Für ein Castrop-Rauxeler Sport-Event kam nach der 44. Auflage im Jahr 2018 das Aus: der Ickerner Volkslauf, bei dem es in einem Jahr sogar Gegenverkehr auf der Laufbahn an der Uferstraße gab. © Lukas, Jens
Breitensport

Castrop-Rauxeler Sport-Event kam durch englische Soldaten in Schwung

In Castrop-Rauxel gibt es Sportveranstaltungen, die bereits vor der Corona-Pandemie aus dem Jahreskalender verschwunden sind. Eines dieser Events war ein Dauerbrenner mit interessanter Entstehungsgeschichte.

Die spezielle Atmosphäre und die temporeiche Strecke waren stets die Markenzeichen des Ickerner Volkslaufes. Doch nach 44 Auflagen war im Jahr 2018 Schluss. Das kam nicht überraschend und hatte Gründe.

2018 waren noch einmal insgesamt 390 Läufer mit Start und Ziel an der Uferstraße in Ickern-End unterwegs gewesen. Der Rekord von Anfang der 2000er stand bei rund 800 Teilnehmern. Dadurch kam eine echte Volksfest-Stimmung beim Volkslauf auf. Zumal Verwandte und Bekannte die Läufer begleiteten und anfeuerten.

Viel Zeit investiert, wenig Gewinn

Dominik Schumann kündigte bereits im Januar 2018 an, dass der 44. Ickerner Volkslauf der letzte „in der jetzigen Form“ sein werde. Das hätten die verantwortlichen der Allgemeinen Turnabteilung beschlossen. Denn die freiwilligen Helfer investierten stets viel Zeit, Arbeit und Geld in die Veranstaltung, die zumeist zur Osterzeit über die Bühne ging. Schumann betonte: „Umgekehrt bleibt finanziell von Jahr zu Jahr immer weniger für die Abteilung übrig. Wir sind uns einig, dass wir unsere Zeit auf andere Art und Weise sinnvoller für den Verein investieren können.“

Beinahe vergessen ist die Entstehungsgeschichte des Events: Neue Wege war der TuS Ickern im Jahr 1974 gegangen und hob den Ickerner Volkslauf aus der Taufe. Männer der ersten Stunde waren der damalige Wanderwart Siegfried Geier und der heutige Ehrenvorsitzende Max Auffenberg. Geier hatte die Idee gehabt. Auffenberg suchte 2018 im Vereins-Archiv um damals für unsere Redaktion den Volkslauf-Ursprung herauszufinden.

2018 erinnerte Max Auffemberg (r.), der Ehrenvorsitzende des TuS Ickern, an die Entstehungsgeschichte des Ickerner Volkslaufes im Jahr 1974. © Foto:Jens Lukas © Foto:Jens Lukas

Die fast detektivische Suche ergab, dass am 22. September 1974 der erste Volkslauf über die Bühne ging. Damals trug er noch den Namen „Volkslauf-Leichtathletik- und Wandertag“. Von 1975 bis 1978 hieß er laut Max Auffenberg „Volkslauf- und Wandertag“.

Medaille mit Denkmal

Der langjährige TuS-Vereins-Chef hatte nicht nur seine Erinnerungen an die Anfänge aufpoliert, sondern auch die ersten Trophäen, die den Teilnehmern überreicht wurden. Wie etwa die Medaille, die auf der Vorderseite Castrop-Rauxeler Denkmäler zeigte.

Bei der Premiere war es das 1944 zerstörten Haus Ickern. Auf der Rückseite prangte das im Stadtwappen verankerte Andreaskreuz und das TuS-Vereinsemblem. Auffenberg betonte: „Dadurch wollten wir Ickerner in den Jahren der drohenden Eingemeindung nach Dortmund unsere Verbundenheit mit Castrop-Rauxel unterstreichen.“

Ab 1979 bekam jeder Teilnehmer zu seiner Urkunde einen kleinen Porzellanteller, mit Motiven der Rathäuser in Castrop-Rauxel und den damaligen Partnerstädten. Seitdem hieß die Veranstaltung auch „Ickerner Volkslauf“.

So sahen in den Anfangsjahren des Ickerner Volkslaufes die Trophäen aus: Teller und Medaillen mit Motiven – teilweise auch historisch – aus dem Stadtgebiet. © Jens Lukas © Jens Lukas

Die Wanderer und die Leichtathleten des TuS Ickern hatten in all den Jahren oftmals Streckenvarianten geprüft, bis nach vielen Anläufen die Streckenführung über 10 und 25 Kilometer feststand. Da die Strecken (durch die Mengeder Heide, den Leveringhauser Busch oder am Herdicksbach) nicht mit dem Auto abgefahren werden konnten, um die genauen Kilometer festzulegen, wurden sie mit einem so genannten Posträdchen an einem Stab abgelaufen. Max Auffenberg sagte 2018: „Man kann sich vorstellen, wie mühsam dieses auf Wald- und Feldwegen war.“

Soldaten marschierten dreimal mit

Der TuS rührte vor allem in den ersten Jahr laut die Werbetrommel mit Plakaten und Handzetteln. So gelang es beispielsweise auch einen Zug englischer Soldaten, die in der Dortmunder Kaserne am Westfalendamm stationiert waren, nach Ickern zu holen. Sie konnten hier für einen Marschwettbewerb in England trainieren. Auffenberg berichtete: „Es war beeindruckend zu sehen und zu hören, wie diese Männer nach 10 Kilometer stramm auf dem Sportplatz an der Uferstraße zumarschierten. Sie nahmen an drei Volksläufen teil.“

Ein Schnellschreiber ergänzte in den ersten Jahren des Ickerner Volkslaufes auf den Teilnehmer-Urkunden die Namen, Platzierungen und Zeiten. Die Aufgabe hatte Hermann Böger, berichtete jetzt Max Auffenberg: „Dadurch kam es bei den Siegerehrungen nie zu Wartezeiten.“

Auf den Trophäen vom sechsten Lauf stand „7. Volkslauf“

Ab 1975 hatte der damalige Oberbürgermeister Hugo Paulikat den Wanderpreis für die Hauptklasse gestiftet. Er hat auch über viele Jahre den Startschuss gegeben. Unter den Teppich fiel quasi die sechste Auflage des Ickerner Volkslaufes. Denn auf den Anhänger zu den Porzellanteller-Trophäen 1979 deutete der Text fälschlicherweise bereits auf das siebte Mal hin. Max Auffenberg sagt rückblickend: „Das mussten wir auf unsere Kappe nehmen.“

Franz Weyland und Werner Kupka, zwei Tennisspieler des TuS Ickern, hatten einst in einem Jahr ihren 10-Kilometer-Start spontan auf die doppelt so lange Strecke von 20 Kilometer erweitert – weil sie sich dafür gut und fit fühlten. Tags darauf war Weyland in Berlin unterwegs, konnte aber ob der Nachwirkungen des Volkslaufes auf dem Ku-Damm nicht mehr vor und zurück. Auffenberg: „Im Folgejahr lief er wieder die kürzere Strecke.“

Wer abkürzen wollte, flog auf

Mogeleien durch Streckenverkürzungen wurden anfangs laut Max Auffenberg versucht, insbesondere durch einheimische kleine Gruppen oder Einzelläufer. Sie fielen aber durch ihre guten Laufzeiten auf. Im zweiten Jahr wurde das Verkürzen durch zusätzliche Streckenposten unterbunden. Auch bemerkten trainierte Läufer durchaus, wenn Hobbyläufer vor ihnen auftauchten.

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Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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