Die kleinsten Fußballplätze sind 4050 Quadratmeter groß - genug Platz für Sportler, doch geöffnet wird weiterhin nicht. © Jens Lukas
Meinung

Die Politik drängt den Sport ins Abseits – zu Unrecht!

Beim Terminshopping soll ein Kunde 40 Quadratmeter Platz haben. Bei einem Fußballspiel hat jeder Spieler ein Vielfaches. Trotzdem gibt es keine Öffnungsstrategie. Diese Rechnung geht nicht auf.

Sport ist nicht lebenswichtig. Ist das wirklich so? Ist Sport nicht genau so gesellschaftlich schützenswert wie die Wirtschaft? Blickt man auf die Corona-Maßnahmen, erkennt man klar: Der Sport wird nachrangig behandelt. Und es wird mit zweierlei Maß gemessen. Schon lange.

Bereits im Oktober 2020 hatte die Medizinische Kommission des DFB darauf hingewiesen, dass die Ansteckungsgefahr beim Spiel gering ist. Die Gefahr lauert laut Kommissionschef Prof. Dr. Tim Meyer vor allem abseits des Platzes.

Wissenschaftler sehen draußen nur wenige Gefahren

Unter der Woche wiesen dann Aerosolforscher darauf hin: „Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass drinnen die Gefahr lauert.“

Und erst am Donnerstag wagte sich der Landessportbund NRW, der sich hauptsächlich durch staatliche Lotterien finanziert, aus der Deckung und kritisierte die Pläne der Bundesregierung zum Infektionsschutzgesetz mit Verweis auf den Schaden, der aus Bewegungsmangel folgt, scharf.

Völlig verständlich. In den drei Fällen waren wissenschaftliche Studien die Grundlage, doch auf sie gehört hat die Politik bisher nicht. Wie wissenschaftsfern die aktuellen Regelungen sind, wird schon deutlich, wenn man sie mit anderen Branchen vergleicht.

Mit einem negativen Schnelltest durften Menschen in Regionen mit Test-Option zum Beispiel Museen, Ausstellungen und Zoos besuchen – wenn sie mindestens 20 Quadratmeter Platz haben. Auch innerhalb von geschlossenen Räumen.

Geschäfte bekamen die Möglichkeiten, mit 10 oder 20 beziehungsweise 40 Quadratmetern je nach Geschäftsgröße und Branche auf Termin zu öffnen. Je nach Kommune und Kreis weichen die Notbremse-Regelungen voneinander ab.

Ein Fußballer hat 176 Quadratmeter Platz auf dem Feld

Das alles ist vor allem dann verwunderlich, wenn man bedenkt, dass diese Regelungen für den Indoor-Betrieb gelten. Und der Sport? Der bleibt meistens außen vor, obwohl der kleinstmögliche Fußballplatz 4.050 Quadratmeter groß ist und jeder der 22 Spieler und ein Schiedsrichter jeweils 176 Quadratmeter zur Verfügung hätte. Bei Standardplätzen (7.000 Quadratmeter) entspricht das über 300 Quadratmetern pro Person auf dem Spielfeld, wenn sich alle verteilen würden.

Selbst wenn sich alle Spieler im Strafraum (665 Quadratmeter) bei einer Ecke aufhalten würden, hätte jeder theoretisch immer noch 30 Quadratmeter zur Verfügung – also in vielen Fällen mehr als in Geschäften oder Museen und noch dazu unter freiem Himmel, wo Luftaustausch gewährleistet ist und die Aerosol-Konzentration niedrig bleibt.

Harte Einschränkungen müssen her – alle müssen Beiträge leisten

Fazit: Um die dritte Welle zu brechen, müssen harte Einschränkungen her – das ist klar. Dafür muss wahrscheinlich auch wieder der Sportbetrieb eingeschränkt werden. Doch erst war das Entscheidungsprozedere wieder mal viel zu träge, sodass die Corona-Inzidenzen in die Höhe schossen, und nun müssen erneut Jugendliche und Sportler die Rechnung bezahlen. Dass sie mit Einschränkungen leben müssen, bei denen die Wirksamkeit fragwürdig ist, halte ich für falsch.

Die Strategie muss daher lauten: Möglich machen, was möglich ist – und die Infektionsherde da eindämmen, wo sie auftreten: nämlich bei unkontrollierbar wachsenden Zusammenkünften an beliebten Treffpunkten, in echten Hot-Spot-Regionen und vor allem drinnen. Auch beruflich, wo der Staat bisher viel zu viele Freiheiten gewährt.

Und dann sollte man die Zeit nutzen, um nach der dritten Welle ein Konzept zu haben, wie Sporttreibende künftig besser berücksichtigt werden können. Alles andere ist ein Messen mit zweierlei Maß.

Über den Autor
Redakteur
Sportler durch und durch, der auch für alle Sportarten außerhalb des Fußballs viel übrig hat. Von Hause aus Leichtathlet, mit einer Faszination für Extremsportarten, die er nie ausprobieren würde. Gebürtig aus Schwerte, hat volontiert in Werne, Selm, Münster und Dortmund.
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