Für die Entsorgung des krebserregenden Materials seien Fachleute nötig, die nicht nur die Erfahrung, sondern auch die entsprechende Ausrüstung besitzen, sagt Schneider. Sie müssten die offen neben der Straße liegenden Platten in Folie verpacken und dann abtransportieren. Denn werde insbesondere schwach gebundener Asbest unsachgemäß entfernt, drohten ernste Gesundheitsgefahren. Faserfeinstaub drohe beim Bewegen des Bauschutts, in die Luft zu gelangen und eingeatmet zu werden. Im schlimmsten Fall kann das Asbestose und Krebs auslösen: tödliche Krankheiten.

Nur eine Deponie kann Spezialmüll annehmen

Nur eine Deponie im Kreis Unna nimmt den giftigen Bauschutt an: Kamen-Heeren-Werve, Mühlhauser Straße - und das nur mit Auflagen. Nach Auskunft der Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft (GWA) erfolgt die Annahme nur nach telefonischer Voranmeldung und ausschließlich in dafür vorgesehenen Säcken, die luftdicht verschließbar sind. Die Kosten: 200 Euro pro Tonne. So viel Geld wollte der unbekannte Umweltsünder offenbar sparen. Ihm droht dafür eine um das vierfach höhere Rechnung.

800 Euro Bußgeld seien mindestens fällig, sagt Andreas Schneider - zuzüglich der Entsorgungskosten, inklusive denen für die Fachfirma. Der Kreispolizei liegt eine Anzeige vor. Es gebe auch bereits Hinweise, so Polizeisprecher Thomas Röwekamp. Den Verursacher konnten die Zeugen aber noch nicht ermitteln helfen. „Ich kann nur den Appell wiederholen, die Augen aufzuhalten“, sagt der Bereichsleiter Abfall des Kreises. Denn wenn sich der Täter nicht ermitteln lasse, müsse die Allgemeinheit zahlen - „mal wieder“.

Zusatzkosten für den Kreis und die Kommunen

„Wir sind für 220 Kilometer Kreisstraßen zuständig“, sagt Schneider mit Blick auf das Kreisgebiet. Einmal wöchentlich fahre ein Mitarbeiter alles ab und sammele - sofern möglich - wild abgeladenen Müll ein. „Das waren 2018 insgesamt 29 Tonnen illegaler Abfall“ - und damit 6000 Euro Entsorgungskosten. Und das ist nur ein Bruchteil der Gesamtkosten für illegale Müllkippen.

Schneider spricht von mehr als einer Viertelmillion Euro Entsorgungskosten, die die Städte und Gemeinden des Kreises jährlich aufbringen müssten, um wilde Müllkippen zu beseitigen - Tendenz steigend. Er verweist auf eine Sitzung des Kreis-Umweltausschusses von September vergangenen Jahres. Die Kreisverwaltung hatte dazu die Kommunen gebeten, die jährlichen Kosten mitzuteilen. Für Selm fallen sie noch vergleichsweise niedrig aus.


Kosten wachsen Jahr für Jahr

Für das Jahr 2015 waren laut der Stadt Selm 10.503 Euro fällig, für das Jahr 2016 10.787 Euro und für 2017 immerhin 11.146 Euro.

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