Marie Borowycz beim Weitsprung in der Sportabzeichen-Saison 2020 - beobachtet von Sportabzeichenwartin Ute Spengler (l.). © Manfred Hupka
Sportgeschichte

Junge Leichtathletin verliebte sich schon früh in das Sportabzeichen

Im Corona-Jahr 2020 gab es 185 Breitensportler, die in Castrop-Rauxel die Sportabzeichen-Prüfungen bestanden haben. Darunter war auch eine junge Frau, die in der Leichtathletik zur deutschen Spitze gehörte.

Die Leichtathletik als Sport ist ästhetisch und dynamisch. Eine Castrop-Rauxelerin war im Weit- und Dreisprung deutschlandweit erfolgreich – und im Studium international für eine USA-Universität. Die heute 28-Jährige hat ihre Spikes 2017 an den Nagel gehängt. Die berufliche Laufbahn wurde wichtiger. Eine sportliche Liebe ist Marie Borowycz bis heute geblieben: das Sportabzeichen. Beim TuS Ickern („Ich weiß gar nicht, ob ich dort noch Mitglied bin“) begann sie mit der Leichtathletik.

Dreisprung-Bestweite ist noch immer gut für Platz zweigut

Ihr Talent für den Weitsprung und den dreifachen Jump an einem Stück, kristallisierte sich in Ickern heraus. Wer als Leichtathletin besser ist als andere Mädchen, muss den Verein wechseln. In Westfalen sind die Topadressen LG Olympia Dortmund, TV Wattenscheid und TV Gladbeck. Marie Borowycz entschied sich für Gladbeck. In der Leichathletik feierte sie Erfolge, wurde Westfalenmeisterin und war bei Westdeutschen Meisterschaften am Start.

Die Ickernerin Marie Borowycz. © Manfred Hupka © Manfred Hupka

Mit der beim TV Gladbeck gelisteten Dreisprung-Bestweite von 11,86 Metern als U23-Athletin stünde Marie Borowycz in dieser Altersklasse in der Westfalen-Rangliste noch heute auf Platz zwei, nur neun Zentimeter hinter der Pole-Position. Die Leichtathletik als Leistungssport ist für Marie Borowycz inzwischen Schnee von gestern. Der Beruf und das Sportabzeichen genießen Priorität.

Studiert hat Marie Borowycz direkt nach dem Abitur zwei Jahre in den USA an der Elon University North-Carolina. Dort hat sie mit dem Uni-Team Leichtathletik-Wettkämpfe bestritten. Heimgekehrt nach Deutschland studierte sie Energie- und Umwelttechnik an der Hochschule Ruhr-West. Das Thema ihrer Bachelor-Arbeit ist für Laien kaum zu lesen, geschweigen denn zu verstehen. Marie Borowycz klärt auf: „Für Fachfremde habe ich etwas verbrannt – präziser ausgedrückt habe ich Holzkohle künstlich hergestellt.“

Während des Studiums an der HRW, wie auch nach dem Bachelor-Abschluss, arbeitete sie dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem internationalen Projekt und schloss den Master-Studiengang ab. Folgt nun der Doktor-Titel? „Das hatte ich tatsächlich vor, mich dann aber für die freie Wirtschaft entschieden. Bis zum Doktor-Titel hätte ich weitere drei Jahre investieren müssen – da ist mit die praktische Arbeit an technischen Projekten lieber.“

Auch wenn Marie Borowycz in der Leichtathletik Medaillen gewonnen hat, übt das Sportabzeichen einen besonderen Reiz aus. Mit sechs Jahren schaffte Klein-Marie das erste Sportabzeichen. Ab da meisterte sie jedes Jahr bis heute die Prüfungen – ohne Unterbrechung. Wo Marie Borowycz auch steckte, oder wie sie in der Leichtathletik und im Studium gefordert war, die Zeit fürs Sportabzeichen nahm sie sich. Sogar in den beiden USA-Jahren schob sie es bei Kurzurlauben in Castrop-Rauxel schnell ein. Das Sportabzeichen ist quasi Ehrensache für Marie – und ihre Mutter Silvia. „Meine Mama macht jedes Mal mit.“

Einst berichtete die Castrop-Rauxeler Lokalsportredaktion oft über die Leichtathletik-Leistungen von Marie Borowycz. Sie schickte ein ums andere Mal Fotos von vor Ort, wenn sie deutschlandweit unterwegs war – wie hier im Jahr 2011. © privat © privat

Auch im Jahr 2020. Wenngleich das zeitlich schwierig war wegen des ersten Corona-Lockdowns. „Es hat aber geklappt. In diesem Jahr wird es nicht einfacher, da man wohl im Sommer erst wieder auf den Sportplatz darf“, denkt die 28-Jährige.

Wenn es wieder möglich sei, würde das Sportabzeichen 2021 aber angegriffen. Dabei bricht Marie Borowycz eine Lanze für die Männer: „Im Alter zwischen 20 und 35 ist es für die Männer viel schwerer als für Frauen, die beim Sportabzeichen geforderten Leistungen zu erfüllen.“

Ungewöhnlich ist indes, dass eine Leichtathletin neben dem Weitsprung nie den 100-Meter-Sprint auswählt. Marie Borowycz klärt auf: „Ich erledige die Sportplatz-Disziplinen immer an einem Tag. Nach den 3.000 Metern sofort beim Sprint einzusteigen, lasse ich wegen der Verletzungsgefahr aus. Für die 100 Meter wähle ich lieber die Kurzstrecke Schwimmen.“ Diese 25-Meter-Zeit schaffe sie locker – obwohl Schwimmen nicht unbedingt ihr Ding sei.

Bereitet das Sportabzeichen irgendwo auch Sorgen? „Ja, die 3.000 Meter sind schwierig. Nicht wegen der geforderten Zeit, sondern wegen der Zeit, die ich mir selbst vorgebe“, so Marie Borowycz. Ihre Ausdauer wird gelobt von Sportabzeichenwartin Ute Spengler: „Marie findet jedes Jahr die Zeit fürs Sportabzeichen – egal wo sie gerade ist oder was sie macht.“

Die Athletin lobt zurück: „Was die Sportabzeichen-Abnehmer bei Wind und Wetter leisten, ist große Klasse.“ Spontan erinnert sich Marie Borowycz an einen 3000-Meter-Lauf: „Ich musste am nächsten Tag zurück in die USA fliegen. Wir waren bei Dauerregen allein auf dem Sportplatz, als Ute Spengler meine Zeit gestoppt hat.“

Im aktuellen Corona-Lockdown fehlt wieder die Chance zum Training auf dem Sportplatz. Stattdessen hat Marie Borowycz eine WhatsApp-Gruppe zur Vorbereitung auf das Sportabzeichen 2021 installiert: „Freunden und Bekannten stelle ich jede Woche eine neue Aufgabe. Bis jetzt läuft das richtig gut. Schaun wir mal, wer im Sommer beim Sportabzeichen tatsächlich noch mit dabei ist.“

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Freier Mitarbeiter
Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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