Zukunft der Pestalozzischule: Das sagt die Politik

Förderschulen im Kreis Unna

Der Kreis Unna hat entschieden: Die Förderschullandschaft soll neu geordnet werden. Zum Beginn des kommenden Schuljahres am 1. August 2016 soll die Selmer Pestalozzischule Teil des Förderschulzentrums Nord in Lünen werden – mit dem Kreis als Träger. Doch das letzte Wort haben die Selmer Politiker.

SELM

, 24.09.2015, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Selmer Pestalozzischule.

Die Selmer Pestalozzischule.

Nur die Stadt Selm als Träger der Pestalozzischule kann beschließen, die Schule aufzulösen, um sich dem Förderschulkonzept des Kreises anzuschließen. Der Kreis kann die Entscheidung in den Städten nicht überstimmen. Die Ausschüsse und der Rat wollen ihre Entscheidung im November treffen. Das sagen die Fraktionsvorsitzenden von SPD, CDU, UWG und den Grünen zu dem geplanten Umzug:

 

SPD:

Die SPD-Fraktion favorisiert einen Schulverbund mit Lünen ab 2016, sagt Fraktionsvorsitzender Wolfgang Jeske: "Diese Entscheidung tragen wir mit." Damit sei gewährleistet, dass Kinder ab von der ersten Klasse bis zum Ende ihrer Schullaufbahn an einer Schule bleiben könnten. Da die Schülerzahlen sinken, müssen ab 2018 sowieso die Schulen zusammengelegt werden, sagte Jeske auf Anfrage. Bliebe die Pestalozzischule zwei weitere Jahre eigenständig, "hilft uns das in Selm nicht weiter", so Jeske. Lieber solle man jetzt am pädagogischen Konzept für die Förderschulen mitarbeiten.

Die SPD habe in den vergangenen Wochen intensiv über das Thema diskutiert. Daher herrsche Einigkeit in der Fraktion, sagt Jeske. Auch den Umzug in die Räume der Hauptschule in Bork befürwortet die SPD-Fraktion. Der Kreis brauche Planungssicherheit, um Zuschüsse zum Umbau zu geben.

 

CDU:

Die CDU-Fraktion habe sich noch nicht entschieden, sagt Vorsitzender Dieter Kleinwächter. Da mehrere Fraktionsmitglieder im Urlaub seien, tage die Fraktion erst in der kommenden Woche zum Thema Pestalozzischule. "Wir sind in der Diskussion", so Kleinwächter. Zu dem schwierigen Thema gebe es außerdem eine Klausur Ende Oktober. Wie die CDU-Mitglieder im Rat entscheiden, sei ihnen freigestellt. "Es gibt bei uns keinen Fraktionszwang", sagt Kleinwächter.

Im Schulausschuss Ende August hatten sich zwei CDU-Mitglieder kritisch über das Gutachten geäußert, auf dessen Basis der Kreis den Schulverbund beschlossen hat. In dem Gutachten wird von sinkenden Schülerzahlen ausgegangen und ein Zusammenschluss nahegelegt. Dabei, so die Kritik, sei gar nicht abzusehen, wie sich die Schülerzahlen entwickeln würden. 

 

UWG:

Maria Lipke, Fraktionsvorsitzende der UWG, ist "traurig" über die Entscheidung des Kreises. Es hätte keine Mehrkosten und keinen großen Aufwand bedeutet, die Pestalozzischule als eigenständige Schule zu belassen, so Lipke. Mit dem Verbund entstehe die größte Förderschule in NRW. "Das wäre nicht schlau." Denn Förderschulen seien nicht leicht zu händeln, die Schüler und ihre Defizite sehr unterschiedlich. Nach zwei Jahren mit sinkenden Schülerzahlen könnte sich Selm immer noch dem Verbund anschließen.

"Da müssen wir wahrscheinlich noch viel Überzeugungsarbeit leisten", so Lipke. Sie befürchte jedoch, dass sich die UWG nicht mit Argumenten gegen die großen Parteien durchsetzen könne. Auch mit dem Umzug nach Bork solle man sich lieber ein Jahr länger Zeit lassen. Dann wäre es in der Schule nicht mehr so eng. Das mit dem Umzug Geld gespart werde, glaubt Lipke nicht. "Eine Schule, die leer steht, kostet nicht viel weniger, als eine im Betrieb", sagt Lipke. Das habe die Selmer Lutherschule gezeigt, die seit 2009 leer steht.

 

Die Grünen:

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Marion Küpper, ist ebenfalls wenig begeistert von der Entscheidung des Kreistags. Sie ist enttäuscht, dass nur auf Grundlage eines Gutachtens entschieden wurde, über dessen Inhalt nicht viel geredet wurde. Auch der Elternwille sei auf Kreisebene nicht vorgetragen worden. Der Fraktionsbeschluss der Grünen sei, sich für den Erhalt der Eigenständigkeit der Pestalozzischule einzusetzen.

Auch den Umzug der Schule nach Bork sehen die Grünen "kritisch", sagt Küpper. Zumindest sollte die Schule nicht sofort umziehen. "Wir werden uns noch ganz genau angucken, was wir da für Argumente vortragen können", so Küpper. Die Kosteneinsparungen als einziges Argument wollen die Grünen nicht gelten lassen.

 

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