In der Deutschen Rangliste sind die Castrop-Rauxeler Tennisspieler keine Corona-Verlierer. Wir erklären, warum es so ist. © picture alliance/dpa/AP
Tennis

Castrop-Rauxeler Tennisspieler laufen in der Deutschen Rangliste im Pandemie-Modus

In der Deutschen Rangliste sind die Castrop-Rauxeler Tennisspieler keine Corona-Verlierer. Wir erklären, warum es so ist.

Während Alexander Zverev bei den Australian Open als letzter verbliebener deutscher Spieler ins Achtelfinale eingezogen, ruht hierzulande der Filzball. Die Nummer Eins der deutschen Tennis-Rangliste sammelt somit weitere Punkte, während die Spieler aus Castrop-Rauxel derzeit leer ausgehen. Dennoch sind sie keine Verlierer der Corona-Pandemie

Eine Sonderregelung greift

Die aktuellen Ranglisten ersetzen jene vom März 2020 und sind eine Ausnahme-Erscheinung. Normalerweise werden die Rankings vierteljährlich aktualisiert. Unklar ist, wie lange die Corona-Sonderregelungen für Ranglistenpunkte Bestand haben werden.

Derzeit ist der Auswertungszeitraum von 12 auf 21 Monate erweitert, umfasst also alle Matches zwischen April 2019 und Ende 2020. Erst ab dem vierten nicht angetretenen Spiel erfolgt ein Punktabzug.

Karin Gaudigs (links) vom TC Castrop 06 mit Susanne Veismann beim DTB-Turnier im Sommer 2020 in Mönchengladbach. Die Castroperin steht auf Platz 32 der Damen-55-Rangliste, die Susanne Veissmann anführt. © privat © privat

Karin Gaudigs (TC Castrop 06) hat den höchsten Ranglisten-Eintrag unter den Castrop-Rauxeler Spielerinnen und Spielern. Die 58-Jährige steht in der Deutschen Damen-55-Rangliste auf dem 32. Platz. Zuletzt belegte sie Rang 36. Die letzten Punkte erspielte Karin Gaudigs im Sommer bei Turnieren in Mönchengladbach und Bielefeld. Wann wieder neue Punkte hinzukommen, steht in den Sternen. „Momentan ruht ja alles“, sagt Karin Gaudigs. „Ich hoffe, dass wir ab Ostern wieder spielen können.“ Für die 15. Senior Open im Sommer auf Usedom ist sie bereits gemeldet.

2022 wird Karin Gaudigs 60 Jahre alt. Dann wechselt sie in die entsprechende Altersklasse, die Damen 60. Die Punkte nimmt sie komplett mit. Vierteljährlich werden normalerweise die Punkte neu addiert, die auf Turnieren erspielt wurden. Alle Ergebnisse, die älter als zwölf Monate sind, fallen dann weg.

Dieter Düwel (TC Castrop 06) belegt in der Herren-65-Rangliste den 44. Platz. „Ich stand schon mal viel tiefer“, sagt er lachend. „In den letzten Jahren aber immer um Position 40 herum, mal drüber mal drunter.“

2020 erreichte er bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften das Viertelfinale, das war der größte Punkte-Batzen in letzter Zeit. Derzeit blieben ihm nur internationale Turniere, um Zähler zu sammeln.

Dieter Düwel (TC Castrop 06) ist derzeit 44. der deutschen Herren-65-Rangliste – mit rund halb so vielen Punkten im Vergleich zur Top-3. © Volker Engel © Volker Engel

„Es nicht abzusehen, wann es wieder weiter geht“, so Dieter Düwel. „Wir würden alle gerne wieder Tennis spielen. Aber Tennis ist nicht der Nabel der Welt, daher will ich mich gar nicht beklagen.“

Der große Vorteil an einer guten Ranglistenposition: Man gelangt auf die Setzliste und trifft somit nicht bereits in Runde eins auf die stärksten Gegner. „Das ist ein angenehmer Nebeneffekt, aber die Rangliste ist nicht das Wichtigste beim Tennis“, sagt Dieter Düwel.

Die ersten drei Spieler der Herren-65-Rangliste verfügen über mehr als doppelt so viele Punkte als der Castroper. „Um unter die ersten 30 zu kommen, müsste ich praktisch jede Woche ein Turnier spielen“, erklärt Dieter Düwel. „Für den Aufwand den ich hingegen betreibe, bin ich ganz zufrieden. Meine bislang beste Platzierung war 32 oder 33. Das weiß ich nicht mehr genau.“

In der Damen-Rangliste findet man an Position 86 Svetlana Iansitova. Die junge Russin spielte im vergangenen Sommer für den TuS Ickern in der Westfalenliga. Wie auch ihre Landsfrau Julia Avdeeva, die auf Rang 96 steht. Anne Zorn, die nicht mehr für Ickern antritt, landet auf Platz 307.

Anne Zorn, die im Sommer ihr letztes Spiel für Ickerns Westfalenliga-Damen absolvierte, belegt Platz 307 der deutschen Damen-Rangliste. © Volker Engel © Volker Engel

In der Deutschen Herren-Rangliste, die Alexander Zverev (Rochusclub Düssedorf) anführt, ist der TuS Ickern ebenfalls vertreten. Der Ukrainer Vadym Ursu belegt aktuell Rang 98. Alexander Manapov – der Sohn von Tennistrainer Oleg Mannapov – steht an 194. Position. Gefolgt von Luca Sobbe auf Platz 221.

Der Traumn von einem Platz in den Top 100

Der 18-Jährige strebt einen Platz unter den Top-100 an. „Wenn so ungefähr auf Platz 200 steht, dann liegt es nahe von der Top 100 zu träumen“, sagt sein Vater Heiko Sobbe, Geschäftsführer des TuS Ickern. „Unter die besten 100 zu kommen, ist ein Ziel, was man sich stecken sollte, will man realistisch bleiben.“

Lucca Matteo Sobbe (TuS Ickern) kratzt an der Grenze zur Top-200 der deutschen Herren-Rangliste. Der 18 Jährige will es mal unter die besten 100 schaffen. © Volker Engel © Volker Engel

Durch die aktuelle Punkte-Regelung verlieren die Tennisspieler aktuell keine Punkte, da keine alten Ergebnisse gestrichen werden, wie sonst nach einem Jahr üblich. Wie lange diese Regelung noch bestehen bleibt ist unklar. „Der Ausschuss wurde kürzlich neu gewählt und muss erst zusammen kommen“, sagt Felix Wortmann, Koordinator beim Deutschen Tennisbund in Hamburg. „Solange nicht klar ist, wann die Hallen und Plätze wieder bespielt werden dürfen, können wir auch keinen Zeitpunkt festlegen.“

Denkbar ist, dass falls die Sportanlagen bis Ende März geschlossen bleiben, keine neue Rangliste erscheint. Sollten die Sportstätten-Öffnungen in den Bundesländern voneinander abweichen, wäre vorstellbar, dass die Ergebnisse nicht in die nächste Rangliste einfließen, um Wettbewerbsverzerrung vorzubeugen. Denkbar ist ebenso, die Ergebnisse aus Sommer 2019 zu streichen, falls 2021 es wieder ein Quartal mit Spielergebnissen gibt.

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Redaktion und Sportredaktion Castrop-Rauxel

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