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Nahrungsergänzungsmittel mit Bedacht und sinnvoll verwenden

Obst statt Pillen

Nahrungsergänzungsmittel sind beliebt und sollen den Körper mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgen.. Doch die bunten Pillen haben nicht immer den gewünschten Effekt – und können in manchen Fällen sogar schädlich sein, sagt der Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM), Dr. Klaus Winckler, im Interview.

24.02.2015, 12:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt. Doch die Einnahme der Pillen macht nur in Ausnahmefällen Sinn, sagen Ernährungsexperten.

Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt. Doch die Einnahme der Pillen macht nur in Ausnahmefällen Sinn, sagen Ernährungsexperten.

Wer Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, der glaubt in der Regel, einen Mangel auszugleichen und seinem Körper etwas Gutes zu tun. Aus Ihrer Erfahrung als Mediziner: Ist die Angst, nicht ausreichend mit Vitaminen versorgt zu sein, überhaupt berechtigt? Nein. Ein Mensch, der gesund isst, braucht diese Mittel nicht. Was uns an Lebensmitteln zur Verfügung steht, bietet eine ausreichende Versorgung mit allen Vitaminen und Mineralstoffen, die wir zum Leben benötigen.

Für wen können die Präparate dennoch sinnvoll sein? Sie kommen für Menschen infrage, die sich eingeschränkt ernähren – krankheitsbedingt oder nach einer Magenverkleinerung bei starkem Übergewicht, wenn Betroffene täglich nur 1000 oder 1200 Kalorien zu sich nehmen. Auch Menschen, die sich wegen Lebensmittelunverträglichkeiten möglicherweise einseitig ernähren, sollten ihre Versorgung im Blick haben – ebenso wie Veganer, die auf tierische Produkte verzichten. Hier können ein Vitamin-B-12- oder Eisenmangel auftreten.

Wer kann sonst noch von Nahrungsergänzungsmitteln profitieren? Viele Menschen haben einen niedrigen Vitamin-D-Wert – bedingt durch Mangel an UV-Licht und dadurch, dass es kaum jemand schafft, zwei Mal die Woche Fisch zu essen. Hier können Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein. Gerade Menschen über 75 sollten täglich 1000 Einheiten zu sich nehmen. Das ist relativ risikoarm – die Gefahr einer Überdosierung besteht nicht. Der Nutzen andere Vitaminpräparate, beispielsweise solcher mit Vitamin C bei Erkältungen, ist umstritten. Sie schaden nicht, weil der Körper überflüssiges Vitamin C einfach ausscheidet. Umgekehrt gibt es aber auch keine Studie, die den Nutzen belegt. So oder so sollte vor der Einnahme immer durch einen unabhängigen Experten überprüft werden, welcher Bedarf überhaupt besteht. Denn eine Überdosierung kann auch ungesund sein – zum Beispiel bei Eisen.

Wie ist die Situation bei Sportlern? Das wird sehr kontrovers diskutiert. Ich würde immer dazu raten, den Bedarf zunächst über die Ernährung zu decken. Da kann ein Ernährungsprotokoll sehr hilfreich sein: Man schreibt über einen bestimmten Zeitraum alles auf, was man isst und trinkt – und lässt diese Aufzeichnungen anschließend von einem Ernährungsmediziner oder Diät-Assistenten auswerten. Es gibt inzwischen sehr gute Programme, die aus diesen Protokollen herausfiltern, inwiefern die Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen ausreichend ist.

Können Nahrungsergänzungsmittel tatsächlich helfen, Krankheiten vorzubeugen? In einigen Fällen, beispielsweise bei Vi-tamin D, durchaus – ein dauerhafter Vitamin-D-Mangel erhöht das Risiko für Osteoporose. Auch eine Unterversorgung mit Vitamin B12 kann Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Nahrungsergänzungsmittel haben aber nur dann eine vorbeugende Wirkung, wenn tatsächlich ein Mangel besteht – und der muss eben, wie bereits gesagt, durch einen qualifizierten Experten festgestellt werden.

Ist es egal, ob ich Vitamine über die Ernährung zu mir nehme oder – synthetisch hergestellt – als Tablette? Darüber gibt es keine Studien. Ich empfehle jedoch, wie gesagt, eher auf eine ausgewogene Ernährung zu setzen.

Wie kann ich meinen Bedarf über den täglichen Speiseplan decken? Ich empfehle drei Mahlzeiten am Tag, die einen festen Platz haben sollten. Man sollte sich also die Zeit dafür nehmen und nicht einfach zwischendurch ein Brötchen in sich hineinschieben. Obst und Gemüse sollten mehrmals täglich auf dem Speiseplan stehen – am besten sind frische, saisonal gereifte Produkte. Bei Teigwaren immer die Vollkorn-Variante bevorzugen, denn sie enthält viele gesunde Ballaststoffe, die unter anderem das Krebsrisiko senken. Und auch Fisch und Fleisch sollten, wenn möglich, ab und zu auf dem Speiseplan stehen, weil sie Vitamine und Mineralstoffe enthalten.

Welche Symptome geben Hinweis auf eine mögliche Unterversorgung mit Vitaminen oder Mineralstoffen?

Die Symptome sind in der Regel nicht sehr spezifisch. Allgemeine Warnsignale sind ständige Ermüdung und Erschöpfung, Haut- und Haarveränderungen sowie Blutarmut. Man sollte sie genau beobachten, um sie dem Hausarzt möglichst differenziert beschreiben zu können.

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