Anzeige

„Wir vermissen es!“

Allgemeiner Bürgerschützenverein Lembeck e.V.

Lembeck. „Kein Zelt, keine Musik, keine Vorfreude“, sagt der 2. Vorsitzender der Lembecker Schützen, Heinz Thier. Das nächste Schützenfest gibt es erst nach Pfingsten 2021.

04.06.2020, 13:54 Uhr / Lesedauer: 5 min
Martin Lohbreyer und Wibke Cosanne werden über das Lembecker Schützenvolk ein weiteres Jahr regieren.

Martin Lohbreyer und Wibke Cosanne werden über das Lembecker Schützenvolk ein weiteres Jahr regieren. © privat

Das etwas andere Grußwort von Heinz Thier, 2. Vorsitzender Allgemeiner Bürgerschützenverein Lembeck e.V.

Heinz Thier ist 2. Vorsitzender der Lembecker Schützen.

Heinz Thier ist 2. Vorsitzender der Lembecker Schützen. © privat

Liebes Lembecker Schützenfest, wir werden es am Wochenende sehr vermissen! Der Vorbote, Absage der Mitgliederversammlung vor Ostern, hat ahnen lassen, was da auf uns zukommt. Pfingsten ohne Vorparade hat uns bereits spüren lassen, es fehlt was im Dorf, keine Parade, kein Zelt, keine Musik, keine Vorfreude auf ein kommendes Schützenfest.

Am Samstag wäre unser Schützenfest mit einem Gottesdienst und Kranzniederlegung am Ehrenmal gestartet, der Tanzabend hätte das Festzelt bei toller Stimmung zum Beben gebracht, doch auf der Schützenwiese steht kein Zelt!

Am Sonntagmorgen spielen unsere Musikvereine Blaskapelle Harmonie Lembeck und Spielmannszug Grün Weiß Lembeck mit ihren Jugendabteilungen immer Konzertmusikstücke und erfreuen uns Lembecker beim Frühschoppen.

Am Nachmittag, der große Festumzug durch unser geschmücktes Dorf, über 800 Schützen, Vorstand, Offiziere, vier Musikzüge, vier Kutschen, angeführt hoch zu Pferd von Oberst Josef Heitmann und Major Gerd Trockel, wären an vielen Zuschauern vorbei durch unser Dorf gezogen. An der Freitreppe vor der Kirche hätten die Schützen bei der Parade in die strahlenden Augen von König Martin Lohbreyer und Königin Wibke Cosanne, den Ehrenpaaren Christian Forsthövel und Michaela Mast, Frank Lensen und Martina Forsthövel geschaut.

Beim Königsball am Abend hätten die Lembecker ihr Königspaar frenetisch bis in die tiefe Nacht gefeiert, doch auf der Schützenwiese steht kein Zelt!

Am Montagmorgen wären schöne Bilder mit dem schmucken Königspaar und Throngefolge in den Ruhr Nachrichten zu sehen gewesen. Im Pastors Busch wird es am Montag still sein, keine Schüsse auf den Schützenvogel, keine Musik, keine Lembecker, die mit Spannung auf den erlösenden Königsschuss warten, kein Jubel der ertönt, wenn einer der Königsanwärter den letzten Rest von der Vogelstange holt. Kein spannender Moment, wer wird denn wohl die Königin sein, denn es bleibt still in Pastors Busch!

Am Montagnachmittag werden keine Lembecker am Straßenrand stehen um ein neues Königspaar mit Throngefolge in einem prächtigen Festumzug zuzujubeln.

Am Abend wäre er gewesen, der Krönungsball des neuen Königspaares, die Lembecker hätten ihnen zu Füßen gelegen und bis in den Morgen gefeiert, doch auf der Schützenwiese steht kein Zelt!

Gut, dass wir unseren König Martin und unsere Königin Wibke haben, sie bleiben uns Lembecker treu bis nach Pfingsten 2021, dann steht ein Zelt auf der Schützenwiese und wir feiern alle zusammen das Schützenfest 2021!

P.S. Wer am Wochenende doch etwas Schützenfeststimmung aufkommen lassen möchte, Fahne hissen und im Internet www.lembeck.de aufrufen, dort wird die diesjährige Kranzniederlegung mit Königspaar, Throngefolge, Vorstand und Offizieren zu sehen sein. Eine Fotogalerie des letztjährigen Schützenfestes wird dort auch eingestellt sein, seht sie euch an, bei einem kühlen Bier oder Wein und lasst euch von DJ Helle und DiscoNerds musikalisch unterhalten.

Heinz Thier

2. Vorsitzender

Auch wenn das Schützenfest in diesem Jahr nicht stattfinden kann, sind trotzdem die Jubiläumskönigspaare zu erwähnen:

Königspaar 1970: Marga Geisthövel und Franz Evers (beide bereits verstorben). Mit im Bild: Oberst Johannes Brömmel (l.) und Major Hermann Risthaus.

Königspaar 1970: Marga Geisthövel und Franz Evers (beide bereits verstorben). Mit im Bild: Oberst Johannes Brömmel (l.) und Major Hermann Risthaus. © privat

Throngemeinschaft 1970: Marga Geisthövel, Franz Evers, Änne Uhrmann, Max Wiemeyer, Maria Bahde und Alois Büscher.

Throngemeinschaft 1970: Marga Geisthövel, Franz Evers, Änne Uhrmann, Max Wiemeyer, Maria Bahde und Alois Büscher. © ptivat

Königspaar 1995: Andrea Jacob und Franz-Josef Einhaus.

Königspaar 1995: Andrea Jacob und Franz-Josef Einhaus. © privat

Throngemeinschaft 1995: Marion Warnshuis, Heiner Kötting, Andrea Jacob, Franz-Josef Einhaus, Petra Elvermann und Martin Rekers.

Throngemeinschaft 1995: Marion Warnshuis, Heiner Kötting, Andrea Jacob, Franz-Josef Einhaus, Petra Elvermann und Martin Rekers. © privat

Mit dem 348. Schuss setzte sich Martin Lohbreyer gegen seine Konkurrenten beim Schützenfest 2019 des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Lembeck durch. Doch zunächst sah es in Lembeck so aus, als gäbe es keine Anwärter auf den Thron. Zwar schossen zahlreiche Schützen immer wieder auf das wacklige Holztier – doch als es schließlich ernst wurde, traute sich niemand. „Geteiltes Leid ist halbes Leid“, dachten sich die Kegelbrüder Martin Lohbreyer und Christian Forsthövel, als sie sich nach langen Minuten des Wartens dazu entschlossen hatten, auf den Vogel zu schießen. Zur Überraschung aller kam dann noch ein dritter Kandidat mit ins Spiel: Tobias Dalhaus entschied sich spontan, mit auf den Vogel zu schießen. Um 15.08 Uhr fiel schließlich der erlösende Schuss: Martin Lohbreyer holte das letzte Stück runter. Mit einem leisen „Sorry“ umarmte er seine Königin Wibke Cosanne. Über das Schützenfest 2019 und die verlängerte Amtszeit sprach Redakteurin Lydia Klehn-Dressler mit König Martin Lohbreyer.

Eigentlich hatten Sie gar nicht geplant, König zu werden, oder?

Martin Lohbreyer: Es war überhaupt nicht geplant. Wer mich kennt weiß, dass ich immer gesagt habe: „Niemals!“ Eigentlich sollte es ein ganz normaler Schützenfestmontag werden. Das heißt: Morgens antreten, an der Vogelstange den „Pflichtschuss“ abgeben und danach mit Freunden verfolgen, wer der neue König wird. Und irgendwie hat es sich dann anders entwickelt.

Wann haben Sie das Ganze realisiert?

Martin Lohbreyer: Da ich, und ebenso auch der gesamte Thron, überhaupt nicht darauf vorbereitet war, lief der Rest des Schützenfestes sprichwörtlich „wie im Film“ ab. Der Ablauf am Montag ist zeitlich schon recht sportlich, wenn man vollkommen unvorbereitet ist und dementsprechend konnte man sich wirklich erst am Dienstag nach dem Aufstehen erstmalig Zeit nehmen und die gesamten Ereignisse Revue passieren lassen.

Wer gehörte zum Thron?

Martin Lohbreyer: Da es ja vollkommen ungeplant war, gab es somit auch im Vorfeld keine Gedanken oder Gespräche, wie sich ein möglicher Thron zusammensetzen könnte. Da ist man einfach froh und dankbar, dass man Freunde hat, die ebenso spontan sind und einem ohne groß zu überlegen zusagen. Zur Throngemeinschaft zählen die Ehrenherren Christian Forsthövel und Frank Lensen sowie die Ehrendamen Michaela Mast und Martina Forsthövel.

Erinnern Sie sich noch an die erste Amtshandlung?

Martin Lohbreyer: Selbstverständlich. Die erste Amtshandlung ist in Lembeck traditionell das Tragen des Baldachins bei der Fronleichnamsprozession.

Wie haben Sie die Zeit nach dem Schützenfest als neuer König wahrgenommen?

Martin Lohbreyer: Durchweg positiv. Gerade in der Zeit unmittelbar nach dem Schützenfest wird man natürlich oft von Lembeckern angesprochen und bekommt sehr viel Zuspruch. Wir Lembecker sind einfach glücklich, wenn sich jedes Jahr ein neuer Thron findet.

Wie lief die Zusammenarbeit zwischen König und Königin?

Martin Lohbreyer: Eigentlich haben wir alle offiziellen Termine gemeinsam mit dem gesamten Thron, inklusive der Eierkorbträger, vorbereitet beziehungsweise durchgeführt. Somit sprechen wir hier mehr von einer Teamarbeit, die uns allen bisher sehr viel Spaß gemacht hat.

Was hat Ihnen während der bisherigen Regentschaft am meisten Freude bereitet?

Martin Lohbreyer: Am meisten hat es mich gefreut, dass man mit so vielen Lembeckern in intensiveren Kontakt kommt, welche man vorher zwar vom Sehen, aber nicht wirklich persönlich kannte. Das ist wirklich einer der positivsten Punkte als Schützenkönig und das wurde mir auch von mehreren Ex-Königen auf den Weg gegeben.

Hatten Sie sich für die Amtszeit besondere Ziele gesetzt?

Martin Lohbreyer: Nein, besondere Ziele haben wir uns nicht gesetzt. Wir möchten als Thron, wie viele Vorgänger, unseren Beitrag zum Schützenfest leisten und hoffen natürlich, dass wir das ebenso gut hinbekommen.

Nun haben Sie noch etwas mehr Zeit bekommen, Ihren Beitrag zu leisten, da Ihre Amtszeit verlängert wird. Wie haben Sie die Entscheidung, das Schützenfest 2020 nicht stattfinden zu lassen, aufgenommen?

Martin Lohbreyer: Das Covid19-Thema war ja im März schon hochaktuell und betrifft alle Menschen in vielen Bereichen, ob privat oder beruflich. Wir haben diese Entscheidung erwartet und waren daher darauf vorbereitet.

Wie hat das Schützenvolk reagiert?

Martin Lohbreyer: Natürlich feiern wir in Lembeck gerne unser Schützenfest und vor der Coronakrise konnte sich bestimmt niemand vorstellen, dass es überhaupt auch nur einen Grund für eine Absage geben könnte. Jeder hat aber auch gesehen, wie dramatisch schnell sich die Situation in unseren Nachbarländern verändert hat, sodass ich davon überzeugt bin – ohne mit jedem Lembecker persönlich gesprochen zu haben – dass alle Lembecker die Entscheidung mittragen. Wir hatten leider auch in Dorsten Todesfälle und die Gesundheit geht ganz klar vor.

Im Prinzip wird durch die Corona-Krise Ihre Amtszeit ja auch zu etwas Besonderem: Sie gehen vermutlich als Königspaar in die Chronik ein, das länger als üblich im Amt blieb. Wie finden Sie das?

Martin Lohbreyer: Rückblickend werden wohl die meisten Lembecker Wibke und mich jetzt immer als Corona-Königspaar in Erinnerung behalten. Das ist so gesehen natürlich schon etwas Besonderes.

Kommen trotz Corona-Krise in der nächsten Zeit durch die verlängerte Amtszeit Pflichten auf Sie zu?

Martin Lohbreyer: Einzelne Termine, an denen wir im letzten Jahr teilgenommen haben, werden hoffentlich auch dieses Jahr stattfinden. Das waren bisher alles sehr interessante und schöne Tage, sodass ich mich darauf freue, diese zweimal begleiten zu dürfen.

Wie sehr freuen Sie sich jetzt schon auf das nachgeholte Schützenfest?

Martin Lohbreyer: Wir scharren jetzt schon mit den Hufen. Die Vorfreude ist natürlich sehr groß und wir Lembecker werden gemeinsam alles nachholen, was wir dieses Jahr nicht gemacht haben.

Martin Lohbreyer holte mit dem 348. Schuss den Vogel von der Stange.

Martin Lohbreyer holte mit dem 348. Schuss den Vogel von der Stange. © Archiv

Zur Throngemeinschaft zählen die Ehrenherren Christian Forsthövel und Frank Lensen sowie die Ehrendamen Michaela Mast und Martina Forsthövel.

Zur Throngemeinschaft zählen die Ehrenherren Christian Forsthövel und Frank Lensen sowie die Ehrendamen Michaela Mast und Martina Forsthövel. © privat

Mehr Informationen über den Allgemeinen Bürgerschützenverein Lembeck gibt es auf der Homepage. https://www.schuetzenverein-lembeck.de/index.php/start.html
Lesen Sie jetzt