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„Wir machen weiter“

Allgemeiner Bürgerschützenverein Dorsten-Hardt

Dorsten-Hardt. „Es blieb uns nichts anderes übrig, als unser Schützenfest abzusagen“, sagt Sven Hinderscheidt. Wie der Verein mit der Situation umgeht, haben wir für Sie zusammengefasst.

22.05.2020, 12:07 Uhr / Lesedauer: 5 min
Dirk Große-Gehling wurde beim Schützenfest 2018 König. Zur Königin wählte er Anja Schlautmann.

Dirk Große-Gehling wurde beim Schützenfest 2018 König. Zur Königin wählte er Anja Schlautmann. © Archiv

Das Schützenfest des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Dorsten-Hardt findet nicht. Sven Hinderscheidt hat als 1. Vorsitzender des Schützenvereins ein Grußwort verfasst.

Sven Hinderscheidt ist der 1. Vorsitzende.

Sven Hinderscheidt ist der 1. Vorsitzende. © privat

Liebe Schützenschwestern, Schützenbrüder und Bewohner der Hardt,

wir haben uns lange auf unser Schützenfest 2020 gefreut und auch viel Arbeit und Zeit investiert, um mit euch wieder ein rauschendes Fest zu feiern. Leider ist in diesem Jahr alles anders gekommen als wir es uns alle gedacht haben, unser gesamtes alltägliches Leben hat sich durch die Corona Pandemie verändert.

Da wir vom Vorstand ständig in engem Austausch mit anderen Schützenvereinen aus Dorsten und natürlich auch zuletzt mit der Stadt Dorsten standen, blieb uns nichts anderes übrig, als unser Schützenfest in Dorsten Hardt vom 22. Mai 2020 bis zum 24. Mai 2020 aufgrund der Corona Verfügung abzusagen. Die Bundesregierung und die Landesregierung haben eindeutig verkündet, dass erstmal bis zum 31. August 2020 keine Großveranstaltungen stattfinden dürfen, darunter fallen auch die Schützenfeste. Aus diesem Grund hat die Stadt Dorsten auch aktuell keine Genehmigung für unser Schützenfest erteilt.

Wir haben diese Entscheidung schweren Herzens und in Rücksprache mit der Stadt getroffen. Die momentane Situation und die unvorhersehbare Entwicklung rund um das Corona-Virus haben leider kein anderes Vorgehen zugelassen. Wir werden jetzt aber nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern 2022 einen neuen Anlauf nehmen, um ein rauschendes Schützenfest zu feiern.

Das alles ist uns nicht leichtgefallen, aber wenn wir uns die Gefahren der Corona Pandemie vor Augen führen, ist uns allen klar, zum Schutz unserer Mitmenschen gab es leider keinen anderen Weg als unser Schützenfest für das Jahr 2020 abzusagen.

Daher sind wir sehr froh, dass gleich beim ersten Gespräch mit unserem amtierenden Königspaar Dirk und Anja das Signal von beiden kam, wir werden auch zwei weitere Jahre die Hardt regieren. Natürlich werden wir vom Verein die beiden bei ihren kommenden zwei Jahren weiterhin unterstützen.

In unserer Vereinsgeschichte ist es das erste Mal seit 70 Jahren, dass ein Schützenfest nicht wie geplant stattfinden kann. Wir alle hoffen, dass wir diese Pandemie schnell besiegen und bald wieder unseren gewohnten Alltag, mit gemeinsamen Aktivitäten fortsetzen können. Gut Schuss und bleibt gesund!

Sven Hinderscheidt

1. Vorsitzender Allgemeiner Bürgerschützenverein Dorsten-Hardt e.V.

Auch wenn das Schützenfest in diesem Jahr nicht stattfinden kann, sind trotzdem die Jubiläumskönigspaare zu erwähnen:

Silberkönigspaar: Dieter Wobbe und Tanja Lage (regierten 1994/96).

Silberkönigspaar: Dieter Wobbe und Tanja Lage (regierten 1994/96). © privat

Königspaar vor „40“ Jahren: Reinhardt Kiekenbeck und Gertrud Bartuschewitz (regierten 1980/82).

Königspaar vor „40“ Jahren: Reinhardt Kiekenbeck und Gertrud Bartuschewitz (regierten 1980/82). © privat

Goldkönigspaar: Herbert Sklorz und Gisela Harding (regierten 1970/72).

Goldkönigspaar: Herbert Sklorz und Gisela Harding (regierten 1970/72). © privat

Außerdem sind zu ehren: 10 Schützen für 25 Jahre Vereinstreue, 19 Schützen für 40 Jahre Vereinstreue, 3 Schützen für 50 Jahre Vereinstreue. Die Ehrungen werden selbstverständlich nachgeholt!

Der derzeitige Thron bleibt noch zwei weitere Jahre bestehen.

Der derzeitige Thron bleibt noch zwei weitere Jahre bestehen. © privat

Es war ein Rennen auf Augenhöhe: Dirk Große-Gehling und Markus Hoffrogge machten es beim Schützenfest 2018 des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Dorsten-Hardt spannend. Schoss Dirk Große-Gehling zunächst treffsicher die Krone des Vogels ab, zerkleinerte Markus Hoffrogge immer mehr den Rumpf des Tieres. Ein lautes Raunen ging nicht nur einmal durch die Zuschauerränge. Den finalen Schuss brachte dann aber eindeutig Dirk Große-Gehling: Unter tosendem Applaus fielen die letzten Reste des Vogels zu Boden. Wie er und seine Königin Anja Schlautmann das Schützenfest damals wahrnahmen und wie sie mit der Situation umgehen, nun zwei Jahre länger als üblich im Amt zu bleiben, darüber sprachen beide mit Redakteurin Lydia Klehn-Dressler.

War der Schuss auf den Vogel seinerzeit eigentlich von langer Hand geplant?

Dirk Große-Gehling: Das war gewollt! Ich habe mir damit einen Kindheitstraum erfüllt. Denn ich bin als Kind einmal Kinderschützenkönig geworden. Allerdings konnte ich das Amt nicht antreten, da meine Eltern dagegen waren. Seitdem habe ich davon geträumt, einmal richtiger Schützenkönig zu werden.

Viele sind, wenn der Vogel gefallen ist, von den vielen Eindrücken zunächst überwältigt und realisieren erst später, was passiert ist. Wie war das bei Ihnen?

Dirk Große-Gehling: Es hat natürlich etwas gedauert. Ungefähr zwei bis drei Stunden später habe ich erst realisiert, dass ich jetzt König bin. Die Euphorie war natürlich groß.

Anja Schlautmann: Ich konnte es gar nicht glauben und habe das Ganze erst am Abend realisiert. Trotz dass man den Fall der Fälle ja vorher lange geplant hat, ist es dennoch eine Überraschung, wenn es passiert.

Erinnern Sie sich noch, was nach dem entscheidenden Schuss passierte?

Dirk Große-Gehling: Da prasselt im ersten Moment sehr viel auf einen ein. Aber ich weiß noch, dass man mich auf den Schultern getragen ins Zelt brachte und mir die Kette umgehangen wurde.

Wie haben Sie das Schützenfest danach als neues Königspaar wahrgenommen?

Dirk Große-Gehling: Der Tag ging dann rasend schnell vorbei. Alles lief ab wie in einem Film.

Anja Schlautmann: Das stimmt. Im ersten Moment ist natürlich alles sehr stressig, aber ich denke, wir konnten das Schützenfest trotzdem in vollen Zügen genießen.

Wie lief die Zusammenarbeit zwischen König und Königin?

Dirk Große-Gehling: Wir kennen uns seit circa 15 Jahren. Und ich hatte Anja auch schon vor einigen Jahren versprochen, dass sie meine Königin wird, sollte ich irgendwann mal König werden. Und natürlich habe ich Wort gehalten. Unsere Zusammenarbeit war daher auch sehr harmonisch. Alles ist gut gelaufen.

Anja Schlautmann: Wir sind ja quasi fast Nachbarn und konnten daher vieles über den kurzen Dienstweg klären. Alle Entscheidungen haben wir gemeinsam getroffen. Es hat sehr viel Spaß gemacht.

Im Rückblick gesehen: Was hat Ihnen während der bisherigen Regentschaft am meisten Freude bereitet?

Dirk Große-Gehling: Ganz klar die Abordnungen. Wir haben nette Leute kennenlernen dürfen – auch von anderen Vereinen. Es gab tolle Gespräche mit anderen Königspaaren. Auch mitzubekommen, wie groß der Zusammenhalt im Verein ist, war besonders schön.

Hatten Sie sich für Ihre Amtszeit besondere Ziele gesetzt?

Dirk Große-Gehling: Wir wollten Unternehmungen anstoßen. Und das hat auch geklappt. So haben wir zum Beispiel eine Fahrradtour organisiert. Außerdem war es mir wichtig, die verschiedenen Kompanien etwas zusammenzubringen und dafür zu sorgen, dass die Abordnungen immer gut besucht sind. Auch das hat funktioniert. Man muss dazu sagen, dass die Begeisterung zu Beginn der Regentschaft nicht besonders groß war, da der König schon wieder aus der 3. Kompanie stammte – das ist nämlich schon seit circa zehn Jahren so. Daher war die Stimmung zunächst etwas gedrückt. Aber ich denke, dass sich das mit der Zeit gebessert hat.

Derzeit lässt sich ja leider auch von einer gedrückten Stimmung sprechen – aufgrund der Corona-Krise. Wie haben Sie die Entscheidung, das Schützenfest 2020 nicht stattfinden zu lassen, aufgenommen?

Dirk Große-Gehling: Ich bin sehr traurig, das muss ich ganz ehrlich sagen. Denn wir haben uns lange auf das Schützenfest gefreut. Aber: Die Gesundheit geht natürlich vor, daher haben wir Verständnis.

Anja Schlautmann: Da ich Krankenschwester bin und es bei mir im Krankenhaus einen Corona-Fall gab, hatte ich mich innerlich schon sehr früh mit der Situation beschäftigt. Als Krankenschwester betrachtet man die Situation noch mal mit ganz anderen Augen. Ich möchte nicht, dass jemand gefährdet wird. Daher finde ich es richtig, dass das Schützenfest verschoben wurde.

Haben Sie mitbekommen, ob das Schützenvolk sehr enttäuscht ist?

Dirk Große-Gehling: Glücklich ist natürlich niemand, aber alle haben Verständnis.

Anja Schlautmann: Ja, das kann ich bestätigen. Außerdem finden viele, dass es kein schönes Fest werden würde, wenn man sich an so viele Vorschriften halten müsste. Klar hatte man sich gefreut, aber unter der Prämisse wäre es keine richtige Feier.

Auf was hatten Sie sich beim Schützenfest besonders gefreut?

Dirk Große-Gehling: Zunächst einmal hätte ja bereits die Vorparade stattgefunden. Und gefreut hatte ich mich natürlich ganz besonders auf den Königsball. Dann wollte ich das Vogelschießen ganz in Ruhe verfolgen. Und wenn ich die Kette hätte abgeben müssen, wäre bestimmt das eine oder andere Tränchen geflossen.

Nun dürfen Sie die Kette ja aber noch etwas länger tragen!

Dirk Große-Gehling: Genau! Wir machen weiter! Mit dem Vorstand wurde besprochen, dass der Thron weitere zwei Jahre im Amt bleibt und das nächste Schützenfest erst 2022 stattfindet. Wir werden allen Pflichten dabei wie gehabt nachgehen.

Waren Ihre Familien damit einverstanden?

Dirk Große-Gehling: Es gab zwar einige Diskussionen innerhalb der Familie, aber wir alle sind zu dem Entschluss gekommen, dass es so das Beste ist. Man muss dazu sagen, dass meine Frau von 2016 bis 2018 schon als Königin Teil des Throns war. Direkt danach wurde ich König. Und da sich meine Amtszeit nun verlängert, ist unsere Familie nun insgesamt sechs Jahre Teil des Throns. Aber wir alle stecken so viel Herzblut in die Sache und wir unterstützen gerne unseren Verein.

Anja Schlautmann: Die bisherige Regentschaft war sehr angenehm. Daher habe auch ich keine Zweifel, dass wir weitere zwei Jahre auch schaffen werden.

Im Prinzip wird durch die Corona-Krise Ihre Amtszeit ja auch zu etwas Besonderem: Sie gehen als Königspaar in die Chronik ein, das länger als üblich im Amt blieb. Wie finden Sie das?

Dirk Große-Gehling: Das ist natürlich außergewöhnlich – wenn auch unter traurigen Umständen. Aber wenn wir damit dem Verein helfen können, machen wir das natürlich gerne.

Wie sehr freuen Sie sich jetzt schon auf das Schützenfest 2022?

Dirk Große-Gehling: Ich freue mich schon sehr! Und ich denke, dass das Fest nach so einer langen Durststrecke verdammt groß werden wird. Die Vorfreude wird bis dahin bestimmt weiter wachsen.

Anja Schlautmann: Wir denken auch schon darüber nach, vorher noch ein kleineres Fest zu organisieren. Aber natürlich nur, wenn sich die Lage wieder verbessert haben sollte. Dann gäbe es noch ein Ereignis, auf das man sich freuen könnte.

Können Sie sich denn vorstellen, erneut König zu werden?

Dirk Große-Gehling: Ach ich denke, dass dann nach vier Jahren Amtszeit jemand anderes mal dran wäre. Aber vielleicht so in zehn Jahren nochmal?! Wer weiß...

Dirk Große-Gehling und Anja Schlautmann regieren auch weiterhin.

Dirk Große-Gehling und Anja Schlautmann regieren auch weiterhin. © privat

Mehr Informationen über den Allgemeinen Bürgerschützenverein Dorsten-Hardt gibt es auf der Homepage. https://www.dorsten-hardt.de/index.html
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